Crans-Brand: Cassis kritisiert Ton des italienischen Botschafters

Antun Boskovic
Antun Boskovic

Lugano,

Der Brand in Crans-Montana belastet die Beziehungen der Schweiz zu Italien. Ignazio Cassis stört sich aber auch am Verhalten des italienischen Botschafters.

Ignazio Cassis
Aussenminister Ignazio Cassis ist nicht erfreut über das Verhalten des italienischen Botschafters in der Schweiz. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Brand-Katastrophe sorgt für Spannungen zwischen der Schweiz und Italien.
  • Zuletzt sorgten Spitalrechnungen aus der Schweiz für rote Köpfe in Italien.
  • Ignazio Cassis glaubt, der italienische Botschafter hätte für mehr Ruhe sorgen sollen.

Die Brand-Katastrophe im «Le Constellation» in Crans-Montana kostete insgesamt 41 Menschen das Leben. 115 Personen erlitten teils schwere Verletzungen.

Sechs der Todesopfer sind Italiener, dazu kommen etwa zehn verletzte italienische Staatsbürger. Dieser Umstand sorgt seit dem 1. Januar für Spannungen mit Italien bei der Aufarbeitung der Brand-Katastrophe – besonders wegen der Ermittlungen.

Zuletzt sorgten Spitalrechnungen für erhitzte Gemüter

Zwischenzeitlich hatte die italienische Regierung ihren Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, nach Italien zurückbeordert. Seit Anfang April befindet er sich aber wieder in der Schweiz.

Nervt dich das Verhalten der Italiener?

Zuletzt sorgten aber Spitalrechnungen in Höhe von bis zu 70'000 Franken aus der Schweiz an italienische Opfer für rote Köpfe. Auch wenn der Kanton Wallis beschwichtigt hat, dass die italienischen Familien die Rechnungen nicht bezahlen müssen.

Dennoch hatte Botschafter Cornado keine Freude an den versandten Rechnungen: «Die Rechnungen, die bereits eingegangen sind, und diejenigen, die noch kommen sollten, werft sie in den Abfallkübel, klar? Die Sache ist erledigt, Italien wird nicht zahlen.»

Cassis: Wäre Aufgabe des Botschafters, «für mehr Ruhe zu sorgen»

Das Verhalten des Botschafters scheint nicht allen zu gefallen. Der Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis kritisiert Cornado gegenüber «Ticinonews»: «Diese anhaltende und endlose Diskussion zu diesem Thema wird leider auch – wie ich sagen muss – vom italienischen Botschafter in der Schweiz angeheizt.»

Und: «Meiner Meinung nach wäre es jedoch seine Aufgabe, für mehr Ruhe in den Beziehungen zu sorgen.» Dabei scheint sich Cassis vor allem auf die öffentliche Kommunikation des italienischen Botschafters zu beziehen.

Denn er hält fest: «Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien sind nach wie vor gut, wie schon in den letzten Jahren.» Auf diplomatischer Ebene sei die Lage ruhig. «Aber diese Ausrutscher in der Kommunikation sind nicht hilfreich», fügt Cassis hinzu.

Regelmässig im Austausch mit Aussenminister und Meloni

Er fordert zudem alle auf, «den Ton zu mässigen und zu einer korrekteren Kommunikation zurückzukehren». Cassis erklärt gleichzeitig, dass er in Kontakt stehe mit dem italienischen Botschafter. Er tausche sich mit ihm regelmässig aus, ebenso wie mit seinem Amtskollegen Tajani und Ministerpräsidentin Meloni.

Dies zeige, dass es auf institutioneller Ebene kein Problem gebe. «Es gibt keine Krise.»

Klar sei aber auch: «Eine weiterhin ‹etwas hitzige› Kommunikation wird die offizielle Kommunikation nicht erleichtern. In diesem Sinne glaube ich, dass auch die italienischen Kollegen meiner Meinung sind.»

Kommentare

User #5403 (nicht angemeldet)

Die Frage sei erlaubt, wie wäre das Verhalten Italiens wenn ein solches Unglück bei ihnen passiert? Es waren keine Rechnungen die versandt wurden, sondern Rechnungskopien zur Orientierung und das kennen wir alle. Ein Botschafter sollte ein Brückenbauer zwischen beiden Staaten sein. Italien spielt sich hier in einer art auf und fordert, was sie im eigenen Land nicht bringen.

User #5443 (nicht angemeldet)

Wer zögert, der wird von anderen gezogen.

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