Die Stadt Zürich kann kein verbindliches Kaufangebot für den grossen Bürokomplex Uetlihof abgeben: Der Gemeinderat hat den Nachtragskredit abgelehnt.
Der Zürcher Stadtrat wollte beim Kauf des Uetlihof 2 sowie weiterer Bürogebäude in der Brunau mitbieten - der Gemeinderat sprach sich am Mittwochabend aber gegen das Milliarden-Projekt aus. (Archivbild)
Der Zürcher Stadtrat wollte beim Kauf des Uetlihof 2 sowie weiterer Bürogebäude in der Brunau mitbieten - der Gemeinderat sprach sich am Mittwochabend aber gegen das Milliarden-Projekt aus. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stadt Zürich darf für den Uetlihof Bürokomplex kein verbindliches Kaufangebot abgeben.
  • Der Gemeinderat hat einen Nachtragskredit über 1,2 Milliarden abgelehnt.
  • Das Argument einer «wohl einmaligen Chance» der SP fand keine Mehrheit.

Gegen den Kredit sprachen sich nach einer zweieinhalbstündigen Debatte SVP, FDP, GLP, AL sowie eine Minderheit der Grünen aus. SP, eine Mehrheit der Grünen, Mitte und EVP hiessen ihn gut.

SP sieht Chance, Bürgerliche den Wettbewerb

Der Stadt eröffne sich eine seltene Gelegenheit, eine der grössten zusammenhängenden Parzellen in der Stadt zu erwerben, die der Wohnzone zugeordnet ist, hatte der Stadtrat seinen Antrag begründet. «Das Grundstück hat eine langfristige strategische Bedeutung als mögliche Baulandreserve für die übernächste Generation.»

Dies sah nur eine Minderheit im Gemeinderat so: Von einer «wohl einmaligen Chance» sprach etwa Lisa Diggelmann (SP). Mit dem Kauf könnte die Stadt sicherstellen, dass das grosse Grundstück so entwickelt werde, wie es den Bedürfnissen der zukünftigen, wachsenden Stadtbevölkerung gerecht werde. «Schaffen wir Gestaltungsspielraum für zukünftige Generationen.»

uetlihof
Der grösste Bürokomplex der Schweiz, der Uetlihof, wird verkauft. - keystone

Severin Pflüger (FDP) warf den Befürwortenden demgegenüber vor, dass sie im ohnehin schon teuren Zürich weiter an der Preisspirale drehen würden. «Wir kaufen den Uetlihof privaten Investoren weg, diese suchen sich dann andere Objekte.» Die städtische Investition hätte einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Immobilienpreise.

Weitere bürgerliche Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sprachen von «reiner Spekulation» und «einem absurden Hochrisikogeschäft». Andere bezweifelten den Nutzen des Grundstücks: Für die GLP komme der Kauf von strategischen Landreserven zwar durchaus in Frage, doch messe sie dem Uetlihof, der verkachelt, verbaut und verzwickt sei, kein Potenzial zu, sagte Sven Sobernheim.

Uetlihof beschäftigt Zürich

Das Grundstück im Quartier Brunau umfasst eine Fläche von rund 55'800 Quadratmetern. Die Credit Suisse ist Mieterin ihres Bürocampus, in dem sie derzeit rund 8500 Mitarbeitende beschäftigt. Sie hatte ihn 2012 an eine ausländische Investorin verkauft. Diese will ihn nun wieder veräussern.

Die Stadt Zürich hat bereits ein erstes unverbindliches Kaufangebot abgegeben. Für die zweite Runde hätte sie nun ein verbindliches Gebot einreichen sollen. Ohne 1,2-Milliarden-Kredit ist ihr dies nun aber nicht möglich.

Hat die Stadt Zürich beim Uetlihof eine Chance verpasst?

Ihr Angebot wäre dabei noch höher ausgefallen. Wie hoch, das hätte der Stadtrat nicht öffentlich bekannt gemacht, damit ihn die anderen Kaufinteressenten nicht einfach hätten überbieten können. Die Differenz vom Kredit zum effektiven Preis hätte er sich nachträglich bewilligen lassen.

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