«Inszeniert sich als Opfer»: Hotelmitarbeiter kritisiert Gil Ofarim
Markus W. rechnet mit Gil Ofarim ab. Der Hotelmitarbeiter bricht sein Schweigen und widerspricht dem Dschungel-Sieger frontal.

Das Wichtigste in Kürze
- Hotelangestellter Markus W. (37) wurde von Ofarim 2021 öffentlich beschuldigt
- Im Dschungelcamp verwies der Sänger auf eine Schweigevereinbarung – laut W. falsch
- W. erhielt Morddrohungen, lebte in Angst und wartet bis heute auf Schadenersatz.
Markus W. arbeitete im «The Westin» in Leipzig, als Gil Ofarim (43) ihn 2021 auf Instagram des Antisemitismus bezichtigte. Der Musiker behauptete damals, wegen seiner Davidstern-Kette aus dem Hotel geworfen worden zu sein.
Der Vorfall wurde weltweit diskutiert. Doch wie sich später herausstellte, war die Geschichte erfunden.
Ofarim legte 2023 vor Gericht ein Geständnis ab. Jetzt, fast fünf Jahre später, bricht Markus W. sein Schweigen und erzählt in der «Zeit», was der Skandal mit ihm gemacht hat.
«Er war aufgebracht und pöbelte»
W. erinnert sich an den Abend des 4. Oktober 2021: «Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte, was das für ein Scheissladen sei.»
Ofarim habe dann gesagt, er werde «die Zustände hier öffentlich machen», das Video werde viral gehen.
Daraufhin sei W. der Kragen geplatzt: «Da habe ich ihm den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann.»
Das Hotel war im Ausnahmezustand
Wenige Stunden später lud Gil Ofarim das besagte Video hoch. «Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand», sagt W. zur «Zeit».
Kolleginnen hätten geweint. Am Nachmittag wurde er nach Hause geschickt – aus Sicherheitsgründen.

«Noch am selben Abend sollte eine Demonstration vor dem Hotel stattfinden. Man hatte grosse Sorge, dass ich nicht mehr sicher bin.»
Später kam es noch schlimmer: «Über meine dienstliche E-Mail-Adresse lief eine Morddrohung ein. Mein damaliger Chef rief am Abend an, um mir anzubieten, mich für einige Tage an einen sicheren Ort zu bringen.»
«Ich hatte Angst, dass jemand ein Foto von mir macht»
In den folgenden Wochen zog sich W. komplett zurück. «Aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin.» Währenddessen gab Gil Ofarim unzählige Interviews.
«Beweisen Sie mal, dass etwas nicht stimmt. Dass Sie kein Antisemit sind. Wie macht man so etwas?», sagt W.
Juristen hätten ihm damals geraten, öffentlich zu schweigen, alles könne gegen ihn verwendet werden. «Und dass ich mir sehr gut überlegen müsse, wo ich mich blicken lasse.»
Gil darf nicht mehr behaupten, dass Hotelangestellter antisemitisch war
Im Dschungelcamp erklärte Ofarim, er könne sich zum Vorfall nicht äussern, wegen einer Verschwiegenheitserklärung.
Markus W. widerspricht: «Er kann über die Vorgänge in der Lobby sprechen. Das Einzige, was er nicht wiederholen darf, ist die Unwahrheit über mich.»
Ofarim habe vor Gericht eine Unterlassungserklärung abgegeben. «Das bedeutet, er darf nicht mehr sagen, dass ich ihn wegen des Tragens einer Davidsternkette des Hotels verwiesen hätte. Und er darf auch keine ähnlichen Aussagen tätigen, die andeuten, dass eine antisemitische Äusserung stattgefunden habe.»
Hotelangestellter wartet bis heute auf Schadenersatz
Auch Ofarims Aussagen über angeblich manipulierte Überwachungsvideos machen W. «fassungslos». Kein Gericht, kein Gutachter habe je Zweifel an den Aufnahmen gehabt.
Wirklich wütend macht ihn jedoch, dass Gil Ofarim trotz Schuldeingeständnis medial als Sieger dasteht und sogar das Dschungelcamp gewann.

«Mir geht es nicht gut damit, wie er sich jetzt inszenieren konnte», sagt W. «Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin.» Auf die im Vergleich zugesprochenen 20’000 Euro Schadensersatz wartet er bis heute.
Ofarims Geständnis: «Es tut mir leid»
Gil Ofarim hatte im Oktober 2021 in einem Video Antisemitismus-Vorwürfe gegen ein Leipziger Hotel erhoben. Ofarim hatte darin geschildert, dass der Hotelmanager ihn aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen, damit er einchecken könne.
00:00 / 00:00
Das Video verbreitete sich stark in den sozialen Netzwerken. Der Musiker erstattete später Anzeige, aber auch der Hotelmanager wehrte sich und zeigte seinerseits den Musiker wegen Verleumdung an.
















