St. Gallen: 160 Jugendliche denken den öffentlichen Verkehr neu

An der eBusiness Challenge der OST in St. Gallen entwickelten 160 Jugendliche ÖV-Ideen – von Nachtbussen mit Betten bis zu Rabatten für Stehplätze.

St. Gallen
Blick auf die Stadt St. Gallen (Symbolbild) - Nau.ch / Simone Imhof

Mit Freunden spontan an ein Festival fahren, unterwegs flexibel die Route wechseln oder verschiedene Verkehrsmittel unkompliziert miteinander verbinden: Die Erwartungen an Mobilität verändern sich. Besonders junge Menschen wünschen sich Angebote, die einfach, schnell und intuitiv funktionieren. Mobilität soll sich nahtlos in ihren Alltag einfügen, bezahlbar sein und gleichzeitig Ansprüche an Sicherheit und Nachhaltigkeit erfüllen.

Diese Ausgangslage stand im Zentrum der «eBusiness Challenge 2026» an der OST – Ostschweizer Fachhochschule. Der eintägige Wettbewerb zur Förderung des Ostschweizer IT-Nachwuchses forderte die 160 Teilnehmenden von Ostschweizer Gymnasien, Mittel- und Berufsschulen dazu auf, den öffentlichen Verkehr konsequent aus der Perspektive ihrer Generation zu betrachten. In Teams untersuchten sie, welche Angebote heute fehlen, was Mobilität attraktiv und vertrauenswürdig macht und welche Rolle digitale Dienstleistungen, flexible Tarife, Nachhaltigkeit, Sicherheit und gemeinschaftliche Erlebnisse spielen.

Junge Ideen für die Mobilität von Morgen

«Wer junge Menschen langfristig für den öffentlichen Verkehr gewinnen will, muss ihre Lebenswelt und ihre Erwartungen verstehen. Die eBusiness Challenge gab ihnen die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen einzubringen und neue Lösungen für eine zeitgemässe Mobilität zu entwickeln», sagte Michel Pfirter, Geschäftsführer des Tarifverbunds OSTWIND. OSTWIND unterstützte den Wettbewerb als Themensponsor.

Die Aufgabe berührte grundlegende Veränderungen im Mobilitätsbereich: Die Bedürfnisse der Reisenden werden individueller, neue Angebote kommen auf den Markt und digitale Plattformen beeinflussen, wie Reisen geplant, gebucht und bezahlt werden. Gerade für junge Menschen zählt deshalb längst nicht mehr nur die Verbindung von A nach B. Sie vergleichen Mobilitätsangebote auch mit den digitalen Anwendungen, die sie aus anderen Lebensbereichen kennen.

Innerhalb eines Tages entwickelten die Teams ihre Ideen zu konkreten Konzepten weiter und präsentierten diese einer Jury. Dabei verbanden sie Kreativität mit Kenntnissen aus Informatik, Digitalisierung und Wirtschaft. Gefragt waren sowohl kleine, rasch umsetzbare Verbesserungen als auch mutige Ansätze, die bestehende Angebote grundsätzlich neu denken.

Neue Ideen für den öffentlichen Verkehr

Entwickelt wurden zum Beispiel ein automatischer Preisnachlass für Stehtickets, verschiedene Formen von Bonuspunktesystemen für die ÖV-Nutzung oder die Anpassung von Schul- und Arbeitszeiten, um Stosszeiten im öffentlichen Verkehr zu umgehen. Weiter entwarfen die Teilnehmenden Konzepte für eine Übersicht der freien Sitzplätze im Zug, verschiedene Zonen in Zugwagons (z.B. Zonen für konzentriertes Arbeiten oder solche für Telefonate) oder Nachtbusse mit Betten.

«Die eBusiness Challenge zeigte, wie viel Innovationskraft im Ostschweizer Nachwuchs steckt. Die 160 Teilnehmenden arbeiteten an einer realen Fragestellung und erlebten unmittelbar, wie aus einer ersten Idee ein überzeugendes Konzept entstehen kann», erklärte Sebastian Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IPM Institut für Informations- und Prozessmanagement und Projektleiter der «eBusiness Challenge».

Zum Abschluss wurden die besten Ideen ausgezeichnet. Die Mitglieder der drei Siegerteams erhielten 4-Tages-Pässe für das OpenAir St. Gallen. Die zwei besten Projekte aller 38 Gruppen präsentierten zwei Teams vom Berufsbildungszentrum Herisau.

Komplettiert wurde das Podest durch ein Team der Kantonsschule am Brühl aus St. Gallen.

Innovative Lösungen als Wettbewerb

Die «eBusiness Challenge» findet seit 2008 statt. Dieser eintägige Wettbewerb ermöglicht es jungen Erwachsenen, sich mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler von Berufsfachschulen und Mittelschulen entwickeln in Gruppen von drei bis fünf Personen innovative Lösungen zu einer vom Themensponsor vorgegebenen Aufgabestellung – in diesem Jahr war dies der Tarifverbund Ostwind mit dem Thema «Ride the Future – öffentlicher Verkehr neu gedacht».

Gefördert wird die «eBusiness Challenge» von der Beisheim-Stiftung und der Metrohm-Stiftung. Zu den Sponsoren gehören Abacus, Abraxas, Egeli Informatik und Raiffeisen. Partner ist der Verein IT Rockt St. Gallen. Weitere Informationen: ost.ch/ebc

OSTWIND – ein Tarifverbund von rund 25 verschiedenen Transportunternehmen

Der Tarifverbund OSTWIND ist der flächenmässig grösste Tarifverbund der Schweiz und erstreckt sich über die Kantone St. Gallen, Thurgau, beide Appenzell, Glarus, Schaffhausen, den Bezirk March im Kanton Schwyz sowie das Fürstentum Liechtenstein. In diesem weitläufigen Gebiet fasst der Verbund das Angebot von rund 25 verschiedenen Transportunternehmen – darunter Bahnbetriebe wie die SBB, Thurbo und die SOB sowie zahlreiche regionale Buslinien – in einem einzigen, einheitlichen Zonentarif zusammen. Das bedeutet für die Fahrgäste, dass sie für eine Reise mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln nur noch ein einziges Ticket benötigen.

Die Abrechnung erfolgt dabei nicht nach den zurückgelegten Kilometern, sondern nach der Anzahl der durchfahrenen Tarifzonen. Innerhalb dieser gelösten Zonen und der zeitlichen Gültigkeit des Tickets können alle Züge und Busse beliebig oft genutzt werden. Das Sortiment reicht von Einzelfahrten und Tageskarten für Gelegenheitsreisende bis hin zu Monats- und Jahresabonnementen für Pendler, ergänzt durch Spezialangebote wie die vergünstigte 9-Uhr-Tageskarte für den Freizeitverkehr.

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