Historischer Schatz: Gemeinde übernimmt Röllin-Archiv
«Er hat gesehen, was andere übersehen haben»: Gemeindepräsident Christian Marty würdigte das Engagement Werner Röllins, dessen Archiv nun Wollerau verwaltet.

Es gibt Menschen, die im Alltag sehr bewusst innehalten und ausgewählte Augenblicke festhalten.
Dr. Werner Röllin aus Wollerau ist einer von ihnen. Wie die Gemeinde Wollerau schreibt, hielt der promovierte Historiker, Volkskundler, Kulturpreisträger und ehemalige Dozent mit scharfem Blick für das Besondere im Gewöhnlichen über Jahrzehnte fest, was andere übersahen. Vieles davon wäre ohne ihn längst in Vergessenheit geraten.
Bei der Übergabe seines Archivs erzählt der 87-Jährige lebhaft aus der Vergangenheit: Beispielsweise zu Taufbüchern, wo unter anderem er selber und Gemeindepräsident Christian Marty erwähnt sind, zu Flurnamen oder zu seinen eigenen Schriften.
Bereits 1951 erschien Werner Röllins erster Artikel im «Höfner Volksblatt».
Ein Archiv voller Dorfgeschichte
Was bereits in jungen Jahren als Leidenschaft begann, ist über die Jahrzehnte zu einem einzigartigen historischen Schatz angewachsen.
Diesen übergab Werner Röllin am Mittwoch, 18. März 2026, im Wollerauer Gemeindehaus in neue Hände: Dutzende Kartons mit Alben voller Fotografien, Dias, Bücher und Dokumente aus der jüngeren, aber auch älteren Vergangenheit von Wollerau und der näheren Region wechselten den Besitzer.
Die Unterlagen fesselten auch gleich die Aufmerksamkeit von Gemeindepräsident Christian Marty und Gemeindeschreiber Thomas Bollmann: Sie zeigten sich fasziniert ob der Vielfältigkeit des Materials und schauten sich Schriften und Dokumente genauer an.
Röllin wies darauf hin, dass er zu Hause sogar noch mehr Material habe, digitalisiert auf seinem Computer.
Als der Kreisel eine Kreuzung war
Röllins Fotos zeigen längst verschwundene Häuser, vergangene Feste, aber auch Landschaftsbilder, die so heute nicht mehr existieren.
«Vieles kennen die jungen Menschen – selbst diejenigen, welche hier geboren wurden – gar nicht mehr», so die einhellige Meinung am Übergabetermin. So erinnern heute nur noch Fotografien daran, wie die alte Kreuzung in Wollerau aussah. Dort, wo heute der Dorfkreisel steht. Gerade solch alltäglichen Momentaufnahmen machen den Wert des Röllin-Archivs aus.
Gemeindepräsident Christian Marty würdigte das Engagement des Historikers: «Werner Röllin hat mit einer bewundernswerten Geduld und einer stillen Faszination für den richtigen Augenblick gearbeitet.» Marty dankte Rölli ausführlich. «Er hat gesehen, was andere übersehen haben. Dieses Archiv ist ein Geschenk an unser Dorf, an seine Geschichte und an alle, die sich für ihre Wurzeln interessieren.»
Forschungsgrundlage wäre da
Über Jahrzehnte hinweg sammelte Werner Röllin akribisch Dokumente, Bilder und Texte. Für ihn sei das Sammeln zu einer Lebensaufgabe geworden, erzählt er. Auch künftig wolle er weiterhin Material zusammentragen.
Nach vielen Jahren als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Artikel verspüre er heute allerdings «keine Lust mehr», selber zu schreiben, sagte er mit einem Schmunzeln. Umso wichtiger sei es ihm gewesen, sein Archiv rechtzeitig in gute Hände zu übergeben.
Gleichzeitig machte er neugierig: Wer künftig über die Geschichte von Wollerau forschen wolle, finde in seinem Archiv nun eine hervorragende Grundlage.
Überraschende Kapitel der Regionalgeschichte
Zur Übergabe brachte Röllin auch einige seiner eigenen Werke mit. Darunter bekannte Titel, wie: «Umbruch im Brauchleben», «Der Märchler Rölli» oder «Höfner Sagen».
Auch kleinere Publikationen zeugen von Röllins thematischer Vielfalt. Etwa Hefte mit Titeln wie «Lausbuben- und Studentenstreiche» oder «Dorfskandal in Wollerau: Die illegale Exhumierung einer Selbstmörderin anno 1841».
Sie alle geben Einblick in spannende und teils überraschende Kapitel der Regionalgeschichte.
Eine Aufgabe für die Zukunft
Die schiere Menge des übergebenen Materials ist überwältigend für die Verantwortlichen der Gemeinde Wollerau, doch der Plan für das weitere Vorgehen ist fix: Das Archiv von Werner Röllin soll geordnet archiviert werden, damit es für die Aufarbeitung ausgewählter Themen genutzt werden kann.
Fotografien und Dias werden digitalisiert und sollen künftig teilweise auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Einen genauen Terminplan gibt es noch nicht.
«Aufgrund der riesigen Anzahl an Bildern wird dies noch etwas Zeit in Anspruch nehmen», sagt Gemeindeschreiber Thomas Bollmann. «Aber es ist eine wertvolle Investition in die kulturelle Zukunft unseres Dorfes.»
Röllins Werk bleibt erhalten
Die Gemeinde Wollerau dankt Werner Röllin herzlich für seine jahrzehntelange Hingabe und seine Grosszügigkeit.
Mit dieser Übergabe ist klar: Röllins Werk bleibt erhalten und mit ihm die Erinnerung an Tausende Augenblicke aus der Vergangenheit von Wollerau und Umgebung.






