Mit der Lancierung des Pilotprojekts «Neophytensack» steht den Luzerner Gemeinden ein Mittel zur Verfügung, um das Thema kommunikativ neu aufzugreifen.
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Die Neophytensäcke sind kostenlos bei der Stadtverwaltung Sursee erhältlich. - stadtsursee.ch

Wie die Gemeinde Sursee schreibt, entsteht im Ehret-Park seit Mitte März 2021 eine neue Wildstauden-Mischpflanzung. Diese Bepflanzung wurde von Forschenden der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW extra für unsere Stadt zusammengesetzt und enthält typische Pflanzen aus der Region. Damit soll die Biodiversität gefördert werden.

Im Ehret-Park wurde die erste Wildstauden-Mischpflanzung angepflanzt. Diese ist wegen der Vielfalt der eingesetzten Pflanzen sehr wertvoll für die Biodiversität und wird während den kommenden Jahren detailliert untersucht.

Dabei interessiert die Forschenden, wie vielfältig das Leben in diesen Flächen über und unter dem Boden ist, wie aufwendig die Pflege ist und auch, wie diese wilde Vielfalt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ankommt. Neueste Forschungsresultate, Hintergrundinformationen und eine Umfrage, welche das Feedback aus der Bevölkerung aufnimmt, finden sich dazu auf www.zhaw.ch/iunr/wildstauden.

Was sind Wildstauden-Mischpflanzungen?

Mischpflanzungen, Kombinationen von verschiedenen Pflanzen, welche gemeinsam auf einer bestimmten Fläche angepflanzt werden, sind bereits gut etabliert und verdrängen eintönige Rasenflächen. Neu haben Forschende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW Mischungen speziell für humusreiche Böden und ausschliesslich mit einheimischen Arten, eben Wildstauden, entwickelt. Solch heimische Wildpflanzen sind besonders wertvoll für die Biodiversität, da sie diversen Insekten Nahrung und Unterschlupf bieten. Zudem bieten sie einen farbigen Anblick in der urbanen Landschaft.

Humusreiche Böden sind wertvoll

Die neuen Wildstauden-Mischpflanzungen sind speziell für nährstoffreiche Böden entwickelt worden, da Böden im Siedlungsraum häufig viel Humus und somit viele Nährstoffe enthalten. Auch diese Böden sind wertvoll für die Biodiversität.

Doch weil die Pflege bei nährstoffreichen Böden anspruchsvoller ist, werden solche Böden oft abtransportiert. Das braucht viel Energie. Mit den neuen Wildstauden-Mischpflanzungen soll deshalb auch untersucht werden, wie sich die Pflege so gestalten lässt, dass diese in den Städten gut machbar ist.

Über das Forschungsprojekt Wildstauden-Mischbepflanzungen

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, mit der bewährten Methode der Stauden-Mischpflanzungen sowohl die ober- wie auch unterirdische Biodiversität zu fördern.

Dabei werden heimische Wildpflanzen, wie zum Beispiel der gewöhnliche Wasserdost (Eupatorium cannabinum) oder der grosse Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), genutzt. Verschiedene Forschungsgruppen untersuchen dabei, wie diese neuen Bepflanzungen die Biodiversität verändern, wie praxistauglich sie sind und wie die Bevölkerung diese wilden Bepflanzungenakzeptiert.

In Zukunft sollen diese Mischpflanzungen sowohl im öffentlichen wie im privaten Grünraum angepflanzt werden. Die Forschenden werden das Projekt bis Ende 2023 begleiten und untersuchen. Die Ergebnisse werden laufend auf der Website aktualisiert.

Pilotprojekt Neophytensack

Der Umgang mit exotischen Problempflanzen, den invasiven Neophyten, beschäftigt die Schweiz auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene. Mit der Lancierung des Pilotprojekts «Neophytensack» steht den Luzerner Gemeinden ein Mittel zur Verfügung, um das Thema kommunikativ neu aufzugreifen, die Bevölkerung zur Neophytenbekämpfung zu motivieren und ihr eine Möglichkeit zu geben, exotische Problempflanzen gratis mit dem Kehricht zu entsorgen.

Invasive Neophyten sind Meister darin, sich an einem neuen Ort zu etablieren und diesen vollständig in Beschlag zu nehmen. Einheimische Pflanzen werden verdrängt und die Artenvielfalt bedroht.

Aus diesem Grund müssen bei der Neophytenbekämpfung ganze Pflanze, oder zumindest die vermehrungsfähigen Pflanzenteile, im Kehricht entsorgt und verbwerden. Getreu dem Motto «erkennen, entfernen, ersetzen!» kann die Bevölkerung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten und auch im eigenen Garten Platz für die Förderung von einheimischen Arten schaffen.

Abgaestelle bei der Gemeinde

Auf Anregung einzelner Gemeinden ist der Neophytensack als ein gemeinsames Projekt des Kantons Luzern und der Abfallverbände REAL, GALL und GKRE entstanden.

Für das Pilotprojekt wurden 30‘000 Neophytensäcke produziert und den Luzerner Gemeinden zur Abgabe an die Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Interessierte Personen aus der Bevölkerung können die orangefarbenen Neophytensäcke bei einer Abgabestelle der Gemeinde gratis abholen, sie mit Neophyten füllen und diese gratis mit der ordentlichen Kehrichtabfuhr entsorgen. Die Kosten für die Produktion der Neophytensäcke sowie für deren Entsorgung werden vom Kanton und den Abfallverbänden übernommen.

Die Neophytensäcke sind kostenlos bei der Stadtverwaltung Sursee, Bereich Bau und Unterhalt (Stadtbauamt) an der Centralstrasse 9 erhältlich.

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