Image «abgestaubt»: Linda Fäh wünscht mehr «Beachtung» für Schlager
Linda Fäh fordert in der Schweiz mehr Sichtbarkeit für Schlager und Volksmusik. Die Genres seien nie Thema bei den Swiss Music Awards, bemängelt sie.

Das Wichtigste in Kürze
- Linda Fäh vermisst die Ehrung von Schlager und Volksmusik an den Swiss Music Awards.
- Die Genres hätten noch immer ein «abgestaubtes» Image, trotz erfolgreicher Künstler.
- Die Veranstalter der Musikpreisverleihung können die Kritik der Sängerin nachvollziehen.
Für Linda Fäh (38) war es ein mehr als erfolgreicher Start in den Mai: Vor wenigen Wochen räumte die Sängerin den Prix Walo in der Kategorie «Schlager» ab. Nach 15 Jahren im Musikbusiness war es für die Ostschweizerin die erste musikalische Auszeichnung überhaupt – und die kam unerwartet.
Den Preis empfindet die 38-Jährige als «riesen Anerkennung» für ihre jahrelange Karriere, die sie sich in der Schlagerszene aufgebaut hat.
Eine Anerkennung, auf die sie lange gewartet hat – auch, wenn sie sich im Kreise ihrer Kollegen umschaut.
Mit einer Mischung aus volkstümlicher Blasmusik, Pop und Techno füllen die «Fäaschtbänkler» Arenen mit mehreren Tausend Menschen. Im Netz generiert die Band aus dem St. Galler Rheintal millionenfach Klicks. Doch Erfolge feiern die fünf Männer vorwiegend in unseren Nachbarländern Deutschland und Österreich.
«Warum nicht Thema an den Swiss Music Awards?»
Schlagerkollegin Linda Fäh ist drum der Meinung: Schweizer Acts wie die «Fäaschtbänkler» erhalten in ihrer Heimat manchmal zu wenig Anerkennung.
Zu einem «10 vor 10»-Beitrag, der das Erfolgsrezept der Band beleuchtete, kommentierte die Sängerin auf Instagram: «Warum sind solche Erfolge nicht Thema an den Swiss Music Awards?» Schliesslich füllten die Fääschtbänkler zweimal die St. Galler Olma-Hallen mit jeweils über 10'000 Leuten.

Auch andere Schweizer Künstler aus den Genres Schlager und Volksmusik vermisse sie an der jährlichen Preisverleihung, schrieb Linda Fäh weiter. Nicht nur auf der Bühne, sondern beispielsweise auch als Gast auf dem roten Teppich, wie sie gegenüber Nau.ch ergänzt.
Beatrice Egli zuletzt 2021 ausgezeichnet
Blickt man auf die vergangenen Jahre zurück, fällt auf: Künstler aus oben genannten Bereichen waren bisher tatsächlich selten vertreten.
Zwar holte Trauffer (46) in diesem Jahr den Swiss Music Award in der Kategorie «Best Solo Act National». Der Berner Solokünstler verbindet seit seinem Debütalbum 2008 alpinen Folk-Rock, Mundart-Pop und Volksmusik.
2024 überzeugte zudem die «Stubete Gäng» mit ihrem urbanen Ländler-Sound in der Kategorie «Best Streaming Artist». Und Schlagerstar Beatrice Egli (37) setzte sich bisher dreimal als «Best Female Act» durch, zuletzt wurde sie 2021 ausgezeichnet.
Linda Fäh: Schlager und Volksmusik haben «abgestaubtes» Image
Und doch würde sich Linda Fäh für das Genre, wofür sie selbst steht, über mehr Sichtbarkeit freuen. Denn: «Ich finde tatsächlich, dass zum Teil Schlager und Volksmusik noch ein wenig ein ‹abgestaubtes› Image hat in der Branche. Und dadurch etwas zu wenig Beachtung erhält», erklärt sie gegenüber Nau.ch.

Woran das liegt, kann sich die Sängerin nicht erklären. Denn viele erfolgreiche Künstler wie Helene Fischer, Andreas Gabalier oder in unserer Heimat Trauffer wie auch Oeschs die Dritten würden ja genau das Gegenteil beweisen, so die 38-Jährige.
Linda Fäh betont aber auch, dass Schlager und Volksmusik unglaublich viel Zuspruch erhalten und sich auf eine grosse und echte Fanbase stützen darf. «Was ich selber schon viele Jahre erlebe und sehr schätze. Und darauf kommt es am Meisten an.»
Doch was sagt man bei den Swiss Music Awards zum Anliegen der Sängerin – Ist die Kritik berechtigt?
Nau.ch hat bei SMA-Veranstalterin CH Media nachgefragt. Auf Anfrage heisst es: «Wir verstehen die Perspektive von Linda Fäh sehr gut. Gerade wenn Schweizer Acts international erfolgreich sind, entsteht verständlicherweise der Wunsch nach stärkerer Sichtbarkeit im Inland.»
Verkaufs- und Streamingzahlen entscheiden
Dennoch sei zu beachten, dass die Swiss Music Awards konsequent die messbare Entwicklung im Schweizer Markt abbilden. Die Preisverleihung werde bewusst genreübergreifend konzipiert. Eine aktive Gewichtung oder Bevorzugung einzelner Musikstile gebe es nicht, so die Begründung.

Dass aktuell weniger Schlager- oder Volksmusik-Acts vertreten sind, hänge in erster Linie mit den Ergebnissen innerhalb der jeweiligen Erhebungsperiode zusammen. Entscheidender Faktor seien die Verkaufs- und Streamingzahlen, die als klar definiertes Kriterium für eine Nomination stehen.
Je nach Kategorie, so erklärt es der Veranstalter, hänge eine mögliche Teilnahme auch vom Voting der Academy sowie dem Public Voting der Fans ab. Sprich: «Die Awards bilden kein Genre ab, sondern die Performance in der jeweiligen Periode.»
Veranstalter legt Wert auf musikalische Vielfalt
Die Zusammenstellung der Nominierten an den Swiss Music Awards basiert also auf einer objektiven, klar definierten Vorgehensweise.

Kritikpunkte, wie jenen von Linda Fäh, nehme man für künftige Verleihungen aber ernst, schreibt CH Media auf Anfrage. Dafür stehe man im regelmässigen Austausch mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren der Schweizer Musikszene.
Die Veranstalterin betont: «Unser Anspruch ist es, die Vielfalt der Schweizer Musik möglichst breit abzubilden, dies auf Basis eines transparenten und fairen Reglements. Gleichzeitig entwickeln wir dieses kontinuierlich weiter, auch im Dialog mit der Branche.»















