Biel BE: Stadt will Material länger nutzen und Abfall vermeiden
Der Gemeinderat von Biel BE hat ein Grundlagenpapier zur Kreislaufwirtschaft genehmigt. Die Stadtverwaltung soll dabei eine Vorbildrolle übernehmen.

Die Stadt Biel will Materialien künftig länger nutzen, Wiederverwendung fördern und Abfälle reduzieren. Dazu hat die Stadt ein Grundlagenpapier Kreislaufwirtschaft mit konkreten Massnahmen erarbeitet. Mit der Genehmigung des Grundlagenpapiers setzt der Gemeinderat eine Forderung aus dem Parlament um.
Die Kreislaufwirtschaft gewinnt angesichts knapper Ressourcen, steigender Umweltbelastungen und des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Besonders relevant sind dabei graue Emissionen, die beispielsweise bei der Herstellung von Baustoffen, Geräten oder Konsumgütern entstehen. Die Stadt Biel will den Ressourcenverbrauch und die damit verbundenen CO 1/3 An die Medienvertreterinnen und -vertreter Stadtkanzlei Mühlebrücke 5 · 2501 Biel 2Emissionen reduzieren.
Zur konkreten Umsetzung hat sie ein Grundlagenpapier Kreislaufwirtschaft erarbeitet. Der Gemeinderat setzt damit eine Massnahme aus dem Legislaturprogramm 2025–2028 um und erfüllt gleichzeitig einen Auftrag des Stadtrats aus dem dringlichen überparteilichen Postulat 20'250'059 «Für einen effizienten Umgang mit Ressourcen».
Stadtverwaltung soll Vorbildrolle übernehmen
Die Stadt Biel hat eine wichtige Vorbildrolle und will Kreislaufprinzipien künftig verstärkt in ihre eigenen Tätigkeiten integrieren. Im Grundlagenpapier analysiert sie die Ausgangslage, die Relevanz und Vorteile der Kreislaufwirtschaft für die Stadt, definiert Ziele, Handlungsfelder und priorisiert Massnahmen. Als Vorbild ist der Ansatz bei verwaltungsinternen Hebeln naheliegend.
Dazu gehören insbesondere die öffentliche Beschaffung, Bauprojekte, Infrastrukturvorhaben oder der Umgang mit IT-Geräten. Das Grundlagenpapier beschreibt jedoch auch die mögliche Zusammenarbeit mit verschiedenen externen Akteuren für eine grössere Breitenwirkung.
Die Handlungsfelder Beschaffung, Hochbau, Liegenschaften (Finanzvermögen), Infrastruktur – Tiefbau, Stadtgärtnerei und Friedhöfe, Informatik und Ernährung beinhalten eine Würdigung der bereits implementierten Aktivitäten und Verbesserungsvorschläge. In den Massnahmen finden sich dazu konkret beschriebene Ansätze mit Zeit- und Kostenrahmen und Zuständigkeiten.
Ein konkretes Beispiel ist die stärkere Berücksichtigung von wiederverwendbaren oder reparierbaren Materialien bei Bauprojekten. Bei Beschaffungen soll ein Standard-Kriterienkatalog zur Kreislaufwirtschaft für Ausschreibungen entwickelt werden. Auf ausgewählten Flächen sollen künftig standortgerechte Bepflanzungen anstelle von saisonalem Wechselflor eingesetzt werden.
Material im Bau, aber auch städtisches Mobiliar soll sorgfältig inventarisiert und wiederverwendet werden.
Am Samstag, 5. September 2026, zeigt die Stadt anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums des Kongresshauses den Film «Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit» und lädt das Publikum anschliessend zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Kreislaufwirtschaft im Bauwesen ein.
Weitere Informationen: Veranstaltungshinweis der Stadt Biel
Thema sensibilisiert und entsprechende Kompetenzen aufgebaut werden.
Neuer Recyclinghof als wichtiger Baustein
Eine zentrale Rolle spielt der geplante neue Recyclinghof. Dieser soll künftig nicht nur der Entsorgung dienen, sondern auch einen Beitrag zur Wiederverwendung und hochwertigen Verwertung von Materialien leisten.
Im Rahmen der weiteren Projektentwicklung sollen zusätzliche Angebote und mögliche Synergien im Bereich Kreislaufwirtschaft geprüft werden.
Umsetzung erfolgt schrittweise
Das Grundlagenpapier wurde stadtintern unter Einbezug verschiedener Dienststellen und Abteilungen erarbeitet. Grundlage bildeten Analysen und Gespräche mit den zuständigen Fachbereichen. Daraus entstand ein Katalog mit prioritären Massnahmen und möglichen Pilotprojekten für die kommenden drei Jahre.
Die Dienststelle Logistik der Stadt wird beispielsweise in mehreren Projekten planen, wie städtische Geräte (z.B. Küchengeräte) einheitlich beschafft und in einem Poolsystem gemeinsam genutzt werden können, städtisches Mobiliar aktiv bewirtschaftet und Material im Besitz der Stadt repariert werden kann. Die Abteilung Tiefbau wird nächstes Jahr Projekte in Angriff nehmen, um den Recyclinganteil in Strassenbelägen zu erfassen und zu erhöhen und Randsteinlager und Grabenfüllmaterial aktiv zu bewirtschaften. Dies sind nur einige konkrete Beispiele der vielen Ansätze im Grundlagenpapier.
Über Fortschritte und Wirkung wird regelmässig berichtet. Vorgesehen sind eine jährliche interne Standortbestimmung sowie eine Berichterstattung im Geschäftsbericht der Stadt. Zusätzlich wird alle zwei Jahre ein übergeordneter Wirkungsbericht erstellt.
Dieser zeigt unter anderem auf, welche Massnahmen umgesetzt wurden, und welche Wirkung erzielt werden konnte.
Für einzelne Massnahmen, die zusätzliche finanzielle Mittel erfordern, werden dem Gemeinderat zu gegebener Zeit separate Anträge unterbreitet.
Die Stadt kann mit Bildungsangeboten, Anreizen und Kooperationen die Öffentlichkeit sensibilisieren und Hand bieten. Indem sie verwaltungsintern aktiv wird, geht sie mit gutem Beispiel voran und zeigt auf, was möglich ist.








