Das Museum der Gegenwart im Hamburger Bahnhof in Berlin feiert sein 25-jähriges Bestehen mit gleich zwei besonderen Ausstellung, die das Verhältnis von Kunst und Politik thematisieren.
Gabriele Knapstein ist die Leiterin des Hamburger Bahnhofs. Foto: Annette Riedl/dpa
Gabriele Knapstein ist die Leiterin des Hamburger Bahnhofs. Foto: Annette Riedl/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die politische Wirkung von Kunst steht im Zentrum von zwei Sonderausstellungen zum 25-jährigen Jubiläum des Museums für Gegenwart im Hamburger Bahnhof Berlin.

Von Sonntag an zeigen «Church for Sale» (bis 19.6.) und «Nation, Narration, Narcosis» (bis 3.7.) Bezüge zu gesellschaftlichen Themen und aktuellen Krisen.

Für die Bedrohung musealer Räume scheint ein Kampfflugzeug zu stehen, dessen Symbole militärischen Potenzials im Vorgarten auf das Gebäude gerichtet sind. Christoph Büchels «Dummy» von 2003 besteht allerdings nur aus einer aufgeblasenen PVC-Hülle.

Der Schwerpunkt von «Church for Sale» basiert auf Arbeiten der Sammlung Haubrok und der Nationalgalerie. «Diese Sammlung greift explizit politische Themen auf und das war ein Schwerpunkt, der uns für dieses 25-jährige Jubiläum sehr sinnvoll erschien», sagte Leiterin Gabriele Knapstein am Freitag. Das Jubiläum fiele in eine Zeit, in der sich viele massive Krisen auf der Welt überlagerten.

«Church for Sale» wurde nach einer Werkserie von Edgar Arceneaux benannt. Die Serie zeigt Verkaufstafeln von Kirchenräumen der vom Bankrott bedrohten Stadt Detroit. Für Knapstein ein Beispiel, wie öffentliche Räume verloren gehen. Für den Hamburger Bahnhof drohte zuletzt der Verlust der zugehörigen Rieckhallen. Auf die Entwicklung benachbarter Investitionen verweist die Ausstellungsarchitektur mit einer quer durch die alte Bahnhofshalle reichenden Bauwand.

Das internationale Kooperationsprojekt «Nation, Narration, Narcosis» vereint Werke aus Museen in Thailand, Singapur, Indonesien und Deutschland. «Alle diese Sammlungen dieser Häuser haben sehr unterschiedliche Geschichten, aber all diese Sammlungen zeigen und tragen etwas zum Nationenbildungsprozess bei und definieren sich über diese Sammlungen als Nation», sagte Kuratorin Anna-Catharina Gebbers.

Die Ausstellung zeigt Werke aus dem 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Arbeiten befassen sich etwa mit Auswirkungen auf die Umwelt und Gesellschaft durch Prozesse wie Nationenbildung und Kolonialismus. Auch alternative Formen und Ideen von Gemeinschaft und Nation in Kunstwerken werden dargestellt.

Das Museum wurde 1996 als Teil der Nationalgalerie für die Kunst nach 1960 eröffnet. 2004 wurden die Ausstellungsflächen mit den Rieckhallen erweitert. Dort war die Sammlung des Unternehmers Friedrich Christian Flick künstlerische Basis für fast zwei Dutzend Ausstellungen. Aufgrund der Debatte um die Rieckhallen hat der Sammler die Leihgabe an das Museum beendet. Für den Erhalt der Rieckhallen konnte nach rund einjährigen Verhandlungen eine Lösung gefunden werden.

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