«Gottlos»: Schweizer Influencerin erstattet Anzeige wegen Deepfakes
Influencerin Nathistyle hat genug: Seit Juli 2024 tauschen Hunderte von Männern Deepfakes zu ihrer Person aus. Jetzt hat die Zürcherin Anzeige eingereicht.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Schweizer Influencerin Nathistyle hat Anzeige wegen Deepfakes erstattet.
- Auf Plattformen wie Telegram und Reddit wurde sie Opfer digitaler Gewalt.
- «Wir müssen uns einfach trauen, uns zu wehren», appelliert die Zürcherin.
Der Fall Collien Fernandes sorgte international für grosses Entsetzen. Doch die Debatte zeigt klar: Opfer von Deepfakes gibt es überall, auch hierzulande. Eine, die nicht länger schweigen will, ist die Schweizer Influencerin Nathistyle (23).
Bekannt für Mode- und Lifestyle-Posts schlägt die Zürcherin auf Instagram einen ungewohnt ernsten Ton an. Denn auch sie kämpft gegen digitale Gewalt. Nathistyle spricht von Telegram-Gruppenchats mit über 380 Männern, die darin sexualisierte Inhalte ausgetauscht haben.
«Es ist gottlos, wirklich gottlos»
Die 24-Jährige offenbart: «Darunter gab es auch sehr oft Deepfakes.»
Zur Erklärung: Bei Deepfakes handelt es sich um gefälschte Medieninhalte in Form von Foto, Video und Ton. Durch künstliche Intelligenz erzeugte pornografische Inhalte sind dabei ein bekanntes und problematisches Beispiel.

«Ich habe diese Sachen gesehen. Und es ist gottlos, wirklich gottlos. (...) Ich habe gelesen, was die über mich geschrieben haben», erinnert sich die Youtuberin.
Nun hat Nathalie Sulser, wie Nathistyle mit bürgerlichem Namen heisst, Anzeige erstattet.
Doch überrascht haben sie die geschmacklosen Beiträge und Reaktionen, wie sie selbst sagt, nicht wirklich.
Betrüger verlangte Geld für Treffen
Bereits vor ein Paar Jahren sei Nathistyle auf einen Fake-Account von sich selbst gestossen, damals auf der Plattform Reddit. Dieser sei später dann gesperrt worden.
Gegen die Täter habe sie damals allerdings nicht angekämpft: Aus Angst, aber auch wegen der Anonymität im Netz und der damit verbundenen Schwierigkeit, die Täter zu identifizieren.

Letztes Jahr wiederholte sich der Fall. Doch der Mann, von dem Nathistyle spricht, habe über ein Fake-Profil nicht nur Deepfakes verbreitet. «Er hat andere Männer dazu gebracht, Geld zu zahlen, um sich mit mir zu treffen.» Sie seien mit erotischen Fotos zu einer Zahlung gelockt worden, erklärte die Zürcherin vor einem Jahr auf Youtube.
«Mache nicht Content für Männer, die sich aufgeilen»
Hinzu kommt nun der Telegram-Gruppenchat, der laut Nathistyle seit Juli 2024 existieren soll.
«Irgendwo hört der Spass doch einfach mal auf. Ja, ich stehe in der Öffentlichkeit, ja, ich mache Content. (...) Aber ich mache doch nicht Content für Männer, die sich aufgeilen», stellt sie auf Instagram klar.

«Es f*ckt mich ab, dass das ein tägliches Problem ist von Frauen. (...) Es kann genauso deine Tochter, deine Schwester, deine Kollegin betreffen», so die 24-Jährige weiter.
«Müssen uns trauen, uns zu wehren»
Laut Untersuchungen der Cybersecurity-Firma Security Hero macht Deepfake-Pornografie 98 Prozent aller Deepfake-Videos im Internet aus. Opfer sind zu 99 Prozent Frauen und Mädchen.

Für Nathistyle ist klar: Hier muss sich etwas ändern.
Umso wichtiger sei es deshalb, das Thema in der Öffentlichkeit auszutragen. Denn sie gesteht: «Ich habe mich damals schon sehr allein gefühlt.» Dies sei auch Grund für ihre Angst gewesen, etwas dagegen zu unternehmen.
Die Zürcher Influencerin appelliert: «Wir müssen uns einfach trauen, uns zu wehren.»








