Forum in Biel BE: Kreislaufideen aus der Region
In Biel BE diskutierten 180 Fachleute über die Kreislaufwirtschaft – der Wandel hat erst begonnen und braucht Innovation und klare Rahmenbedingungen.

Rund 180 Fachleute trafen sich in Biel zum 4. Forum Kreislaufwirtschaft Bern. Deutlich wurde: Der Wandel hin zu zirkulären Wirtschaftsmodellen hat erst begonnen. Und er braucht Innovation, Zusammenarbeit und klare Rahmenbedingungen.
Zum Auftakt des 4. Forums Kreislaufwirtschaft Bern begrüssten François Gerber, CEO von Circular Economy Switzerland und Ingrid Kissling-Näf, Direktorin der BFH Wirtschaft, die rund 180 Teilnehmenden in Biel/Bienne – passend zweisprachig.
Stadtpräsidentin Glenda Gonzalez Bassi unterstrich die Symbolkraft des Austragungsortes: Biel stehe seit jeher für Innovation, von der Uhrenindustrie bis hin zu technologischen Entwicklungen.
Kreislaufwirtschaft sei heute keine Option mehr, sondern eine Verpflichtung und müsse deshalb früh vermittelt werden, etwa in den Schulen.
Auch Anita Joerg vom Switzerland Innovation Park betonte die Rolle von Forschung und Vernetzung: Die Standorte in der ganzen Schweiz sollen nachhaltige Lösungen für die Industrie vorantreiben.
Fabian Engel vom Handels- und Industrieverein Biel verwies auf die aktuellen globalen Unsicherheiten, die den Fokus auf regionale Wertschöpfung, kürzere Lieferketten und Kosteneffizienz lenkten. Gleichzeitig bleibe die Herausforderung bestehen: Solange neue Rohstoffe günstiger seien als recycelte, entschieden oft wirtschaftliche Zwänge.
Für Tobias Stucki, Professor an der Berner Fachhochschule, steht fest: Die Transformation steckt noch in den Anfängen, doch genau jetzt würden die Grundlagen für die Zukunft gelegt. Wie konkret diese aussehen können, zeigte die «Bern Upcycling Challenge», ein zentraler Programmpunkt des Forums.
Sechs Finalprojekte präsentierten innovative Ansätze, um Materialien im Kreislauf zu halten und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Drei davon wurden von einer Jury unter der Leitung von Saskia Günther, Group Head Sustainability bei Swisscom, ausgezeichnet und finanziell unterstützt.
Das Forum, organisiert von der Berner Fachhochschule Wirtschft, bot damit nicht nur Impulse aus Wirtschaft und Forschung, sondern auch Raum für Austausch und praxisnahe Lösungen. Ein Fazit zog sich durch alle Beiträge: Damit sich die Kreislaufwirtschaft durchsetzt, braucht es neben Innovation auch geeignete politische Rahmenbedingungen und eine gezielte Förderung auf Bundesebene.
Die Gewinnerprojekte der Upcycling-Challenge:
«Die ausgezeichneten Projekte zeigen, dass Kreislaufwirtschaft kein Zukunftskonzept mehr ist, sondern bereits heute wirtschaftlich tragfähig umgesetzt wird», erläutert Saskia Günther, Jurypräsidentin der Bern Upcycling Challenge. «Entscheidend ist: Diese Lösungen funktionieren nicht nur ökologisch, sondern auch am Markt.»
1. Platz: Tide Ocean
#tide® macht aus einem globalen Umweltproblem einen industriellen Rohstoff: Kunststoffabfälle aus Küstenregionen werden gesammelt, aufbereitet und zu hochwertigem Granulat verarbeitet, als Alternative zu neu produziertem Plastik.
Über 80 Unternehmen nutzen das Granulat bereits: darunter Berner Marken wie Certina, PB Swiss Tools, Meister und Spielhofer/Fleurolle. Zugleich schafft #tide® faire Arbeitsbedingungen vor Ort und verbindet Kreislaufwirtschaft mit sozialer Wirkung.

2. Platz: CAZ Cascara
CAZ Cascara holt ein bislang unterschätztes Nebenprodukt ins Rampenlicht und macht aus dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche ein natürlich koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk. Der Rohstoff, der sonst oft entsorgt wird und Methan verursacht, wird so sinnvoll genutzt.
Gleichzeitig erhalten Kaffeebäuerinnen und -bauern eine zusätzliche Einkommensquelle. Ein Produkt mit ökologischem, sozialem und wirtschaftlichem Impact.

3. Platz: Burgdorf ReWorks
Burgdorf ReWorks macht aus alten Textilien aus Hotellerie, Gastronomie und Residenzen neue, hochwertige Produkte und diese entstehen direkt in der Region. Statt Stoffe zu entsorgen, werden textile Restströme lokal weiterverarbeitet.
So entstehen langlebige Designprodukte, die Ressourcen sparen, Abfall reduzieren und die regionale Wertschöpfung stärken.





















