Natur

    Ostschweizer Fachhochschule: Mehr Natur im Garten könnte den Hauswert steigern

    Eine Vorstudie der OST – Ostschweizer Fachhochschule untersucht, wie sich Biodiversität bei Wohnhäusern messen lässt. Sie könnte künftig bei Hypotheken zählen.

    Ostschweizer Fachhochschule
    Mehr Natur im Garten könnte den Hauswert steigern (Symbolbild) - Unsplash

    Eine Studie der OST – Ostschweizer Fachhochschule untersucht, wie Biodiversität bei Ein- und Mehrfamilienhäusern messbar und für den Immobilienmarkt nutzbar werden kann. Die Vorstudie verbindet ökologische Massnahmen auf einzelnen Grundstücken mit Bewertungsverfahren, Gebäudelabels und möglichen Finanzierungsanreizen.

    Eine Blumenwiese summt, ein Baum spendet Schatten, Regenwasser versickert zwischen Pflastersteinen. An der Fassade ranken Pflanzen, unter dem Dach finden Vögel einen Nistplatz. Was nach einem idyllischen Garten klingt, könnte für eine Wohnliegenschaft künftig auch wirtschaftlich interessant sein.

    Denn Biodiversität schafft nicht nur Lebensräume: Sie mindert Hitze, hält Regenwasser zurück und steigert die Aufenthaltsqualität.

    Bei der Nachhaltigkeit von Gebäuden stehen nach wie vor Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen im Zentrum. Dafür gibt es Standards, Förderprogramme und grüne Hypotheken. Die Biodiversität spielt bei privaten Wohnliegenschaften hingegen noch kaum eine Rolle.

    Eine Vorstudie des IFL Institut für Finance und Law und des ILF Institut für Landschaft und Freiraum der OST – Ostschweizer Fachhochschule untersucht gemeinsam mit Minergie, wie sich das ändern könnte.

    Ökologische Qualität im Immobilienmarkt berücksichtigen

    Neuartig ist die Verbindung verschiedener Perspektiven: Die Studie führt ökologische, immobilienwirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Ansätze zusammen und berücksichtigt dabei unterschiedliche Sichtweisen von Akteuren, insbesondere jene von Gartenbau-Fachpersonen sowie Immobilienmaklerinnen und -maklern. Die Forschenden betrachten nicht ganze Quartiere oder grosse Areale, sondern einzelne Ein- und Mehrfamilienhäuser mit ihren Gärten, Aussenräumen, Dächern und Fassaden. Gleichzeitig verknüpfen sie konkrete ökologische Massnahmen mit Bewertungsinstrumenten, Gebäudelabels sowie Anreizsystemen.

    Damit zeigen sie auch, unter welchen Voraussetzungen die ökologische Qualität einer Liegenschaft künftig beispielsweise bei der Vergabe von Hypotheken berücksichtigt werden könnte. «Die Vorstudie zeigt, welche Ansätze zur Förderung und Bewertung von Biodiversität auf der Ebene einzelner Wohnliegenschaften bereits bestehen und wo noch Lücken vorhanden sind», sagt Sabrina Graf, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IFL Institut für Finance und Law. «Damit schaffen wir eine Grundlage, um mögliche Anwendungen in Zertifizierungs- oder Finanzierungsprozessen weiter zu untersuchen.»

    Das Potenzial beginnt direkt vor der Haustür. Wo zuvor eine versiegelte Fläche lag, kann Wasser wieder in den Boden gelangen. Einheimische Sträucher bieten Nahrung und Schutz, Ast- und Steinhaufen werden zu kleinen Lebensräumen.

    Selbst Dächer und Fassaden lassen sich ökologisch aufwerten. Entscheidend sind eine standortgerechte Planung und die langfristige Pflege. «Auch kleine Flächen können in ihrer Summe einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität im Siedlungsraum leisten», erklärt Prof. Dr. Christoph Küffer, Professor für Siedlungsökologie am ILF Institut für Landschaft und Freiraum.

    «Besonders attraktiv sind Massnahmen, die mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Sie fördern die Artenvielfalt, mindern Hitze, halten Regenwasser zurück und erhöhen die Aufenthaltsqualität.»

    Die Forschenden verglichen Instrumente wie BioValues für Neubauprojekte, den gARTENreich-Selbsttest für Privatgärten, den Verto Zonenrechner und das Zertifikat «Garten der Zukunft». Auch Minergie-ECO und weitere Gebäudestandards berücksichtigen Biodiversität. Noch fehlt jedoch ein breit etabliertes, einfach anwendbares und klar biodiversitätsorientiertes Bewertungssystem für private Wohngebäude.

    Marktpotenzial für Grünräume

    In den Praxisinterviews zeigt sich ein gemischtes Bild. Gartenbau-Fachpersonen berichten von einer steigenden Nachfrage nach naturnahen Gestaltungen. Immobilienmaklerinnen und -makler erleben Biodiversität dagegen noch selten als eigenständiges Verkaufsargument. Gut vermitteln lassen sich vor allem sicht- und spürbare Vorteile: ein schattiger Garten, angenehmere Temperaturen oder ein attraktiver Aussenraum.

    Darin liegt das Marktpotenzial. Untersuchungen zeigen, dass Grünräume im Wohnumfeld Immobilienpreise positiv beeinflussen können. Ein direkter Preiseffekt biodiversitätsfreundlicher Grundstücke ist noch nicht belegt.

    Mit zunehmender Hitzebelastung, knapper werdenden Erholungsräumen und steigenden regulatorischen Anforderungen dürfte die ökologische Qualität einer Liegenschaft jedoch wichtiger werden. «Biodiversität ist heute noch kein eigenständiger Marktstandard, sie kann aber zu einem Differenzierungsmerkmal werden», sagt Sabrina Graf vom IFL. «Banken, Gebäudelabels und Immobilienunternehmen haben die Chance, frühzeitig Kompetenzen aufzubauen und neue Angebote zu entwickeln.»

    Als nächsten Schritt empfiehlt die Vorstudie einen marktfähigen Bewertungsansatz, der bestehende Instrumente zusammenführt. Einfach verständliche Nachweise könnten Eigentümerinnen und Eigentümer bei der Planung unterstützen und künftig von Banken oder Gebäudelabels anerkannt werden. Dann wäre die summende Blumenwiese nicht nur ein Gewinn für Pflanzen, Tiere und Menschen, sondern auch ein messbares Qualitätsmerkmal der Immobilie.

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