Nach einer Lebenskrise ist Michael Schanze aus dem TV-Rampenlicht verschwunden. In der Reihe «Lebenslinien» zeigt er, wie erfüllt sein heutiges Leben ist.
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Michael Schanze bei ZDF. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Zu Ehren von Michael Schanzes 75. Geburtstag wird ein Porträt über ihn gezeigt.
  • Der Showmaster erzählt auch über die dunkeln Seiten seines Lebens.
  • Heute ist er im Theater – nicht mehr im TV – und sehr zufrieden.

Showmaster-Legende Michael Schanze feiert diesen Samstag (15.1) seinen 75. Geburtstag.

Ihm zu Ehren zeigt der Bayerische Rundfunk am heutigen Montag (10.1., 22:00 Uhr) das Porträt «Michael Schanze – Heute hätt' ich Zeit für mich» in der Dokumentarfilm-Reihe «Lebenslinien». Der Film erzählt auch von den weniger bekannten, tragischen Seiten seines Lebens.

Schanze war ein «Vater-Sohn»

Michael Schanze wuchs als älterer von zwei Söhnen in Tutzing am Starnberger See auf. Seine Mutter Ursula (1924-2017) stammte aus Ostpreussen, sein Vater, der Musiker Arthur Schanze (1910-1956), aus Schlesien. Als «Vater-Sohn», wie Michael Schanze sich in dem Porträt beschreibt, genoss er die gemeinsame Zeit.

«Das war einer meiner Lieblingsplätze. Wenn der Vater hier Klavier gespielt hat, dann lag ich immer unten drunter». Das erzählt er bei einem Besuch in der früheren Familienwohnung über seinen Vater. Dieser war Pianist mit eigenem Orchester – «Streichorchester Arthur Schanze» – beim Bayerischen Rundfunk.

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Der junge Michael Schanze. - Keystone

Auch die grosse Liebe zum Sport teilte Michael mit Arthur Schanze: Unter anderem erinnert er sich an einen heimlichen Segelausflug nachts bei Vollmond auf dem Starnberger See. «Der war einfach ein Hero, ein Held.»

Der geliebte Vater stirbt

Als Michael neun Jahre alt ist, nimmt sich der Vater das Leben. «Unerwartet und ohne Abschiedsbrief verlässt er seine Familie». So fasst Sprecherin Ulrike Kriener (67) als Stimme aus dem Off die grosse Kindheitstragödie zusammen. Und Michael Schanze erzählt:

«Am 20. Dezember erinnere ich mich noch, dass ich mich in der Küche von ihm und er sich von uns verabschiedet hat. […] Ich habe mich einfach verabschiedet wie so oft. [...]

Nur, dass er dann eben nicht mehr wiederkam, war nicht so ganz einfach. Auch, weil ich so ein Vater-Sohn war. Und dann war er auf einmal weg und das Leben hat sich rapide für uns geändert.»

Hilfe bei Depressionen bietet die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer 143

Die Mutter von Michael und seinem sieben Jahre jüngeren Bruder Christian musste nun das Geld für die Familie verdienen. Sie arbeitete tagsüber. Sie bekam eine Stelle am Empfang des Bayerischen Rundfunks. Christian lebte von da an unter der Woche bei einer befreundeten Familie in München.

Michael kam in das strenge Internat im 200 Kilometer entfernten Windsbach und kehrte nur in den Ferien heim. Von der behüteten Kindheit war nicht mehr viel übrig und er sei unendlich traurig gewesen, sagt Schanze. 

Nach zwei Jahren holte ihn seine Mutter zurück. Während sie arbeitet, musste er sich nun um seinen fünfjährigen Bruder kümmern. Unterstützt wurden die beiden Jungen von Mitgliedern des früheren Segelclubs ihres Vaters. Dort verbrachten sie ab dem Mittagessen ihre Zeit.

Michael Schanze
Michael Schanze bei Kinderquatsch mit Michael 1998. - Keystone

Vom frühen Erfolg zum beliebten Showmaster

Eine Wende hin zu «tollen Zeiten» begann für Michael Schanze als Teenie. Neben dem Sport war vor allem die Musik sein Talent – im Windsbacher Knabenchor hatte er eine musikalische Ausbildung erhalten. Und so gründete er mit 16 Jahren seine erste Band, die «Quater Deck Combo». Wenig später schafften es die drei Gymnasiasten als feste Hausband ins Nobelhotel «Kaiserin Elisabeth» am Starnberger See.

«Das war schon eine tolle Zeit», erinnert er sich im Film. Band-Bassist und Schauspieler Daniel Friedrich (geb. 1949, «Aus heiterem Himmel») schwärmt zudem über die «Bandleader-Qualitäten» des zwei Jahre älteren «Mädchenschwarms» Michael Schanze.

