The Weather Station: Tamara Lindemans spannende Reise

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    Kanada,

    Joni Mitchell, Leslie Feist, Tamara Lindeman: Es gibt eine direkte Linie toller Folkpop-Musik von Songwriterinnen aus Kanada. Die Letztgenannte begeistert nun erneut mit ihrem Projekt The Weather Station.

    «Ignorance» - ein bezauberndes Indiepop-Kunstwerk von Tamara Lindeman. Foto: Jeff Bierk/dpa
    «Ignorance» - ein bezauberndes Indiepop-Kunstwerk von Tamara Lindeman. Foto: Jeff Bierk/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Es bedarf keiner grossen prophetischen Gaben, um vorherzusagen, dass dieses früh im Jahr erschienene Album auch noch am Ende viele Bestenlisten zieren wird: «Ignorance» (Fat Possum) von The Weather Station wirkt lange nach - wohl mindestens so lange, bis die Popkritiker im November/Dezember Bilanz für 2021 ziehen.

    Wohl selten wurde der Laurel-Canyon-Folk einer Joni Mitchell so elegant mit dem High-End-Jazzrock und Edelpop von Steely Dan, Carole King oder Fleetwood Mac verschmolzen wie hier. Und doch klingt diese Platte nicht retro nach Seventies, sondern absolut zeitgemäss. Dass sich zu Oberliga-Songwriterinnen mit Alias-Projektnamen wie Annie Clark (St. Vincent) oder Natalie Mering (Weyes Blood) nun auch Tamara Lindeman (The Weather Station) gesellt, ist mit «Ignorance» ausgemachte Sache.

    Dabei waren schon vorherige Alben dieser Kanadierin mehr als nur kleine Gesellinnenstücke. «Loyalty» (2015) und erst recht das vor genau drei Jahren erschienene selbstbetitelte vierte Weather-Station-Werk zeigten eine Songwriterin, die sich bereits (das grosse Vorbild Joni Mitchell immer im Hinterkopf) mit ihrer Landsfrau Leslie Feist messen konnte, aber zugleich zu neuen Ufern strebte.

    Dennoch war man auf einen so mutigen Ausfallschritt in Richtung «Sophisticated Pop» wie jetzt mit «Ignorance» noch nicht unbedingt vorbereitet. Und es bringt auch gar nichts, einzelne der zehn Titel des gut 40-minütigen Albums hervorzuheben (okay, für den wirklich herausragenden Opener «Robber» könnte man eine Ausnahme machen). Aber insgesamt ist dies eine kluge, kohärente, komplette Songsammlung - ein bezauberndes Indiepop-Kunstwerk.

    Zarte Streicher und jazzige Bläser säumen die opulenten und zugleich erstaunlich luftigen Arrangements. Immer mal wieder evoziert Lindeman rhythmisch einen zarten «Rumours»-Touch (etwa in «Atlantic», «Parking Lot» oder dem Closer «Heart»), ohne in ihrem fabelhaften Gesang aufdringlich an die hoch verdienten Stevie Nicks und Christine McVie zu erinnern. Lieder wie das Pianopop-Juwel «Trust» oder «Tried To Tell You» sind auch viel zu eigen, um unter den Verdacht der Fleetwood-Mac-Kopie zu geraten.

    «Ich denke, es geht weniger darum, mich von dem zu distanzieren, was vorher war», sagte Lindeman kürzlich in einem Interview des Online-Portals «gaesteliste.de» über ihre Neuorientierung mit «Ignorance», «als vielmehr darum, auf das zuzugehen, was sich zwingend und notwendig, was sich aufregend und frisch und wichtig anfühlt.»

    Auf die Zukunft von The Weather Station, auf Tamara Lindemans spannende Reise zum Songwriter-Olymp darf man sich freuen.

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