Bundesrat lehnt Initiative zum Verbot von Tierversuchen ab

    Keystone-SDA
    Keystone-SDA

    Bern,

    Der Bundesrat spricht sich gegen die Initiative für ein Verbot von Tierversuchen aus. Er ist der Ansicht, dass Tiere in der Forschung genügend geschützt sind.

    Tierversuche
    2018 wurden in der Schweiz 586'643 Tiere für Tierversuche eingesetzt. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Bundesrat hat die Initiative zum Verbot von Tierversuchen abgelehnt.
    • Seiner Meinung nach erhalten Tiere in der Forschung ausreichend Schutz.

    Der Bundesrat lehnt die Initiative für ein Verbot von Tierversuchen ab. Er teilt zwar das Anliegen, dass Tierleid möglichst vermieden werden muss. Doch seiner Meinung nach sind Tiere in der Forschung ausreichend geschützt.

    Der Bundesrat hat daher heute Mittwoch im Grundsatz entschieden, die Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» (Tierversuchsverbotsinitiative) ohne Gegenvorschlag abzulehnen.

    Volksinitiative Tierversuche
    Mitglieder des Komitees bei der Einreichung der Unterschriften für die eidgenoessische Volksinitiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen fuer Sicherheit und Fortschritt». - Keystone

    Diese verlangt ein bedingungsloses Verbot von Tier- und Menschenversuchen. In der Bundesverfassung sollen Tierversuche als Quälerei und Verbrechen eingestuft werden. Bereits eingeführte Produkte könnten auf dem Markt bleiben. Bestehende oder neue Produkte, für die Tierversuche durchgeführt werden müssten, dürfen hingegen weder gehandelt noch ein- oder ausgeführt werden.

    Suche nach Alternativen

    Das geht dem Bundesrat zu weit, wie er in einer Mitteilung schreibt. Darin verweist er auf bereits ergriffene Massnahmen: 2008 seien strengere Bestimmungen zu Tierversuchen eingeführt worden. 2010 habe das Stimmvolk einem neuen Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen deutlich zugestimmt. 2014 sei das neue Humanforschungsgesetz in Kraft getreten.

    Zudem fördere der Bund seit Jahren Alternativen zu Tierversuchen, schreibt der Bundesrat. Als Beispiel führt er das letztes Jahr gegründete Kompetenzzentrum an, das die sogenannten 3R-Prinzipien stärken soll. Diese haben zum Ziel, Tierversuche zu ersetzen, weniger Tierversuche durchzuführen und die Tiere bei den Versuchen weniger zu belasten (replace, reduce und refine).

    Trotzdem seien die Grundlagenforschung und die Prüfung von pharmazeutischen und chemischen Produkten bis heute auf Tierversuche angewiesen. Auch der Einbezug von Personen sei manchmal notwendig, wenn menschliche Krankheiten erforscht würden.

    Versorgung gefährdet

    Laut Bundesrat würde die Annahme der Initiative die Versorgung mit Medikamenten gefährden. Zudem könne die Schweiz wegen des Importverbots nicht mehr von wissenschaftlichen Entwicklungen im Ausland profitieren.

    Medikamente
    Mit der Annahme der Initiative könnte die Medikamenten-Versorgung in der Schweiz gefährdet werden, so der Bundesrat. - Keystone

    Der Bundesrat weist auch darauf hin, dass ein Import- und Handelsverbot nicht mit den internationalen Verpflichtungen der Schweiz vereinbar wäre. Die Annahme der Initiative könnte negative Folgen für Gesundheit, Forschung und Wirtschaft in der Schweiz haben.

    Die Initiative war 2017 von St. Galler Bürgern lanciert worden. Damals wurden in der Schweiz 614'581 Tiere für Tierversuche eingesetzt. Zwei Drittel der Versuchstiere waren Mäuse. Die Initianten sind überzeugt, dass die Forschung heute viele modernere Methoden als Tierversuche zur Verfügung hat. Unterstützt wird die Initiative von rund 80 Organisationen und Unternehmen.

    Kommentare

    Weiterlesen

    99-Prozent-Initiative
    Bern
    senioren rentenalter jungfreisinnige
    34 Interaktionen
    Rentenalter 66
    Alain Berset Cannabis Bundesrat
    25 Interaktionen
    Cannabis auf Rezept

    MEHR AUS STADT BERN

    Adib
    25 Interaktionen
    Letzten Zug verpasst
    Ähnlich wie bei einer Sprachenlern-App kann man bei GudMem Namen von beispielsweise neuen Arbeitskollegen schnell lernen.
    7 Interaktionen
    Fertig mit Ausreden
    SCB-Boykott
    Fan-Proteste
    2 Interaktionen
    6 Monate nach Wahlen