Scott Kelly schockierte vor wenigen Tagen mit einem Geständnis zum Missbrauch seiner Familie. Nun reagierte seine ehemalige Band «Neurosis» mit einem Statement.
Neurosis Scott Kelly
Scott Kelly (l), ehemaliger Sänger von Neurosis, auf seinem Facebook-Account zusammen mit Charles Waterbury (r). - Facebook /@Scott Kelly
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Das Wichtigste in Kürze

  • Vor wenigen Tagen schockierte Scott Kelly auf Facebook mit einem tragischen Geständnis.
  • Der Sänger gibt den Missbrauch seiner Familie zu – und verkündet seinen Rücktritt.
  • Nun hat Kellys ehemalige Musikgruppe Neurosis auch ein Statement gepostet.
  • Die Band macht klar, dass sie nicht mit dem Geständnis des Musikers einverstanden ist.

Es ist ein tragisches Geständnis, welches Scott Kelly vor wenigen Tagen auf seinem Facebook-Account veröffentlichte. Nach verschiedenen Gerüchten gesteht der ehemalige Frontman von «Neurosis» den Missbrauch seiner eigenen Familie.

Der Sänger schreibt von einem «emotionalen, finanziellen, verbalen und körperlichen Missbrauch». Diesen habe er seiner Familie in den letzten Jahren zugefügt. Als er paranoid wurde, dass Leute von dem Missbrauchen erfahren könnten, habe sich dieser nur noch mehr verstärkt.

Kontrolle und Manipulation

«Ich war besessen von Kontrolle und setzte Manipulation, Selbstverletzungs- und Selbstmorddrohungen ein, fügte Menschen und ihrem Ruf körperlichen Schaden zu.» Der 55-Jährige schreibt, er habe die Drohungen genutzt, um die Kontrolle zu behalten.

Als er erfahren habe, dass seine Frau ihn verlassen wollte, habe er versucht sie zu überzeugen, dass er verrückt sei. Dass er nicht wisse, was er tut. Sie versuchte ihm mit Therapie und Psychiatern zu helfen. Das ehemalige Mitglied von Neurosis schreibt: «Meine Lügen und Täuschungen brachen vor den Augen der Fachleute zusammen.»

Als seine Frau endgültig versuchte zu gehen, habe er sie gestalkt. Kelly schreibt: «Ich verfolgte und belästigte sie Tag und Nacht und sorgte dafür, dass sie und unser Jüngster in ständiger Angst lebten.» Im weiteren Verlauf des Statements verteidigt der Sänger seine Frau und schreibt: «Sie ist sehr ehrlich, liebevoll und durch und durch gut.»

Im Statement gibt Scott Kelly zudem seinen Rücktritt bekannt, er wolle sich den Rest seines Lebens auf seine Familie konzentrieren. «Ich habe mich zu 100 % aus dem Berufsleben als Musiker zurückgezogen», schreibt der Gitarrist. Er wisse jetzt, dass die Entscheidung ein öffentliches Leben zu führen, die schlechteste war, die er hätte treffen können.

Neurosis postet Statement

«Wir können das Ausmass an Abscheu und Enttäuschung gar nicht hoch genug einschätzen.» Mit diesen Worten eröffnet Kellys ehemalige Band Neurosis ihr Statement auf Facebook. Es ist klar, dass die Mitglieder nicht mit dem Geständnis von Scott Kelly einverstanden sind.

2019 habe sich die Band von Kelly getrennt, nachdem sie vom Missbrauch der Familie erfahren hätten. «Aus Respekt vor der direkten Bitte seiner Frau um Privatsphäre haben wir diese Informationen nicht weitergegeben.» Doch mit dem Geständnis von Kelly hätten sie nun endlich die Möglichkeit, etwas zu sagen.

Verrat an ethischen Grundsätzen

Es habe sie nicht überrascht, dass der Sänger den Missbrauch so lange geheim gehalten habe. Dieser sei nämlich «ein Verrat an unseren ethischen Grundsätzen als Bandmitglieder, Partner, Eltern und Menschen».

Neurosis
Die Band Neurosis an einem Konzert in diesem Jahr. - Instagram /@neurosisoakland

Seit sich Neurosis von Scott Kelly trennte, habe die Band mehrmals versucht, den Musiker zu erreichen – ohne Erfolg. «Jetzt hat Scott einen öffentlichen Beitrag über die Situation verfasst. Uns erscheint diese Entscheidung wie ein weiterer Versuch der Manipulation, eine weitere Gelegenheit für seinen Narzissmus, die Geschichte zu kontrollieren.»

Es gehe um die Familie

Es gehe aber nicht um ihn, sondern um den Missbrauch, den seine Familie erlitten hat. Die Hauptsorge der Band gelte deshalb der Frau und den Kindern des Sängers.

Normalerweise würde die Band Offenheit und Ehrlichkeit in Bezug auf psychische Krankheiten als mutig ansehen. Sie glaube aber einfach nicht, dass das hier der Fall ist: «Es ist nicht mutig, seine Frau und Kinder systematisch zu missbrauchen. Es ist nicht mutig, ein Fehlverhalten zuzugeben, wenn man nicht daran gearbeitet hat, sein Verhalten zu ändern.»

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