Gefühle von Entfremdung und Verlust - Don DeLillo wird 85

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    USA,

    Don DeLillo sagt, er sei nicht älter und weiser, sondern nur langsamer geworden. Doch der Chronist amerikanischer Ängste und Verschwörungstheorien schreibt noch immer - auf seine ganz eigene Weise.

    Don DeLillo zählt zu den grossen Meistern der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Foto: Sebastien Nogier/EPA/dpa
    Don DeLillo zählt zu den grossen Meistern der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Foto: Sebastien Nogier/EPA/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Dass Don DeLillo manchmal in einem kleinen, etwas altmodischen Paralleluniversum lebt, zeigt sich schon an seinem bevorzugten Schreibinstrument.

    «Ich benutze eine alte, gebrauchte Olympia, die ich 1975 gekauft habe», erzählte DeLillo im vergangenen Jahr dem «Guardian». Er möge die grosse Schrift, die es ihm ermögliche, die Wörter auf der Seite klar und im Bezug zum gesamten Satz zu sehen.

    Diese Klarheit ist es, mit der der US-Schriftsteller seit knapp 50 Jahren seine Heimat mit kritischem Blick seziert und das verstörende Bild einer Massen- und Medienwelt entwirft, die dem Einzelnen keine Chance mehr lässt. DeLillo ist ein Meister darin, seine Leser mit den Gefühlen der Einsamkeit und Entfremdung, mit Verlust und Verschwörungen zu konfrontieren. Am diesem Samstag (20. November) wird er 85 Jahre alt.

    Als einer der Favoriten für den Literaturnobelpreis gilt DeLillo spätestens seit seinem 1997 erschienenen Roman «Underworld» (dt.: «Unterwelt»). Zusammen mit Philip Roth, Thomas Pynchon und Cormac McCarthy wird er zu den grossen Meistern der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur gezählt. Kritiker bezeichneten seine Alltagsbeschreibungen als klug, witzig, und manchmal auch giftig.

    Das Epos «Unterwelt», von der Kritik als «Jahrhundertwerk» gefeiert, machte den Sohn italienischer Einwanderer auch international zum Star. In dem 800-Seiten-Roman liefert er ein grandioses Kaleidoskop der USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es war bereits der elfte Roman DeLillos, und erstmals klang darin auch seine eigene Geschichte an.

    In einem italo-amerikanischen Viertel der Bronx in New York aufgewachsen, studiert er Theologie und Philosophie und hält sich mit Gelegenheitsarbeiten - etwa als Parkwächter - über Wasser. Mit 28 kündigt er einen Job als Werbetexter und wird Schriftsteller. 1971 stellt er sein Romandebüt «Americana» vor, eine Geschichte über den Ausstieg eines erfolgreichen Filmemachers aus der grossen Kinomaschinerie.

    Für sein Werk ist er vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem von der renommierten Library of Congress. Für «Weisses Rauschen», eine bittere Satire über die Bedrohung einer amerikanischen Kleinstadt durch eine Giftwolke, erhielt er 1985 den begehrten National Book Award, für «Mao II» 1992 den PEN-Faulkner-Preis.

    Mehr als 15 Romane hat der Meisterautor bisher geschrieben. Im Alter, so merkte er zuletzt, laufe auch der Schreibprozess nicht mehr so wie früher: «Aber ich bin auch viel langsamer. Ich bin nicht älter und weiser. Ich bin nur älter und langsamer». Zuletzt kam 2020 der Kurz-Roman «The Silence» heraus, bei dem es um den kompletten Kollaps der digitalen Struktur in den USA im Jahre 2022 geht. Wenn es soweit wirklich käme, kann wohl nur eine Schreibmaschine der Marke Olympia helfen.

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