La Punt Chamues-ch GR: Umfahrung, Bahn, InnHub – vier Grossprojekte im Dorf
Die Gemeinde La Punt Chamues-ch GR hat die Bevölkerung im August 2026 über die Umfahrung H27, den RhB-Ausbau, den InnHub und die Gewässer-Revitalisierung orientiert.

Die Gemeinde La Punt Chamuesch hat die Bevölkerung im August 2026 an einem Informationsanlass über die vier grossen Bauprojekte orientiert: die Umfahrungsstrasse H27, den Ausbau der Rhätischen Bahn (RhB), den InnHub La Punt und die Revitalisierung von Inn und Chamuerabach. Gemeindepräsident Peter Tomaschett begrüsste die Anwesenden, Johanna Zeller führte durch den Abend und die Projektverantwortlichen stellten den aktuellen Stand vor und beantworteten Fragen aus der Bevölkerung.
«Es sind Projekte, die La Punt Chamuesch in den kommenden Jahren stark prägen werden und für unsere Gemeinde von grosser Bedeutung sind.», sagte Tomaschett zur Eröffnung.
Umfahrung H27: Tunnel und neue Innbrücke
Der rund 580 Meter lange Tunnel La Punt, davon 460 Meter im bergmännischen Vortrieb, bilden das Herzstück. Dazu kommen ein Halbanschluss auf der Bever-Seite, ein neuer Kreisel mit Vollanschluss auf der Madulain-Seite sowie eine neue, rund 60 Meter lange Innbrücke, die das Strassenprovisorium aus den 1980er-Jahren ersetzt. Auf der Baustelle waren dieses Jahr nur wenige Fortschritte erkennbar, jedoch wurde laut Simeon die Ausführungsprojektierung auf Hochtouren im Hintergrund durchgeführt.
Für das Jahr 2026 sind Sondierbohrungen, ein Grundwasser-Absenkversuch und der Neubau einer gemeindeeigenen Abwasserleitung geplant. Der Beginn des Tunnelbaus ist für 2028 geplant, und die Eröffnung der Umfahrung ist für 2033 vorgesehen. Von den rund 90 000 Kubikmetern Aushub- und Ausbruchmaterial werden 20 000 bis 30 000 Kubikmeter direkt vor Ort für Strassenschüttungen wiederverwendet.
RhB: Neues Bahntrasse ebnet Weg für Halbstundentakt
Dr. Renato Fasciati, Direktor der Rhätischen Bahn, gab eine Erläuterung zum RhB-Projekt zwischen Bever und La Punt. Die rund 1,9 km lange, begradigte Strecke mit der neuen Brücke Funtauna Merla und rund 18 Kleintierdurchlässen wird künftig eine Geschwindigkeitserhöhung auf 120 km/h ermöglichen, was die Fahrzeit zwischen La Punt Chamuesch und Bever reduzieren und Angebotserweiterungen ermöglichen wird. Die öffentliche Auflage im Januar/Februar 2026 verlief erfreulicherweise ohne nennenswerte Einwände.
Die Bauarbeiten sollen im März 2027 beginnen und die Inbetriebnahme der neuen Linienführung ist für Mai 2029 vorgesehen. Die Kosten von rund CHF 23 Millionen (Genauigkeit ±25%, davon CHF 1,6 Millionen bereits investiert) werden zu 100 Prozent vom Bahninfrastrukturfonds getragen. «Diese neue Linienführung eröffnet die Möglichkeit für ein kleines, aber wirkungsvolles neues Angebot: den Oberengadin-Shuttle, der La Punt Chamuesch und die weiteren Gemeinden der Plaiv praktisch in alle Richtungen an den Halbstundentakt anschliessen könnte», sagte Fasciati.
Der durchgehende Zug Zuoz– Madulain–La Punt–Bever–Samedan–Celerina–St. Moritz wird La Punt künftig einen Halbstundentakt Richtung Landquart bieten, eine direkte Verbindung und den Halbstundentakt nach St. Moritz sowie ideale Anschlüsse Richtung Albula, Bernina und Unterengadin ermöglichen. Darüber hinaus plant die RhB den behindertengerechten Umbau des Bahnhofs La Punt Chamuesch, dessen Fertigstellung für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen ist.
