Für den ESP Bahnhof Thun ist der Auftakt zum neuen Planungsverfahren erfolgt. Es werden kurz-, mittel- und langfristige Entwicklungsideen erarbeitet.
Bahngleis Thun BE
Gleise am Bahnhof Thun BE. - Keystone

Um die beste Lösung für die Entwicklung des Stadtquartiers Bahnhof Thun zu finden, wendet die Stadt mit der Charrette eine spezielle, ergebnisoffene Planungsmethode an. Drei interdisziplinäre Bearbeitungsteams erarbeiten gemeinsam mit Interessengruppen kurz-, mittel- und langfristige Entwicklungsideen.

Der Gemeinderat will für die Entwicklung des Stadtquartiers Bahnhof Thun zusammen mit der Grundeigentümerschaft eine breit abgestützte und tragfähige Lösung zu Fragen der Mobilität, der Stadträume und der baulichen Entwicklung finden. Vor den Sommerferien 2021 kündigte er daher einen partizipativen Prozess an.

Entwicklung eines Leistbildes

Ziel ist es, für den Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Bahnhof Thun ein «Leistbild» zu erarbeiten, das aufzeigt, was der Ort in Zukunft leisten soll, damit die Entwicklung ein Erfolg wird.

«Wir wollen eine sowohl fachlich als auch in der Bevölkerung breit abgestützte Grundlage erhalten. Dazu führen wir erstmals ein sogenanntes Charrette-Verfahren durch», so Stadtpräsident Raphael Lanz.

Die Charrette ist eine spezielle, ergebnisoffene und dynamische Planungsmethode mit unterschiedlichsten Beteiligten und einem direkten Einbezug der Bevölkerung. 

Startveranstaltung: drei Teams ausgewählt

Nach der öffentlichen Ausschreibung wurden sechs interdisziplinäre Teams ausgewählt. Diese konnten sich an der Startveranstaltung vom 18. November 2021 dem Publikum präsentieren, bestehend aus der Stadt Thun (Veranstalterin), Fachleuten, den Grundeigentümerschaften und Interessevertretern (Leist, Verkehrs-, Wirtschafts- und weitere Organisationen und Vereine).

 Daraufhin wurden die drei folgenden Teams auserkoren, die mit ihren Kompetenzen in Städtebau und Architektur, Mobilität und Verkehr, Freiraumplanung und Landschaftsarchitektur, Stadtökonomie und weiteren Disziplinen am meisten überzeugten:

Güller & Güller architecture urbanism, Zürich / Mrs partner ag / Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbHKCAP Architects&Planners, Zürich / IBV Hüsler AG / Eder LandschaftsarchitektenBerchtoldkrass space&options, Karlsruhe / Kontextplan / Bauchplan  

Einbezug der Interessegruppen ist zentral

Die drei ausgewählten Teams erarbeiten im Rahmen der Charrette räumliche Entwicklungskonzepte, Lösungsvorschläge und Strategien. Zentral am Verfahren ist, dass die Betroffenen, die Entscheidungsträger, die Projektentwickelnden sowie die Bearbeitungsteams diese Konzepte zusammen diskutieren und sie den aktuellen Gegebenheiten und Erkenntnissen laufend anpassen.

Konkret ist vorgesehen, dass sich die Grundeigentümerschaften, die Interessen- bzw. Anspruchsgruppen mit Experten sowie den ausgewählten Bearbeitungsteams an Workshops direkt austauschen.

Ziel: «Leistbild» ausarbeiten

In der Charrette soll eine Gesamtbetrachtung von (städte-)baulichen, verkehrlichen und gesellschaftlichen Themen erfolgen. Es gilt, ein Gesamtbild für die zukünftige Entwicklung zu erstellen und Antworten auf die Fragen «was?», «wie?», «wo?» und «wann?» zu finden.

Das Charrette-Verfahren wird im Sommer 2022 mit einem Bericht und dem Leistbild abgeschlossen. Auf Basis der erarbeiteten Vorschläge werden im Anschluss im Rahmen einer Synthesephase die Grundlage für die nachgelagerten Planungen zusammengefasst.

Charrette-Verfahren

Beim Charrette-Verfahren handelt es sich um eine partizipative Planungsmethode zur Stadtentwicklung mit direkter Beteiligung der Bevölkerung.

Der Begriff Charrette kommt aus dem Französischen und bedeutet Wagen, Karren. Der Begriff wurde für das Verfahren deshalb gewählt, weil im 19. Jahrhundert die Kunstakademiestudenten ihre Werke auf Karren zur Begutachtung an die Akademie fuhren.

Sie gaben ihren Werken auf der Fahrt den letzten Schliff, wobei die Bevölkerung ihre Kommentare und Ratschläge dazu abgeben konnte.

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