Stimme aus der Session: Die grüne Kantonsrätin Marlene Fischer erklärt im Gastbeitrag, wie sich der Kanton Solothurn auf eine Strommangellage vorbereitet.
Veganuary Marlene Fischer
Umweltwissenschaftlerin Marlene Fischer (GRÜNE). - zVg

Aktuell befinden wir uns in der dritten Session im Kantonsrat in Solothurn dieses Jahr. Als Kantonsrätin vertrete ich die Grünen im Rat. Im Rathaus diskutieren wir politische Geschäfte. Zum Beispiel, wie sich der Kanton Solothurn auf eine Strommangellage vorbereitet.

Bei einer Strommangellage steht tage-, wochen- oder sogar monatelang zu wenig Strom zur Verfügung. Weil ab 2025 70 Prozent des EU-Stromhandels für EU-Länder reserviert ist, stellt die Strommangellage in Zukunft ein substantielles Risiko dar. Auf diese Herausforderung müssen wir uns auch im Kanton Solothurn vorbereiten.

Rüstung für den Ernstfall

Die Vorbereitung auf eine Strommangellage ist dabei zu vergleichen mit der Vorbereitung auf eine Lawine bei einer Skitour: Man muss für den Ernstfall gerüstet sein und einen funktionierenden Notfallplan haben. Am wichtigsten ist es aber, dass man durch eine vorausschauende Planung gar nicht erst in eine Lawine (und bei der Energieversorgung in eine Strommangellage) kommt.

Dazu muss im Kanton Solothurn beim Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion vom Skitouren- aufs Abfahrtstempo gewechselt werden. In einer Zeit, in der die Schweiz Öl- und Gas aus Europa importiert, fühle ich mich ohnmächtig, wenn ich bei meiner Zugfahrt in den Kantonsrat auf den wenigsten Dächern eine Solaranlage sehe und kein einziges Windrad. Wir brauchen endlich auf jedem geeigneten Dach eine Solaranlage und frischen Wind für unsere Windparks.

Wir müssen aber nicht nur mehr erneuerbaren Strom produzieren, sondern auch weniger verbrauchen. Dazu müssen wir Energiesparmassnahmen politisch vorantreiben, wie die energetische Sanierung von Gebäuden. Zudem müssen wir dafür sorgen, dass klimafreundliches Handeln für Menschen und Unternehmen im Kanton zur attraktiveren Alternative wird.

Abhängigkeit von ausländischen Energielieferungen reduzieren

Für unsere grüne Energiezukunft brauchen wir aber auch innovative Stromnetze. Diese müssen lokale Stromüberschüsse und –Defizite ausgleichen. Beispielsweise, indem durch Ladeinfrastruktur Elektroautos als temporäre Energiespeicher genutzt werden. Oder in dem im Sommer mit Überschussstrom Wasserstoff produziert wird.

Wir Grünen verschliessen jedoch nicht aus «Energiewende-Euphorie» die Augen davor, dass wir uns kritisch mit der Versorgungssicherheit auseinandersetzen müssen. Dabei gefährden unsere zu starke Abhängigkeit von ausländischen Öl und Gas die Versorgungssicherheit genauso wie das gescheiterte Rahmenabkommen mit der EU.

Deshalb müssen wir politisch alles daran setzen, unsere einheimische erneuerbare Stromproduktion möglichst rasch auszubauen, unseren Energieverbrauch überall wo möglich zu senken und unsere Stromnetze fit zu machen für eine grüne Zukunft – in welcher der Strom gar nicht erst knapp wird.

Zur Autorin

Marlene Fischer aus Olten vertritt die Grünen im Kantonsrat Solothurn. Die Umweltwissenschaftlerin MSc ETH arbeitet in der Baubranche.

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