Michael Breu (Grüne): «Natur zahlt für unsere Knallerei»
Feuerwerk sorgt für eine kurze Freude, belastet aber Tiere und Natur. Michael Breu von den Grünen St. Gallen fordert Einschränkungen für private Knallereien.

Für Wildtiere ist der Jahreswechsel kein Fest. Wenn Raketen zischen und Böller explodieren, wird ihr Lebensraum zur Gefahrenzone. Vögel verlassen ihre Schlafplätze, fliegen auf und verbrauchen Energie, die sie im Winter dringend brauchen.
Eine Studie des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie zeigt: Gänse fliegen in Silvesternächten deutlich weiter und höher als üblich. Die Folgen reichen über die Nacht hinaus. Unser Spass stört ihren Rhythmus nachhaltig.
Auch Heim- und Nutztiere erschrecken durch die plötzlichen Knalle. Während Menschen entscheiden können, ob sie mitfeiern, haben Tiere keine Wahl. Wildtiere können weder Fenster schliessen noch in ein ruhiges Ferienquartier ausweichen. Rücksicht darf deshalb keine freiwillige Zugabe sein, die beim ersten Böller vergessen geht.
Die Belastung endet nicht mit dem letzten Knall. Laut Bundesamt für Umwelt setzt Feuerwerk in der Schweiz jährlich 200 bis 400 Tonnen Feinstaub frei. Das entspricht zwei bis drei Prozent der jährlichen Feinstaubemissionen.
Die Partikel gelangen auch in Böden und Gewässer. Für wenige festliche Stunden nehmen wir eine zusätzliche, vermeidbare Verschmutzung in Kauf. Dass andere Quellen ebenfalls die Umwelt belasten, macht diese Emissionen keinen Deut vernünftiger.

Dazu kommen ausgebrannte Hülsen und Verpackungsreste auf Strassen, Wiesen und Feldern. Die Initianten beziffern den jährlichen Feuerwerksabfall auf rund 1300 Tonnen. Aufräumen müssen auch jene, die keine einzige Rakete gezündet haben. Wer seinen Garten sauber hält, aber die Reste seines Vergnügens auf fremden Flächen liegen lässt, handelt rücksichtslos.
«Tradition» genügt als Rechtfertigung längst nicht mehr. Gerade wer unsere Heimat feiern will, sollte ihre Tiere, ihre Luft und ihre Gewässer schützen – und nicht Feuerwerk aus China verpulvern. Gemeinschaft entsteht durch Begegnungen, Musik und gemeinsames Feiern. Dafür braucht es keine Explosionen über unseren Köpfen.
Die Feuerwerksinitiative verdient deshalb ein Ja. Sie verbietet lärmerzeugende Feuerwerkskörper und ermöglicht kantonale Ausnahmen für Anlässe von überregionaler Bedeutung. Ein solcher Schritt ist überfällig. Die Freiheit, einen Böller zu zünden, wiegt für mich weniger als der Schutz unserer Mitwelt.
Zum Autor
Michael Breu ist Umweltwissenschaftler und Co-Präsident Grüne Stadt und Region St. Gallen.










