Zwangsmassnahmen: Bewegender Auftakt zur Aufarbeitung
Als Pilotgemeinde setzt sich Stäfa systematisch mit dem Leid Betroffener von Zwangsmassnahmen auseinander. Ein Kredit von 300'000 Franken sichert das Projekt.

Die Veranstaltung «Zeichen der Erinnerung» vom 27. Mai 2026 im Gemeindesaal Obstgarten stiess mit rund 200 Besucherinnen und Besuchern auf grosses Interesse, berichtet die Gemeinde Stäfa. Der Anlass fand im Rahmen des zürcherischen Projekts zu den fürsorgerisch begründeten Zwangsmassnahmen statt, an dem sich Stäfa als Pilotgemeinde beteiligt.
«Wir anerkennen damit das Leid und Unrecht, das viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis tief in das 20. Jahrhundert hinein in der Schweiz und damit auch in Stäfa im Namen staatlicher Fürsorge erleben mussten. Wir würdigen die Menschen und ihre Geschichten. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Sie sind uns wichtig», sagte Gemeindepräsident Christian Haltner in seiner Begrüssungsrede.
Mit der Veranstaltung unterstreicht die Gemeinde Stäfa ihren Willen, sich mit diesem Teil ihrer Geschichte auseinanderzusetzen und die Erfahrungen der Betroffenen sichtbar zu machen.
Aufarbeitung als gemeinsamer Prozess
Die Gemeinde Stäfa arbeitet ihre Rolle im Zusammenhang mit den fürsorgerisch begründeten Zwangsmassnahmen systematisch auf. Die Gemeindeversammlung hat im Juni 2024 dafür einen Kredit von 300'000 Franken gesprochen.
Die Mittel dienen der historischen Aufarbeitung, der wissenschaftlichen Untersuchung sowie der öffentlichen Vermittlung der Ergebnisse. Regierungsrätin Jacqueline Fehr würdigte dieses Engagement in ihrem Grusswort ausdrücklich.
Beat Gnädinger, Staatsarchivar des Kantons Zürich, informierte in seinem Referat über die Hintergründe und aktuellen Entwicklungen bei der Aufarbeitung der fürsorgerisch begründeten Zwangsmassnahmen. Alena Blättler und David Kobelt vom Projektteam zeigten am Beispiel des Bürgerheims Stäfa auf, wie das Projekt «Zeichen der Erinnerung» arbeitet.
Schicksale werden greifbar
Besonders eindrücklich waren die szenischen Lesungen des stattTheaters Stäfa. Basierend auf historischen Archivakten machten sie Schicksale und Erfahrungen von Betroffenen aus der damaligen Zeit für das Publikum greifbar.
Gemeindepräsident Christian Haltner sagt nach der Veranstaltung: «Der grosse Zuspruch zeigt, dass das Bedürfnis nach einer offenen und ehrlichen Auseinandersetzung mit diesem Kapitel unserer Geschichte vorhanden ist. Gleichzeitig wurde deutlich: Der Anlass war nicht der Abschluss, sondern erst der Anfang dieses Prozesses. Die Menschen, die fürsorgerisch begründete Zwangsmassnahmen erleben mussten, tragen die Folgen oft ein Leben lang mit sich. Auch deshalb müssen wir uns diesen Geschichten stellen und den Dialog weiterführen.»









