Patrizia Laeri

Rohstoff-Guru will Patrizia Laeri ins Hotelzimmer locken

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Zürich,

Patrizia Laeri spricht offen über Sexismus, Geld und den Tod ihres Mannes. Eine Erfahrung aus ihrer SRF-Zeit beschäftigt sie bis heute.

Patrizia Laeri
Patrizia Laeri spricht offen über Sexismus, Geld und den Tod ihres Mannes. In einem neuen Podcast gibt die Unternehmerin sehr persönliche Einblicke. - instagram @patrizia laeri

Das Wichtigste in Kürze

  • Patrizia Laeri erzählt von Sexismus in ihrer Zeit als Wirtschaftsjournalistin.
  • Ein Interviewpartner habe ihr nach dem Gespräch seinen Hotelschlüssel zugesteckt.
  • Auch über Geld und den Tod ihres Mannes spricht die Unternehmerin offen.
  • Der Verlust habe ihren Blick auf das Leben grundlegend verändert.

«Was will mir diese Barbie von den Börsenkursen erzählen?» Mit solchen Reaktionen wurde Patrizia Laeri (49) konfrontiert, als sie als SRF-Wirtschaftsjournalistin vor die Kamera trat.

Im Podcast «coop.chind» der «Coopzeitung», der auch als Video veröffentlicht wurde, blickt die ehemalige SRF-Moderatorin nun ausführlich auf ihren Weg zurück. Sie spricht über Geld, Sexismus – und den Tod ihres Mannes.

«Was will mir diese Barbie erzählen?»

Laeri arbeitete während 17 Jahren bei SRF und moderierte unter anderem die «SRF Börse» und «Eco». Schon damals fällt ihr auf, wie männlich die Wirtschaftswelt geprägt ist.

Als sie erstmals eine eigene Sendung moderiert, folgt heftige Kritik. «Was will mir diese Barbie von den Börsenkursen erzählen?», hätten Zuschauer geschrieben. Auch als «Girlie» sei sie bezeichnet worden.

Für Laeri ist klar: Ihre Kompetenz wurde wegen ihres Aussehens infrage gestellt. Dabei sei sie Ökonomin gewesen, während einige ihrer männlichen Kollegen eine Dolmetscherausbildung gehabt hätten.

Der Widerstand habe sie immer wieder begleitet. «Ich hatte viel Hate», sagt sie. Dieser habe eingesetzt, sobald sie öffentlich sichtbar geworden sei.

Hotelschlüssel nach Interview

Dass es nicht bei bösen Briefen blieb, zeigt eine weitere Episode aus ihrer Zeit als Journalistin.

Nach dem Interview habe ihr ein «Rohstoff-Guru», wie sie ihn nennt, seinen Hotelschlüssel gezeigt und ihr signalisiert, sie solle mitkommen. Laeri erzählt, sie sei damals noch jung gewesen und habe vor allem daran gedacht, ihren journalistischen Auftrag zu erfüllen. Rückblickend sagt Laeri: «Schade, hat er es nicht vor der Kamera gemacht.»

Über ähnliche Erfahrungen hat die Unternehmerin bereits früher gesprochen. 2023 berichtete Nau.ch, dass Laeri einem damaligen SRF-Redaktor sexuelle Belästigung während ihrer Praktikumszeit vorwarf.

Wurdest du am Arbeitsplatz schon einmal sexuell belästigt?

2021 machte sie zudem einen Bitcoin-YouTuber öffentlich, der sie mit sexistischen Sprüchen attackiert hatte.

«Wir sprechen lieber über Sex und Tod als über Geld»

Für Laeri hängt die Gegenwehr auch mit ihrem heutigen Kernthema zusammen: Geld.

«Geld ist ein Tabuthema», sagt die Fintech-Gründerin. «Wir sprechen lieber über Sex und den Tod als über Geld.» Als Frau öffentlich über Finanzen zu sprechen, sei deshalb ein «doppelter Tabubruch».

Mit ihrer Finanzplattform elleXX will Laeri vor allem Frauen zum Investieren bringen. Der Antrieb dafür entstand auch während ihrer Zeit bei SRF.

SRF Club Patrizia Laeri
Patrizia Laeri moderierte SRF-«Börse». - SRF

Damals habe sie für ihre Sendungen fast ausschliesslich männliche Chefökonomen und Anlagechefs gefunden. Gleichzeitig stellte sie fest, dass Frauen deutlich seltener investieren.

Auch die eigene Familie habe sie geprägt. Ihre Mutter habe von zu Hause aus keinen Beruf erlernen dürfen und deshalb heimlich eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Später habe sie den beruflichen Wiedereinstieg nicht mehr geschafft.

«Das Leben ist zu kurz für irgendwann»

Im Gespräch wird Laeri aber auch sehr persönlich. Ihr Ehemann starb im Mai 2024 an einem Glioblastom. Der Diagnose folgten 13 Monate, in denen Laeri ihn bis zu seinem Tod begleitete.

«Es ist sicher viel besser als in den letzten drei Jahren», sagt sie heute. Die 13-monatige Sterbebegleitung sei dem öffentlichen Abschied vorausgegangen. Währenddessen seien Arbeit, Shitstorms und andere Probleme einfach weitergelaufen.

Zeitweise habe sie Angst gehabt, neben ihrem Mann auch noch ihr Unternehmen zu verlieren.

Das Start-up sei für sie zugleich ein «Happy Place» gewesen. Sinnstiftend zu arbeiten und anderen Menschen zu helfen, habe ihr während dieser Zeit Halt gegeben.

Der Tod habe ihren Blick auf das Leben verändert. «Das Leben ist zu kurz für irgendwann», sagt Laeri. Zeit mit Familie und Freunden sowie Erlebnisse seien ihr heute wichtiger.

Die Trauer verschwindet nicht

Bereits im März sprach Laeri öffentlich darüber, dass die Trauer für sie zu einer Art «Parallelleben» geworden sei. Nau.ch berichtete damals über ihre Erinnerungen an die 391 Tage der Krankheit ihres Mannes.

Im neuen Gespräch beschreibt sie auch die Folgen für ihre Familie. Besonders schmerze sie bis heute, Väter mit ihren Kindern zu sehen.

«Wieso dürfen sie leben? Jetzt haben die drei Kinder keinen Vater mehr», habe sie sich anfangs sogar gefragt. Diese Wut auf ältere Menschen sei verschwunden. Bei Vätern würden die Emotionen hingegen noch immer hochkommen.

Für sie selbst hat der Verlust vieles relativiert.

«Wenn jemand nicht gleich verletzt und niemand gestorben ist, bringt mich nichts aus der Fassung», sagt Laeri. Sie könne heute besser unterscheiden, was wirklich wichtig sei und was nicht.

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