Sie war und ist noch heute einmalig: Die Avus in Berlin. Zum 100. Geburtstag der früheren Rennstrecke erzählt eine Dokumentation von ihrer wechselvollen Geschichte.
Hamid Djadda, Unternehmer und Bauherr der AVUS Tribüne, steht auf der Baustelle der ehemaligen Tribüne an der AVUS. Foto: Christophe Gateau/dpa
Hamid Djadda, Unternehmer und Bauherr der AVUS Tribüne, steht auf der Baustelle der ehemaligen Tribüne an der AVUS. Foto: Christophe Gateau/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie liegt am Rande von Berlin und ist bis heute eine Legende: Die Avus ist eine ehemalige Rennstrecke in der deutschen Hauptstadt.

Bei ihrer Eröffnung 1921 war sie die erste Strasse der Welt, auf der nur Autos fahren durften. Einzigartig und gefährlich, löste ihre gigantische Steilkurve schon bald Proteste aus. Für viele Berliner war sie dennoch ein Symbol der Freiheit. In diesem September wird die Strecke 100 Jahre alt. Arte nimmt dies zum Anlass für die Doku «Avus - Rennstrecke und Legende» am Donnerstag um 20.15 Uhr.

Der Name Avus bedeutet «Automobil-Verkehrs- und Übungsstrasse». Zur Eröffnung gab es ein Autorennen zwischen Berlin und Wannsee, danach wurde die Strecke werktags für den privaten Verkehr freigegeben. Die nahezu geradlinige Rennstrecke verband die Nordkurve in Charlottenburg mit der am Nikolassee gelegenen Südkurve zu einem rund 19 Kilometer langen Rundkurs, mit vier gefährlichen Kurven. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke, die die Entwicklung des Automobils in Deutschland vorantreiben sollte, war zwar schnell, aber auch umstritten.

Im Jahr 1926 fand der erste «Grosse Preis von Deutschland» statt. Durch Unfälle aufgrund widriger Witterungsbedingungen und schlechten Streckenzustands (bis zu zehn Zentimeter hohe Bodenwellen) starben dabei vier Menschen. Ein Jahr später wechselte dieses Rennen erstmals auf den gerade eröffneten Nürburgring in der Eifel.

Der Grossindustrielle Hugo Stinnes hat den Bau der Avus finanziell unterstützt, seine Tochter Clärenore umrundete als erste Frau in einem Automobil die Erde und liess sich bei ihrer Rückkehr 1929 auf der Avus feiern. Die Nazis liessen 1937 die Nordkurve zu einer monumentalen Steilkurve mit einem Durchmesser von 184 Metern und einer Erhöhung um über 43 Grad ausbauen - sie sollte die Rennstrecke zum Prestigeobjekt machen, auch für die stromlinienförmigen Rennautos namens «Silberpfeile». 1940 wurde der Anschluss zum Berliner Ring fertiggestellt, der Individualverkehr nahm nach dem Krieg immer mehr zu - ebenso wie die Legendenbildung.

Der Autor Elias von Salomon (31, «Rennlegenden») lässt Zeitzeugen wie die ehemaligen Formel 1-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck (70) und Hans Herrmann (93) sowie den Motorsportjournalisten Ulf Schulz (43) zu Worte kommen. Sie erzählen ebenso ehrfürchtig wie wehmütig, wie sehr diese Strasse die Geschichte Berlins und die Faszination für den Motorsport mit gestaltet und geprägt hat. Fans, die früher als Zuschauer dabei waren, schildern spektakuläre Unfälle wie den des Franzosen Jean Behra (1959), der tödlich verlief.

Endgültig eingestellt wurde der Rennbetrieb jedoch erst am 26. April 1998. Zwei Historiker berichten von der Kultur des Automobils und der wachsenden Akzeptanz und Begeisterung der Berliner, aber auch von Protesten der Anwohner gegen den Bau, der eine beträchtliche Schneise durch den Grunewald als Naherholungsgebiet geschlagen hat. Das Thema Lärm- und Umweltschutz war damals noch keines.

Seit Mai 1989 gilt auf der Avus ein Tempolimit von 100 km/h, trotz teils massiver Proteste seitens der Bevölkerung. Die restaurierte Tribüne mit neuem Dach und verglastem Mittelteil ist rechtzeitig zum Jubiläum fertig geworden. Die Begeisterung für dieses besondere Symbol für Freiheit und Schnelligkeit mag sich nicht jedem erschliessen - schliesslich ist und bleibt es eine Strasse, wenngleich eine ungewöhnliche.

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