Fynn Kliemann ist als «Heimwerkerking» bekannt geworden. Der 33-Jährige aus dem niedersächsischen Rüspel verwirklicht sich als Künstler, Musiker und Unternehmer. Auch sein drittes Album hat wieder einen Kurztitel.
Fynn Kliemann auf seinem Hof „Kliemannsland“. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Fynn Kliemann auf seinem Hof „Kliemannsland“. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Montagmorgen in einem kleinen Örtchen bei Rüspel in Niedersachsen: Fynn Kliemann springt im Homeoffice zwischen den Online-Portalen hin und her.

«Ich leite inzwischen acht Unternehmen, da wollen alle gleichzeitig etwas von mir», erklärt der 33-Jährige und schleppt mitten im Video-Interview auch schon mal Kisten aus dem Büro. Sein Zeitplan ist eng getaktet, zum neuen Album «NUR» - ab 17. Dezember digital und in limitierter Edition auf Vinyl erhältlich - folgt eine Promotion-Schalte der nächsten.

Er hat 25 Festangestellte

Wegen Corona empfängt der als «Heimwerkerking» auf Youtube bekannt gewordene Selfmademan derzeit weder Fotografen noch Journalisten bei sich oder auf dem nach ihm benannten Kreativhof «Kliemannsland» im Landkreis Rotenburg/Wümme. Seit fünf Jahren entwickelt Kliemann das Projekt, in dem unter anderem Dokumentationsfilme für Sender wie Netflix entstehen.

Während der Pandemie habe man mutig investiert, erzählt Kliemann, der stolz auf 25 Festangestellte ist. Die Eventabteilung habe natürlich gelitten. Und die Führungen sowie der Weihnachtsflohmarkt sind abgesagt, lediglich ein Punsch an der Feuertonne ist möglich.

Frische Ideen sind für Fynn Kliemann der Antrieb in seinem Leben und lassen ihn des Öfteren nicht schlafen. «Ich bin danach süchtig geworden, den Ideen nachzurennen», sagt er und wirkt tatsächlich ein wenig unausgeschlafen. Um seine vielseitigen Pläne zu entwickeln, sei Schlaf manchmal sogar «das grösste Hindernis der Welt».

Als besonders talentiert empfindet sich der Singer-Songwriter allerdings nicht: «Nee, ich bin nicht besser als andere. Ich bin weder der beste Musiker noch Schreiber auf der Welt.» Er habe nur viele Interessen und keine Angst, die Leute vom ersten Pinselstrich an mitzunehmen. Andere malten 30 Jahre, bevor sie ihr erstes Bild der Öffentlichkeit zeigten.

Auf Tour will er nicht gehen

Kliemanns drittes Album mit dem Titel «NUR» ist eine Zusammenstellung seiner 15 Lieblingssongs der ersten beiden Platten «NIE» (2018) und «POP» (2020). Die Lieder wurden auf verschiedene Weise neu interpretiert, einige von ihnen dabei als Pianoversionen arrangiert.

Bühnenauftritte strebt Kliemann, der an vielen Projekten gleichzeitig arbeitet, indes nicht an: «Ich habe noch nie live gespielt, da habe ich Angst und keine Lust.» Auf Tournee zu gehen, koste zudem zu viel Zeit. «Das klingt von A bis Z wie der schlimmste Trip meines Lebens.»

Feedback ist dem vielseitigen Künstler aber wichtig: «Ich habe so eine Grössenordnung erreicht, dass Leute mitunter sehr kritisch sind.» Am Anfang seien ihm negative Rückmeldungen nahe gegangen. Um sich zu entfalten, könne er es aber nicht jedem recht machen.

In Titeln wie «Ruinierung» wird viel Erlebtes verarbeitet, Themen aus dem Alltag kommen schrill und laut rüber. Die Musik soll ein Hobby bleiben - wichtig ist Fynn Kliemann, dass sie von den Anfängen am Piano bis zur Verpackung selbst produziert wird. So entwirft er beispielsweise auch für befreundete Bands fair produzierte Klamotten, gestaltet mit seinem Team deren Webseiten.

«Ich schaffe immer mehr, hole Menschen ab und mache sie glücklich», beschreibt der Webdesigner, Youtuber und Musiker einen Antrieb für sein nimmermüdes Tun. Sein neuestes Projekt hört sich an wie ein soziales Urlaubsportal: Kliemann kaufte einige renovierungsbedürftige Häuser im In- und Ausland, liess sie auf Vordermann bringen und vermietet die Immobilien zu fairen Preisen. Was übrig bleibt, soll es einkommensschwachen Familien ermöglichen, fast umsonst auch einmal in die Ferien zu fahren.

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