Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm «Lovemobil» steht in der Kritik. So sollen einige Teile des Filmes frei inszeniert worden sein.
«Lovemobil»
Eine Prostituierte liegt bei Uetze (Niedersachsen) in ihrem sogenannten Lovemobil. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • «Lovemobil» ist ein Dokumentarfilm über das Leben von Prostituierten in Wohnmobilen.
  • Nun steht der mehrfach nominierte Film nun aber in der Kritik.
  • Aus diesem Grund wurde die Nominierung für den Grimme-Preis zurückgezogen.

Ein preisgekrönter Dokumentarfilm über das Leben von Prostituierten in Wohnmobilen in Niedersachsen steht in der Kritik.

Als Reaktion auf bekanntgewordene Unstimmigkeiten bei dem Dokumentarfilm «Lovemobil» von Elke Margarete Lehrenkrauss ist dessen Nominierung für den renommierten Grimme-Preis zurückgezogen worden.

«Lovemobil»
Der Dokumentarfilm «Lovemobil» ist in die Kritik geraten. - dpa

Grimme-Direktorin Frauke Gerlach teilte der Deutschen Presse-Agentur mit: «Nach Kenntnisnahme der massiven Vorwürfe rund um den Film ‹Lovemobil› hat die Nominierungskommission entschieden, der Produktion aufgrund schwerwiegender Verstösse die Nominierung zu entziehen.» Man unterstütze diese Entscheidung der Kommission nachdrücklich.

Teile von «Lovemobil» sollen frei inszeniert worden sein

Am Montag hatte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) den Fall bekannt gemacht. Nach NDR-Angaben sollen Teile des Films frei inszeniert worden sein. Demnach soll der Film zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, zentrale Protagonistinnen des Films schilderten aber nicht ihre persönlichen Erfahrungen, «sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen sind nachgestellt oder inszeniert».

Der öffentlich-rechtliche Sender hatte den Film mitproduziert und sich nun wegen Unstimmigkeiten distanziert. Vorerst wurde er aus der ARD-Mediathek genommen und für Wiederholungen gesperrt.

Lovemobil
Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss bei der Premiere ihres Dokumentarfilms «Lovemobil» in Hannover. Foto: Moritz Frankenberg/dpa - dpa

Bis zur Klärung des Sachverhalts ruhe für Elke Margarete Lehrenkrauss auch die Mitgliedschaft in der Jury des diesjährigen Preises. Preisträger sind in der Regel in der Hauptjury des nachfolgenden Jahres vertreten. Der Hauptpreis ist vom SWR und der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg gestiftet.

In «Lovemobil» geht es um das Leben von Prostituierten in Wohnmobilen am Rande von Bundesstrassen in Niedersachsen. Der Film kam im Frühjahr 2020 in die Kinos und lief auf Festivals. Das NDR-Fernsehen zeigte ihn im Dezember.

Filmemacherin entschuldigt sich

Die Filmemacherin Lehrenkrauss bat um Entschuldigung, wenn sich Menschen nun durch den Film betrogen fühlten oder wenn sie sensible Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt habe. «Das war nicht meine Absicht», sagte sie am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Sie habe an einzelnen Stellen die mit wirklichen Prostituierten recherchierten Begebenheiten mit Darstellerinnen nacherzählt, um die Frauen zu schützen oder weil eine Filmaufnahme am Ende nicht möglich gewesen sei. «Im Film ist nichts ausgedacht, was es so nicht gibt. Wir haben es nur mit Darstellerinnen nacherzählt.»

Sie betonte auch: «Was natürlich ein Fehler war, war diesen Film nicht zu kennzeichnen.» Sie habe den NDR gebeten, den Film als künstlerischen Film zu kennzeichnen, das sei aber nicht geschehen. «Es hat einfach an der richtigen Etikettierung gefehlt.» Es habe Schwierigkeiten bei der Kommunikation gegeben.

Mehr zum Thema:

ARD