Das ganze Land diskutiert über womöglich abnehmenden Impfschutz. Gleichzeitig verzichtet das BAG neuerdings darauf, die Zahl der Impfdurchbrüche zu erfassen.
Coronavirus Impfdurchbrüche BAG
Eine Frau erhält eine Impfung gegen das Coronavirus. Rechts Anne Levy, Direktorin Bundesamt für Gesundheit BAG. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BAG erfasst den Impfstatus bei positiven Corona-Tests nicht mehr.
  • Die Impfdurchbrüche werden nur noch bei Spitaleinweisungen und Todesfällen erfasst.

Viele Länder verabreichen bereits dritte Impfdosen gegen das Coronavirus. Die Schweiz wartet noch auf eine Zulassung durch Swissmedic. Während Experten auf Tempo drängen, geben sich die Behörden gelassen.

Sowohl Impfchef Christoph Berger wie auch BAG-Spitzenmann Patrick Mathys erklärten jüngst, dass der Schutz nicht merklich abnehme. Indikator dafür müsste die Zahl der Impfdurchbrüche sein. Diese erfasst das BAG seit einigen Monaten und publiziert sie regelmässig.

Impfstatus bei Infizierten muss nicht mehr gemeldet werden

Damit ist nun Schluss. Im wöchentlichen Bericht zur epidemiologischen Lage schreibt das BAG heute Donnerstag: «Seit dem 11.10.2021 muss der Impfstatus bei ambulanten laborbestätigten Fällen nicht mehr über einen klinischen Befund gemeldet werden».

Coronavirus
Menschen in einem Zürcher Impfzentrum im Ruhebereich nach ihrer Impfung gegen das Coronavirus.
Uster Impfzentrum Coronavirus
Der Wartebereich des Impfzentrums in Uster ZH.
Coronavirus - Impfung
Links im Bild steht eine Impfdose vom Impfstoff Biontech, rechts im Bild steht eine Impfdose vom Impfstoff Moderna.
impfzentrum
Eine Frau erhält die Covid-19-Impfung.
Coronavirus
Das Impfzentrum Wetzikon ZH wird abgebaut. Im Kanton Zürich schliessen die Impfzentren allmählich.
Wie es mit den Impfzentren weitergeht, ist offen - mehrere Bundesländer wollen sie länger als geplant weiterführen. Foto: Marijan Murat/dpa
Wie es mit den Impfzentren weitergeht, ist offen - mehrere Bundesländer wollen sie länger als geplant weiterführen. Foto: Marijan Murat/dpa

Für die epidemiologische Überwachung sei der Impfstatus vor allem bei hospitalisierten Fällen und Todesfällen wichtig. Bei diesen Fällen müsse der Impfstatus der Personen weiterhin angegeben werden.

BAG: Daten von Hospitalisierten und Toten reichen

Auf Anfrage von Nau.ch begründet ein BAG-Sprecher: «Besonders bei den geimpften Personen, die weder hospitalisiert wurden noch verstarben, ist mit einer beträchtlichen Dunkelziffer von Fällen zu rechnen.» Denn gerade Geimpfte mit leichten Symptomen würden sich selten auf das Coronavirus testen lassen.

Nur jene, welche dennoch einen Arzt aufgesucht hätten, seien in die Statistik eingeflossen, so der Sprecher. Bedeutet im Klartext: Das BAG hielt diese Angaben nie für besonders zuverlässig.

Doch warum verzichtet die Schweiz freiwillig auf Daten, um die Schutzwirkung der Impfung beurteilen zu können? «Durch die Impfstatus-Erfassung bei hospitalisierten Fällen und Todesfällen kann der Effekt der Impfung auf schwere Krankheitsverläufe weiter beobachtet werden.»

Impfen Impfdurchbruch
Auch wenn sich geimpfte Menschen mit dem Coronavirus infizieren, hilft die Spritze dennoch. Foto: Fabian Sommer/dpa/Archivbild - dpa-infocom GmbH

Die Zahl der nicht hospitalisierten Impfdurchbrüche sei «kein zuverlässiger Indikator». Vor allem aufgrund der Teststrategie und anderer Faktoren könne sich die Dunkelziffer nämlich merklich verändern.

Nur 664 Menschen trotz doppelter Impfung im Spital

Sicher ist: Die Zahl der trotz doppelter Impfung hospitalisierten Personen ist in den letzten Wochen angestiegen. Bis anhin registrierte das BAG 664 entsprechende Fälle, 140 Menschen sind trotz doppelter Impfung am Coronavirus verstorben.

Was halten Sie davon, dass das BAG die Impfdurchbrüche nicht mehr erfasst?

Die Zahl der «einfachen» Impfdurchbrüche lag letzte Woche, als das BAG die Daten noch publik machte, bei knapp unter 4000. Allerdings hatte die Behörde auf Anfrage von Nau.ch bereits im Sommer stets klargemacht, dass es sich dabei wohl um eine Unterschätzung handle.

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