Irgendwo zwischen Homer und Indiana Jones ist Heinrich Schliemann zu finden. Auch 200 Jahre nach seiner Geburt bleibt der berühmte Archäologe umstritten. Eine Ausstellung will genauer darauf blicken.
Der deutsche Archäologe und Kaufmann Heinrich Schliemann (1822-1890). Foto: Zentralbild/Heinrich-Schliemann-Museums (HSM)/dpa
Der deutsche Archäologe und Kaufmann Heinrich Schliemann (1822-1890). Foto: Zentralbild/Heinrich-Schliemann-Museums (HSM)/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Berühmter Archäologe, Entdecker historischer Stätten, skrupelloser Kunsträuber - die Einschätzungen zu Heinrich Schliemann (1822-1890) liegen seit Jahrhunderten weit auseinander.

Der Name des am 6. Januar 1822 in Neubukow bei Rostock geborenen Schliemann löst Assoziationsketten aus, die von der griechischen Mythologie mit Homers Sagen bis zu Spielbergs Filmfigur Indiana Jones reichen.

Im Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag soll die Ausstellung «Schliemanns Welten» das vielschichtige Wirken beleuchten. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin will dafür vom 13. Mai bis zum 6. November etwa 700 Objekte in der James-Simon-Galerie und im Neuen Museum präsentieren, wie das Museum am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Erfolge als Kaufmann

Das wechselvolle Leben Schliemanns führte ihn nicht direkt nach Troja. Die Kindheit mit acht Geschwistern in Mecklenburg ist eher trist, es folgt eine Kaufmannslehre. Das nach eigenem Bekunden frühe Sehnen geht zurück auf Erzählungen des Vaters von den Abenteuern des Odysseus oder Lektüre der Sagen. Als junger Mann wechselt Schliemann nach Hamburg, kämpft mit Krankheit und Geldmangel. Eine Auswanderung nach Venezuela scheitert 1841 mit Schiffbruch vor Texel. Nach Station in verschiedenen Handelshäusern kommt auch finanzieller Erfolg in Russland und den USA - erst Kolonialwaren, später Kriegsmaterial machen Schliemann zu einem reichen Mann.

Die materielle Absicherung gibt ihm die Freiheit, sich seinem archäologischen Sehnen zu widmen. Als Multimillionär lernt er Latein und Altgriechisch, beginnt ein Studium in Paris. Die Kindheitsträume um Homers Troja verdichten sich zum «Verlangen zu beweisen, dass die "Ilias" auf Tatsachen beruht».

Genie und Ignoranz

Mit seinen - teils illegalen - Grabungen ab 1870 am Hügel Hisarlik Tepe begründet Schliemann nicht nur einen neuen Teil der Archäologie. Das mitunter dilettantische Vorgehen wie etwa falsche Grabungen an falschen Stellen zerstört auch Teile der historischen Stätte. Genie und Ignoranz liegen bei Schliemann nah beieinander. Während die einen Zeitgenossen die Wissenschaftlichkeit seiner Arbeit bezweifeln, feiern ihn andere bei Festvorträgen.

Zu den Entdeckungen zählt auch der viele Tausend Objekte umfassende Schatz, der nach dem mythischen König Priamos benannt wurde. Schliemann überliess den Schatz den Museen in Berlin. Von dort gelangten sie als Kriegsbeute in die Sowjetunion.

Bis zu seinem Tod 1890 während einer Italienreise leitete Schliemann neben andauernden Arbeiten in Troja noch zahlreiche Ausgrabungen in der Mittelmeerregion. Begraben ist er in Athen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Ausgrabungsfunde des Archäologen. Die Präsentation will sich den Angaben zufolge anhand aktueller Forschungsergebnisse auch kritisch mit den archäologischen Methoden von Schliemanns Zeit auseinandersetzen.

Der Vielschichtigkeit soll eine unterteilte Ausstellung entsprechen. In der James-Simon-Galerie geht es unter biografischen Gesichtspunkten um die erste Lebenshälfte Schliemanns mit Einblicken in die Lebenswelt des 19. Jahrhunderts. Im Neuen Museum sollen spektakuläre Funde der Königsgräber in Mykene und der Trojanischen Sammlung Schliemanns das archäologische Schaffen reflektieren.

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