Gaza-Aufruf von Milo Rau trifft auf prominenten Widerstand
Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, stösst auf Ablehnung in der österreichischen Kulturszene.

Unter anderem die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek sowie weitere Künstlerinnen und Künstler werfen dem Berner Theatermacher Milo Rau vor, er betreibe Geschichtsrelativierung. Am 4. Oktober hatte Milo Rau auf der Homepage der Wiener Festwochen einen Brief veröffentlicht. Darin hat er «zum Widerstand gegen die Kriegsverbrechen in Gaza» aufgerufen.
In der österreichischen Kulturszene ist er damit auf breite Ablehnung gestossen. Ihm gehe es bei seinen Vorwürfen, die Kulturszene schweige zu den Vorgängen in Gaza, um einseitige Schuldzuweisungen und er betreibe Geschichtsrelativierung, werfen ihm die Unterzeichner einer Gegenerklärung vor.
Milo Rau ist derzeit Intendant und Regisseur der Wiener Festwochen. Der Regisseur, Theaterautor und Essayist wurde 1977 in Bern geboren. Zu jenen, die sich ihm nun entgegenstellen, gehören Autorinnen und Autoren wie Elfriede Jelinek, Karl Markus Gauss, Olga Flor, Monika Helfer,
Kritik von renommierten Kunstschaffenden
Michael Köhlmeier,Doron Rabinovici und Vladimir Vertlib sowie Theaterleiter Thomas Birkmeir, Schauspielerin Dörte Lyssewksi oder Komponist Johannes Maria Staud. «Wir rufen auf, gerade jetzt in der künstlerischen Auseinandersetzung für Differenzierung und gegen Einseitigkeit die Stimme zu erheben», heisst es in ihrer «Absage», die von mehreren Dutzend Kunst- und Kulturschaffenden unterzeichnet wurde.
Theatermacher Airan Berg hat mit einem eigenen Offenen Brief reagiert. «Sie haben den moralischen Zeigefinger gegen das verbale Schwert eingetauscht – und spielen dabei Kläger, Richter und Dramaturg in Personalunion», heisst es darin.
«Sie hatten Ihre Bühne; Sie haben Ihr Statement gemacht. Aber Sie machen dadurch eine öffentlich geförderte Institution zur Tribüne einer einseitigen Agitation. Das Publikum, die Künstler:innen und die Steuerzahler:innen verdienen jedoch Neutralität, Integrität und die Bereitschaft zur Debatte – nicht zur persönlichen Morallektion. Im Grunde, denke ich, dass Sie Ihren Hut nehmen sollen».










