Berner Nationalrätin Stämpfli: «Bundesrat bei PFAS sehr abwartend»
Nicht nur als werdende Mutter macht sich Nationalrätin Fabienne Stämpfli Sorgen um giftige Stoffe in den Böden. Nun soll der Bundesrat Fragen beantworten.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Nationalrätin Fabienne Stämpfli (GLP/BE) will vom Bundesrat wissen, was der Stand bei der Ewigkeitschemikalie TFA ist.
- Der Bundesrat wartet auf die ausformulierte EU-Regulierung – aber man könne sich bereits jetzt überlegen, was zu tun wäre, findet Stämpfli.
- TFA gehört zu den PFAS und steht im Verdacht, reproduktionstoxisch zu sein.
Die Substanz ist die kleinste der Ewigkeitschemikalien PFAS, heisst korrekt «Trifluoressigsäure», abgekürzt TFA. Und sie hat vor zwei Jahren Schlagzeilen gemacht: In einer Pilotstudie des Bundes wurde sie gleich flächendeckend im Trinkwasser nachgewiesen. Teilweise in sehr hohen Konzentrationen.
Passiert ist seither nicht sehr viel, und das stört Nationalrätin Fabienne Stämpfli (GLP/BE): «Die EU hat wissenschaftlich belegt, dass TFA reproduktionstoxisch sein könnte», betont sie gegenüber dem BärnerBär.
Das heisst: TFA könnte die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen und Schäden beim ungeborenen Kind verursachen.
TFA: Sorgen als werdende Mutter
Noch ein Stoff, der womöglich giftig ist und der zu weiteren Einschränkungen führen könnte. Aber als werdende Mutter macht man sich halt Sorgen? «Ja natürlich – nicht nur bezogen auf meine Familienplanung!», meint die hochschwangere Stämpfli schmunzelnd.

Alle Kinder, die jetzt geboren werden, kämen täglich mit diesen Stoffen in Kontakt, gibt sie zu bedenken. Nicht nur komme alle paar Wochen ein weiterer Stoff hinzu, es sei auch die Kombination all dieser Stoffe: «Wie wirken die sich aus? Die Stoffe sind ja noch nicht so lang in unserer Umwelt», so Stämpfli.
Die Elterngeneration sei diesem Chemikalienmix wohl noch nicht so ausgesetzt gewesen wie jetzt die Jüngeren. «Da macht man sich sehr viele Sorgen, ja.»
EU spurt vor – Bundesrat wartet ab
Auf frühere Fragen von Nationalrätin Stämpfli antwortete der Bundesrat, er warte ab, wie die EU TFA einstufe. Doch das genügt GLP-Stämpfli nicht.
«Jetzt habe ich ihn gefragt, ob er im Austausch sei mit der EU, ob er weiss, wann ein Entscheid fällt. Und wenn er schon weiss, dass eine Regulierung kommen wird: Ob er sich überlegt, wie man die in der Schweiz nachvollziehen will.»
Die Antworten sollten am Montag im Rahmen der Fragestunde kommen.

Schliesslich könne man sich bereits jetzt Gedanken machen, wie man mit einer TFA-Einschränkung umgehen will. Ziel sei ja wohl, die Stoffeinträge an der Quelle zu beschränken.
«Sie kommen im Wesentlichen aus Kühlmitteln und aus Pflanzenschutzmitteln», weiss Fabienne Stämpfli. «Da muss man sich einfach schon proaktiv überlegen, wie man die Einträge reduzieren kann. Denn Stand heute kann man TFA nicht mehr aus dem Trinkwasser herausfiltern.»
Zu wenig proaktiv: Warten auf den «PFAS-Aktionsplan»
Ist der Bundesrat – mangels werdender Mütter im Gremium – beim Thema PFAS vielleicht zu wenig sensibilisiert? Der Bundesrat verweise immer wieder auf den Aktionsplan, den er am Ausarbeiten ist, meint Stämpfli etwas schulterzuckend.

Das sei zwar sicher auch gut, dass er so den Überblick über die grosse Thematik PFAS habe. Doch «proaktiv» sieht halt anders aus.
«Wir haben Vorstösse eingereicht für Absenkpfade», erwähnt Nationalrätin Stämpfli: «Dass man mit der Industrie schaut, wo kann man PFAS ersetzen, wo ist das am einfachsten schon möglich.»
Doch, stellt sie fest: «Bei solchen Themen ist der Bundesrat doch sehr abwartend unterwegs.»












