Bähnler warnen: Läuft Schweizer Bahnnetz in Hammer wie Deutschland?
Der Bundesrat plant 50 Milliarden Franken zum Ausbau von Strassen und Schienen. Bähnler kritisieren, dass dieses Geld nicht in den Unterhalt fliesst.

Das Wichtigste in Kürze
- Das 50-Milliarden-Paket «Verkehr 45» soll Strasse und Schiene verbinden. Das ganze Geld fliesst in den Ausbau der Infrastruktur.
- Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel fordert, dass stattdessen das Geld in den Unterhalt der vorhandenen Bahnen fliesst.
- Die SBB melde 9,5 Milliarden Rückstand beim Unterhalt. Das entspreche rund 70 Prozent des Rückstands der Deutschen Bahn.
Mit dem Projekt « Verkehr 45» will Bundesrat und Verkehrsminister Albert Rösti (SVP) Strassen und Schienen besser verbinden. Dazu sollen 50 Milliarden Franken in den Ausbau der Infrastruktur fliessen.
Die Kritik an Röstis Projekt wird aber immer grösser. Zunächst hat Mitte September die Finanzkontrolle «Verkehr 45» zerpflückt. Sie bezweifelt etwa, dass genügend Geld dafür vorhanden sei.
Nun kritisieren auch Bähnler Röstis Mega-Projekt. Grund: Während der Bund Milliarden in den Ausbau pumpe, werde der Unterhalt der Bahn-Infrastruktur vernachlässigt. Das Geld fehle.
Unterhalt «wird sehr viel kosten»
Ex-SBB-Chef Benedikt Weibel sagt in der Dienstags-Ausgabe von «10 vor 10» zum Bahn-Unterhalt: «Die SBB meldet 9,5 Milliarden Rückstand. Verglichen mit der Deutschen Bahn, die riesige Probleme hat, sind das etwa 70 Prozent von deren Rückstand.»
Seine Sorge: Die Schweiz könnte in den selben Hammer laufen wie Deutschland, wo die Bahninfrastruktur bekanntlich für grosse Probleme sorgt.
Das müsse man nun prioritär aufholen. «Das wird sehr viel kosten», so der Ex-SBB-Chef. «Und diese Finanzierung ist nicht in dem Paket ‹Verkehr 45›.»
Deshalb fordert Weibel mit knapp 40 anderen Bahn-Fachleuten vom Bundesrat mehr Unterhalt und weniger Ausbau. «Verkehr 45» müsse überarbeitet werden. Doch das ist nicht alles.
Den Ex-SBB-Chef störe beim «Riesen-Ausbau-Paket» am meisten, dass man die gewaltigen Auswirkungen, welche die Digitalisierung haben werde, «gar nicht berücksichtigt hat».
Mit den neuen Technologien könnten laut Weibel und Co. auch ohne Ausbau künftig viel mehr Züge verkehren.
«Gefährlicher Prozess»
Peter Füglistaler, ehemaliger Direktor für Verkehr, entgegnet zu diesen Kritikpunkten: «Der Nachholbedarf von 9,5 Milliarden Franken bei der SBB dünkt mich doch sehr, sehr hoch», erklärt er in der Sendung.
Denn: «Die Bahnen beurteilen den Zustand der Anlagen selbst. Und je schlechter, dass sie diese einschätzen, desto mehr Geld erhalten sie. Das ist ein gefährlicher Prozess.»
Laut Füglistaler werde zudem der Nutzen der Digitalisierung überschätzt: «Wir können schon heute, alle zwei Minuten einen Zug auf unseren Gleisen fahren lassen.»
Auch wenn man dies mit der Digitalisierung noch reduzieren könne, müsse man beachten: «Die Leute müssen an den Bahnhöfen umsteigen. Das dauert länger als zwei Minuten. Wir können den Nutzen gar nicht richtig brauchen.»
Für BLS-Chef hat Unterhalt Priorität
Dennoch ist auch für BLS-Chef Daniel Schafer klar: «Wichtig ist, dass wir das Prinzip Unterhalt vor Ausbau in den Vordergrund rücken.» Zudem müsse man die Finanzierung noch besser sicherstellen. «Und dass wir die Digitalisierung nicht vernachlässigen», sagt er.
Der Ball liegt jetzt beim Parlament. Mit «Verkehr 45» und der Kritik daran wird es sich voraussichtlich nächstes Jahr beschäftigen.













