Der Zoo Zürich präsentiert seinen Entwicklungsplan bis zum Jahr 2050, in welchem die nächsten 30 Jahre geplant werden.
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Eine Löwin sitzt im Zoo. (Symbolbild) - Pixabay

Was ist die Rolle des Zoos in der Gesellschaft? Wie wird als Zoo zum Erhalt der Natur beigetragen? Wie gestalten der Zoo die Lebensräume für die Tiere? Und wie wird das Zooerlebnis für die Gäste geformt? Die Antworten auf diese Fragen liefert der Entwicklungsplan 2050, den der Zoo Zürich heute der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Mit der Eröffnung der Lewa Savanne realisierte der Zoo Zürich im vergangenen Jahr erfolgreich das letzte Meilensteinprojekt seines Masterplans 2020. Zeit also, die nächsten dreissig Jahre zu planen. Dies macht der Zoo mit dem neuen Entwicklungsplan 2050.

Eine Welt für Tier und Mensch

Unter der Federführung von Zoodirektor Severin Dressen erarbeiteten die Zoomitarbeiter in den vergangenen Monaten ihre Konzepte für den Zoo der Zukunft. «Wir stehen vor grossen gesellschaftlichen Herausforderungen: Biodiversitätsverlust, Umweltzerstörung und globaler Wandel», sagt Severin Dressen.

Um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen, braucht es eine grundlegende Wende. «Aus diesem gesamtgesellschaftlichen Auftrag leiten wir unsere Vision ab: eine Welt für Tier und Mensch», sagt Dressen. «Diese Vision wird unser Handeln als Zoo Zürich in den nächsten dreissig Jahren leiten.»

Bildung, Naturschutz, Forschung und Artenschutz als Schwerpunkte

Der Zoo Zürich fokussiert seine Tätigkeiten auf vier Aufgabenschwerpunkte: Bildung, Naturschutz, Forschung und Artenschutz. Im Bereich der Bildung steht das Sensibilisieren und Motivieren der Zoobesucher für den Natur- und Artenschutz im Zentrum. Neue Technologien sollen die Wissensvermittlung unterstützen, das Naturerlebnis aber nie konkurrenzieren.

Im Bereich des Naturschutzes stärkt der Zoo selber die Natur – lokal durch nachhaltiges Handeln, global durch Naturschutzprojekte weltweit. Unter anderem baut der Zoo eine eigene Naturschutzeinheit auf, die er zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer vorstellen wird.

Im Bereich der Forschung intensiviert der Zoo seine Tätigkeiten mit eigenen Projekten, insbesondere aber auch, indem er externen Wissenschaftlern eine Plattform für Forschungstätigkeiten bietet. Im Bereich des Artenschutzes schliesslich strebt der Zoo in seinem Tierbestand eine Priorisierung bedrohter Arten an. Ziel ist es, im globalen Zooverbund das Aussterben dieser Arten zu verhindern.

Elf Lebensräume bis 2050

Die augenscheinlichsten Elemente des Entwicklungsplans sind die geplanten Bauprojekte. Bis 2050 soll der Zoo Zürich – auf seiner bestehenden Fläche von 27 Hektar – aus elf grossräumigen Lebensräumen bestehen.

Der Zoo führt dabei weiter, was er mit wegweisenden Anlagen wie dem Masoala Regenwald und der Lewa Savanne begonnen hat: neue Massstäbe sowohl in der Tierhaltung als auch im Erlebnis für die Zoogäste zu schaffen. Einen Schwerpunkt legt der Zoo in seinen neuen Anlagen auf die Dreidimensionalität: Grossvolieren erschliessen die Höhe, voluminöse Wasserkörper die Tiefe.

Den Zoogästen eröffnet dies neue Perspektiven, den Tieren vielseitige Lebensbedingungen. Vögel etwa können künftig in Schwärmen fliegen, Affen bis in die höchsten Baumwipfel klettern.

Pantanal Voliere und Kongo erste Grossprojekte

Als erste der geplanten Grossanlagen werden die Projekte Pantanal Voliere (Eröffnung 2025) und Kongo (Eröffnung 2029) umgesetzt. «In der Pantanal Voliere werden Sie sich mit fliegenden Grosspapageien auf Augenhöhe befinden», beschreibt Severin Dressen das angestrebte Erlebnis.

«Im Kongo können Sie Gorillas und Okapis beobachten, wie sie auf einer grossen Regenwaldlichtung im seichten Wasser des Sumpfes weiden.» Die Pantanal Voliere entsteht am Standort des heutigen Pantanals, der Kongo auf der noch unbebauten Fläche oberhalb der Lewa Savanne.

360°-Grossleinwand in zwei Jahren

Neues für die Zoogäste gibt es aber bereits vorher: 2023, zum 20-Jahre-Jubiläum des Masoala Regenwalds, weiht der Zoo sein neues Naturschutzzentrum ein. Hier können die Zoobesucher in einem immersiven Erlebnis auf einer 360°-Grossleinwand in die weltweiten Naturschutzprojekte des Zoos eintauchen.

2025 eröffnet er ausserdem eine Forschungsstation im Exotarium. «Forschung ist eine unserer vier Hauptaufgaben als Zoo, für die Besucher aber oft unsichtbar. Mit der neuen Forschungsstation machen wir Teile dieses Tätigkeitsbereichs unseren Gästen zugänglich», sagt Severin Dressen.

Ein Meer auf dem Zürichberg

Nach 2030 werden dann insbesondere die beiden Grossprojekte Sumatra Regenwald und Meeresküste die Zooentwicklung prägen. Severin Dressen: «Im Sumatra Regenwald werden Sie schwimmende Schabrackentapire entdecken und dann in schwindelerregende Höhen hinaufsteigen, zu den Orang-Utans in die Baumkronen der vierzig Meter hohen Urwaldriesen. Und an der Meeresküste werden Sie Pinguine und Seelöwen beobachten, dabei das unverkennbare Geräusch der Wellen hören und denken ‹jetzt haben wir ein Meer auf dem Zürichberg›.»

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