Balthasar Glättli

    Balthasar Glättli: «Wehmütige Gefühle» beim Abschied aus Bundesbern

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Zürich,

    Nach seiner Wahl in den Zürcher Stadtrat muss Balthasar Glättli im Nationalrat zurücktreten. Bei Nau.ch zieht er Bilanz über 14 Parlaments-Jahre.

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    Vom Nationalrat in den Stadtrat: Balthasar Glättli über seine Highlights in Bundesbern. - Nau.ch / Matthias Bärlocher

    Das Wichtigste in Kürze

    • Balthasar Glättli tritt nach seiner Wahl in den Zürcher Stadtrat als Nationalrat zurück.
    • Im Nau.ch zieht er Bilanz: Was waren die Highlights, was wird er nicht vermissen?
    • Einen «Lehrblätz» nimmt er mit nach Zürich und gibt ihn als Tipp an seine Nachfolgerin.

    Seit Dezember 2011 ist Balthasar Glättli (GPS/ZH) Nationalrat, seit über 14 Jahren. Nun musste er innert zwei Wochen Abschied nehmen.

    Mit seiner Wahl in die Zürcher Stadtregierung am 8. März musste er im nationalen Parlament zurücktreten. Im Nau.ch-Interview erzählt er, was sein grösster Lehrplatz ist, was ihn gefreut und was ihn geärgert hat.

    Nach dem Kater kommt die Wehmut – und der Apéro

    Ob Glättli die Wahl zum Stadtrat gelingen würde, war alles andere als klar. Umso mehr musste am Wahlsonntag gefeiert werden.

    «Ich habe wohl den Montag mit einem Kater gestartet wie noch selten eine zweite Sessionswoche», gesteht der Noch-Nationalrat.

    Balthasar Glättli Leupi Rykart
    Balthasar Glättli (rechts) freut sich über seine Wahl in den Zürcher Stadtrat, zusammen mit den ebenfalls gewählten Grünen Daniel Leupi (links) und Karin Rykart (Mitte), im Stadthaus in Zürich, am 8. März 2026. - keystone

    Danach, so habe man ihm gesagt, sei er die ganze Woche über mit einem Lächeln durch die Bundeshaus-Hallen gewandelt. «Jetzt, in der dritten Sessionswoche, kommen auch noch etwas die wehmütigen Gefühle.»

    Zum Zeitpunkt des Interviews war die Situation für ihn noch gar nicht real. Das komme dann wohl mit dem letzten Glöckchen-Klingeln des Nationalratspräsidenten am Freitagmorgen. Wenn er dann das letzte Mal zur Session rauslaufe, werde er dann schon noch wehmütiger werden.

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    Balthasar Glättli über das, was er gelernt hat – und das, was er seiner Nachfolgerin weigergibt. - Nau.ch / Matthias Bärlocher

    Immerhin sei der Abschied etwas abgefedert, denn er habe noch einige Kommissionssitzungen zu absolvieren, ruft Glättli in Erinnerung. «Ich darf noch etwas ‹ausplämperle›, meinen Kolleginnen und Kollegen noch einen Apéro spendieren.»

    Rückblick auf Erfolge

    Und zurückblicken: Ein grosses Highlight sei für ihn die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative gewesen. «Dass ich mithelfen durfte, dass wir eine Lösung finden konnten mit dem Arbeitslosenvorrang, der kompatibel ist mit den Bilateralen.»

    Persönlich das Schönste sei aber der Erfolg der Gletscherinitiative gewesen, bei der er von Anfang an dabei war. Diese wurde zwar zurückgezogen, war aber Auslöser für das Klima- und Innovationsgesetz.

    Das durch den Rat zu bringen, bleibe ihm als Highlight in Erinnerung, schwärmt Balthasar Glättli. «Und am Schluss, nach dem Referendum von rechts aussen, auch noch mit fast 60 Prozent Ja an der Urne die Bestätigung zu haben.»

    Lösungen statt Sündenböcke

    Nach seinem Abgang aus Bundesbern nicht vermissen werde er etwas, was seit den Wahlen 2023 immer häufiger geworden sei: «Dass die anderen bürgerlichen Parteien im Windschatten der SVP hinterherlaufen und ab und zu sogar versuchen, sie rechts zu überholen.»

    Glättli fühlt sich beleidigt von «dieser Art der Sündenbock-Politik, alles schlecht zu machen, statt Lösungen zu finden.»

    Balthasar Glättli Pierre-André Page
    Balthasar Glättli (GPS/ZH) posiert bei seiner Verabschiedung aus dem Parlament mit Nationalratspräsident Pierre-André Page (SVP/FR), am letzten Tag der Frühlingssession, am 20. März 2026 im Nationalrat in Bern. - keystone

    Er tröstet sich damit, dass sich das Problem wohl selbst regulieren dürfte: «Dass diese Parteien irgendwann auch selbst merken, dass dies nicht nur in der Sache nicht gut ist. Sondern sie selbst nur dem Original nützen.»

    Glättli über Gegner: «Man muss sich nicht lieben, aber…»

    Nun nimmt Balthasar Glättli seine langjährigen Parlamentserfahrung mit in die Zürcher Exekutive. Zum Beispiel den «Lehrblätz», den man unabhängig von der Parteizugehörigkeit lerne: «Man sieht sich im Leben immer tausend Mal.» Und man ist, je nach dem, aufeinander angewiesen.

    Denn das sei für ihn das Faszinierende in diesem System ohne Koalitionen: «Es kann sein, dass man in den ersten fünf Abstimmungen in fünf unterschiedlichen Allianzen in der Mehrheit ist. Oder auch verliert.»

    Also müsse man auch mit allen, von links bis ganz rechts, die Diskussionsmöglichkeit aufrechterhalten.

    Anna-Béatrice Schmaltz
    Anna-Béatrice Schmaltz wird im Nationalrat für Balthasar Glättli nachrücken. - keystone

    Das sei denn auch ein Tipp an seine Nachfolgerin im Nationalrat, Anna-Béatrice Schmaltz: «Man muss sich nicht lieben, aber man muss zusammenarbeiten können.»

    Das, und nicht die Barriere zwischen Volk und Politik noch grösser zu machen. Sondern lerne, die schwierige Arbeit zu machen: «Etwas Kompliziertes einfach zu erklären.»

    Kommentare

    User #3818 (nicht angemeldet)

    ob die Neue besser ist? Ich wage es zu bezweifeln... ;-)

    _b

    Hahah ... Glaettli will auf der also, dass man anderes nicht schlecht macht und Loesungen findet! Und an anderer Stelle in diesem Blatt zieht er Zeitgleich ueber die F35 her. Ich habe Glaettli auch schon in Zuerich erlebt, das widerspiegelt das verlogene Verhalten dieses Herrn...

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