InnHub La Punt: Die Bauarbeiten schreiten planmässig voran – Eröffnung im Winter 2028/29
Der InnHub La Punt nimmt zunehmend Gestalt an: Der Rohbau des ersten Hauses ist bereits abgeschlossen, und auch weite Teile der Tiefgarage und der Bodenplatte sind erstellt. Bis Ende Jahr sollen die charakteristischen Holzkuppeln montiert sein. Gleichzeitig ist das Projekt stark in der Region verankert: Bis zu 80 Prozent der beteiligten Baufirmen und Fachleute stammen aus der Umgebung, ebenso kommt das verwendete Holz aus den umliegenden Wäldern und wird lokal verarbeitet.
«Wir sind stolz darauf, Teil der Entwicklung von La Punt zu sein», sagt Jon Erni, Initiant und Mitglied des Verwaltungsrats. «Hier entsteht nicht nur ein Gebäude, sondern ein Ort der Begegnung für alle, ein Wahrzeichen, das weit über La Punt hinausstrahlen wird. Während andere wichtige Projekte die Infrastruktur stärken, leisten wir einen Beitrag zur Lebendigkeit des Dorfes und schaffen neue Arbeitsplätze.»
Nach der Winterpause verlagern sich die Bauarbeiten 2027 auf die Nordseite, bevor 2028 der Innenausbau folgt. Die Eröffnung des InnHub La Punt ist für den Winter 2028/29 geplant.
Revitalisierung: Neues Leben für Inn und Chamuerabach
Rolf Eichenberger, Experte für Wasserbau bei der AUIN AG, präsentierte das Revitalisierungsprojekt. Die heute kanalisierten Gewässer stammen aus der Innkorrektion vor rund 80 (Inn) beziehungsweise 100 Jahren (Chamuerabach) und durchschneiden eine national bedeutende Auenlandschaft. Das Kernstück des Projekts stellt die rund 2,5 km lange Inn-Revitalisierung dar, die an die bereits umgesetzte Revitalisierung in Bever anschliesst.
Darüber hinaus ist die Revitalisierung des Chamuerabachs auf 900 Metern vorgesehen. Die Kantonsstrasse wird entlang der Bahnlinie verlegt, wodurch die Talebene für die Gewässer und die landwirtschaftliche Nutzung freigestellt werden kann. Die alten Trassen werden in diesem Zusammenhang einer Rekultivierung unterzogen und anschliessend der Natur und Landwirtschaft wieder zur Verfügung gestellt.
In dem Bestreben, die Fischwanderung vom Inn in den Chamuerabach wieder herzustellen, wird das Gewässer neu geführt. Die beiden Brücken Saletschas und Müsella werden neu gebaut und bei letzterer die Hochwassersicherheit optimiert. Der Erholungsraum Lejet da Saletschas wird aufgewertet und die Mündung des Chamuerabachs terrassiert gestaltet.
Die Hochwasserschutzdämme werden auf die neusten Schutzvorgaben ausgelegt. Die Gesamtkosten des kombinierten Vorhabens belaufen sich auf rund 112,9 Millionen Schweizer Franken. Davon beträgt der Anteil der RhB ca. 30 Millionen.
Die Kosten der Revitalisierung inkl. erforderlicher Ersatzvorkehrungen belaufen sich auf ca. 78 Millionen.
Die Finanzierung der Revitalisierung erfolgt zu 80 Prozent durch den Bund und zu 20 Prozent durch die Gemeinde, den Kanton und den Naturemade-Star-Fonds des EWZ. «Dass ein Projekt dieser Grössenordnung ohne eine einzige Einsprache durchs kantonale Verfahren kam, zeigt, wie stark es von Anfang an gemeinsam mit Landwirtschaft, Tourismus, Gemeinden, Kanton, Umweltschutzorganisationen und Bevölkerung entwickelt wurde», sagte Eichenberger. Die Genehmigung durch den Bund wird im November 2026 erwartet, der Baubeginn ist im Frühjahr 2027 geplant und die Bauphase wird voraussichtlich bis 2033 andauern.