Bei einem ihrer Auftritte wurde ein Produzent aufmerksam, der Schanze ins Studio holte. «Auf einmal war ich ein Schlagersänger» – mit 21 Jahren. Ab 1972 führte er dann durch seine eigene Personality-Show «Hätten Sie heut' Zeit für mich?»

Fernsehgeschichte

1977 startete er mit der Quiz-Show «1, 2 oder 3» und dem berühmten «Plopp»-Finger als Kinderentertainer. Und schrieb damit deutsche Fernsehgeschichte.

In Michael Schanzes persönlichem Archiv im Keller stehen unzählige Videokassetten mit seinen Erfolgsshows der 1970er, 1980er, 1990er Jahre. Die Wände sind voller Erinnerungsfotos mit den Promis seiner Zeit. Dass das Archiv im Keller platziert ist, sei eine bewusste Entscheidung: «Ich will einfach nicht in der Vergangenheit leben» - den Hauptteil seines Lebens verbringe er oben, so Schanze.

Seine Bilderbuchfamilie zerbricht

Kurz vor seinem ganz grossen Durchbruch lernte er Anfang der 1970er Jahre auch seine grosse Liebe kennen : Seine spätere Ehefrau Monika. Später ging das Paar nach Frankreich, wo niemand sie kannte. «Wir haben uns neu ineinander verliebt. Und in dieser neuen seelischen Konstellation war dann auch plötzlich Platz für Kinder», erinnert er sich.

1980 kam der erste gemeinsame Sohn zur Welt. Drei Jahre später heirateten Michael und Monika und wurden im selben Jahr Eltern von Zwillingsjungs. Für die Öffentlichkeit waren die Schanzes eine Bilderbuchfamilie – «das war mir schon auch sehr wichtig».

Michael Schanze
Michael Schanze als TV-Onkel 2001. - Keystone

Die letzten Sendungen seiner Hochzeitsshow «Flitterabend» (1988-1995, ARD) wurden ausgestrahlt. Währenddessen ging Mitte der 1990er Jahre die Ehe von Michael und Monika auseinander. «Das Leben, so wie ich es geplant hatte, war mir zerbröselt», fasst Michael Schanze zusammen. Die Ehe wurde 2000 geschieden.

Er habe vielleicht ein bisschen länger als andere gebraucht, um von seinem Lebensplan Familie Abschied zu nehmen, gibt er zu. Irgendwann sei ihm aber klar geworden, dass er jetzt etwas anderes machen müsse. «Die Entscheidung, dem Fernsehen den Rücken zu kehren, obwohl es gut läuft, war nicht gerade eine populäre Entscheidung», so Schanze.

Kehrte dem TV den Rücken

Mitten in dieser Phase kam eine weitere grosse Herausforderung auf den sportlichen Mann zu. 2003 hatte er einen folgenschweren Skiunfall und musste monatelang ein Stützkorsett tragen.

«Das war eine Katastrophe, weil ich viel durch den Sport kompensiert habe [...] Das hat meine Psyche, meine Seele heruntergezogen», sagt Schanze. In dieser Zeit sei er auch «katastrophal auseinandergegangen».

Sein Bruder wird noch deutlicher: «Dem Michael ist alles weggebrochen: der Beruf, die Familie und der Körper», fasst er zusammen. Und er fügt hinzu: «Natürlich können die Leute mit dem Finger auf ihn zeigen: 'Oh, der Schanze ist dick geworden.'» Dagegen sieht Christian Schanze «eine unglaubliche Lebensleistung», sich aus so einer Krise wieder herauszukämpfen. Dies mit Verweis auf die tragische Familiengeschichte väterlicherseits.

Michael Schanze
Michael Schanze bei Musik ist Trumpf 1978. - Keystone

Michael Schanze hat sich neu erfunden, spielt kantige und böse Rollen in Theaterklassikern. Er ist zufrieden mit seinem neuen Leben, das er auch seiner Gewichtszunahme verdankt. Denn erst dadurch hätten die Theatermacher angefangen, ihn ernst zu nehmen.

Der Theaterstar und die positive Seite seiner Gewichtszunahme

«Ich mache eigentlich mehr als vorher, nur Theater ist eben kein Massenmedium. Und wir leben auch in einer Gesellschaft, in der, wenn man im Fernsehen nicht stattfindet, geglaubt wird: Den gibt es gar nicht mehr», klärt er ein Missverständnis auf.

Mit der Rheinländerin Uschi, die seit ein paar Jahren seine Lebensgefährtin ist, lebt er inzwischen abwechselnd in Köln und München. Über ihre Kochkunst schwärmt er im Porträt und sagt: «Ich bin ein Genussmensch. Hungerhaken werde ich in meinem Leben nicht mehr und ich will es auch nicht werden.»

Und wenn er dann am Schluss des Films am Piano sitzt und an einem Kindermusical arbeitet; dann ist es wieder ganz deutlich zu sehen: Das berührende Gute-Laune-Gesicht, mit dem er sich so viele Jahre lang in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer spielte. 

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