Die Stadt Zürich setzt sich mit dem Projekt «Zürich schaut hin» gegen Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Übergriffe im öffentlichen Raum ein.
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In Zürich sollen die Steinwände grüner werden. - Nau

Im Mai 2021 ging das Meldetool «Zürich schaut hin» online. Das Online-Meldetool soll dazu beitragen, Belästigungen im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Bis Ende September 2021 sind rund 700 Meldungen eingegangen.

Stadtpräsidentin Corine Mauch sagt dazu: «Das Meldetool entspricht einem Bedürfnis. Belästigungserfahrungen sind kein privates Problem, sondern gehen uns alle an.» Die Meldungen werden Ende 2021 ausgewertet und die Ergebnisse anfangs 2022 publiziert.

Übergriffe finden häufig spätabends im öffentlichen Nachtleben statt

Übergriffiges Verhalten findet am häufigsten an Orten des Nachtlebens wie Bars und Clubs statt, gefolgt von Festen, Festivals und öffentlichen Aussenräumen wie Strassen, Plätzen, Trottoirs.

Das zeigte die Befragungsstudie von Sotomo im Auftrag der Stadt Zürich. Dazu liegen nun vertiefte Auswertungen vor. Sie zeigen zum Beispiel: Mehr als jede dritte Frau zwischen 16 und 35 Jahren ist im Ausgang, nach 22 Uhr, häufig mit unangenehmen und übergriffigen Situationen konfrontiert.

Auch junge Männer erleben aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung übergriffige Situationen, wenn auch deutlich weniger häufig als junge Frauen. Junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren erachten es zudem für deutlich schwieriger, sich zu wehren, als über 35-Jährige.

Die am häufigsten genannten Gründe für die Schwierigkeit, sich zu wehren, sind die Furcht vor weiterer Eskalation sowie ein Schockzustand und der Überraschungseffekt.

Das Projekt arbeitet mit Bars, Clubs und Restaurants zusammen

Eine Erhebung bei Zürcher Bars, Clubs und in der Veranstaltungsbranche im Jahr 2020 hat gezeigt, dass das Bewusstsein für die Thematik vorhanden ist und bereits einiges in Bezug auf das Thema sexualisierte Gewalt in der Nacht unternommen wird.

Gemeinsam mit der Bar & Club Kommission Zürich BCK, GastroZürich-City, Offene Jugendarbeit OJA und weiteren Partnerinnen und Partnern verstärkt die Stadt Zürich nun die Präventionsarbeit.

An zwei von der Stadt angebotenen Workshops wurde ein «Werkzeugkoffer» mit Handlungsanleitungen und Merkblättern erarbeitet, der auf die Bedürfnisse eines Betriebs angepasst werden kann. Aktuell wird der Werkzeugkoffer in mehreren Pilot-Betrieben getestet.

Dazu Miklos Kündig vom Club Kauz, einer der Pilotbetriebe: «Wir haben den Anspruch, dass sich bei uns alle Personen wohlfühlen können. Wir nehmen sexuelle Belästigung, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit ernst. Wir wünschen uns, dass sich Personen bei uns melden, wenn sie belästigt werden. Unser Team ist sensibilisiert und kann Unterstützung leisten.» Im Frühjahr 2022 finden weitere Schulungen zum Werkzeugkoffer statt.

«Zürich schaut hin» vermittelt Wissen und stärkt die Zivilcourage

Wissensvermittlung sowie Förderung von Zivilcourage und Selbstbehauptung sind weitere wichtige Bestandteile des Projekts «Zürich schaut hin». Für Vertreterinnen und Vertreter von Polizei, Jugendarbeit, sip züri und weiteren Organisationen fand im September 2021 ein Weiterbildungstag statt.

Mit dem Forumtheater «Courage konkret» wird ein Format zur Verfügung gestellt, mit dem das Thema Zivilcourage an Schulen und in der Jugendarbeit aufgenommen werden kann.

Des Weiteren unterstützt die Stadt Selbstverteidigungskurse. Angesprochen sind insbesondere queere Menschen und Mädchen und Frauen mit einer Sehbeeinträchtigung oder Mobilitätseinschränkung.

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