Die Bäckerei-Konditorei Aebersold ist ein Familienbetrieb in der dritten Generation, welcher dieses Jahr das 90-Jahr Jubiläum in der Altstadt von Murten feiert.
Bäckerei Aebersold
Das Verkaufsteam der Bäckerei Aebersold bedankt sich bei der Kundschaft für ihre Treue. - z.V.g

Ulrike Aebersold ist seit 1997 Geschäftsführerin der Bäckerei-Konditorei Aebersold und verantwortlich für den Verkauf, die ganze Administration und Organisation.

Die Bäckerei ist schweizweit bekannt für ihren einzigartigen Nidelkuchen, für den der Betrieb schon mehrfach Goldmedaillen an Qualitätswettbewerben gewonnen hat.

Im Interview mit Nau spricht Ulrike Aebersold über die Veränderungen in der Branche und weshalb der Beruf mehr Anerkennung verdient hat.

Bäckerei Aebersold
Ulrike Aebersold bedient die Kundschaft im Laden. - z.V.g.

Nau.ch: Seit wann gibt es die Bäckerei und wie hat sie sich während der Jahre entwickelt?

Die Bäckerei-Konditorei wurde 1931 von Ernst Aebersold gegründet. Schon der Gründer hat mit der Produktion von Nidelkuchen begonnen und das bekannte, einfache Nidelkuchen-Rezept abgewandelt, welches damals bereits in den Ofenhäusern der Region gebacken wurde.

Auf dieser Basis stellen wir noch heute den traditionellen Aebersold-Nidelkuchen her, der aus einem luftigen Weggliteig besteht und über den sich eine Caramelschicht zieht, die in fünf Arbeitsgängen auf den Kuchen aufgetragen wird.

In den 90 Jahren hat sich die Bäckerei Aebersold sehr gewandelt. Während in den ersten Jahrzehnten vor allem Brot und Kleingebäck nebst Nidelkuchen gebacken wurde, wurde im Lauf der Jahre das Sortiment weiter ausgebaut.

So kamen immer mehr verschiedene Kuchen und Brotsorten dazu, in den letzten 25 Jahren ergänzten Sandwiches, Salate und Dauerbackwaren wie z.B. Flûtes de Morat oder Buttersablés das Sortiment. Der Aebersold-Nidelkuchen wurde immer bekannter, weshalb wir täglich viel mehr Nidelkuchen herstellen als noch vor 50 Jahren.

Nau.ch: Weshalb schätzen die Leute der Region Ihre Bäckerei? Was zeichnet Sie aus?

Die Leute der Region schätzen besonders unsere gute Qualität aller Backwaren. Auch der freundliche Service wird von den Kunden sehr geschätzt, das Verkaufsteam freut sich auf jeden Besucher, die wir zum Teil schon seit vielen Jahren zu unserer treuen Kundschaft zählen dürfen.

Der einzigartige Nidelkuchen lockt Menschen aus nah und fern an und es ist jedes Mal wieder eine grosse Freude, ihr Strahlen zu sehen, wenn sie einen Nidelkuchen kaufen.

Nau.ch: Wie haben Sie die Coronapandemie erlebt? Hat sich Ihr Geschäft oder auch die Kundschaft verändert?

Für uns war die Coronapandemie anfangs sehr schwierig. Obwohl wir unseren Laden offenlassen durften, kamen viel weniger Leute zum Einkaufen. Erst nach und nach hat sich das wieder normalisiert.

Wir haben mittlerweile sogar neue Kunden gewonnen, da viele Leute das Einkaufen in kleinen Spezialgeschäften wieder neu entdeckt und schätzen gelernt haben. Auch haben sich die Kunden nun öfters etwas Feines zum Dessert gegönnt, weshalb die Nachfrage nach unserem Nidelkuchen in der Zeit wiederum gestiegen ist.

Nau.ch: Wie sieht Ihr Alltag aus und was schätzen Sie besonders an Ihrem Beruf? Was ist die grösste Herausforderung?

Der Alltag in einer Bäckerei sieht verschieden aus: Die Bäcker arbeiten nachts von drei Uhr morgens bis mittags, damit schon ab sechs Uhr frische Backwaren zum Verkauf bereit sind.

Die Verkäufer arbeiten in verschiedenen Schichten und teilen sich damit die langen Ladenöffnungszeiten von morgens 6 Uhr bis abends 18.30 Uhr.

Mein Alltag als Geschäftsführerin beginnt um 8 Uhr und endet meistens um 19 Uhr. Je nach Tag verkaufe ich im Laden, organisiere die Lieferungen oder Anlässe, kontrolliere, ob alle Bestellungen bereit sind oder in Vorbereitung, widme mich der Administration, wie Lieferscheine, Rechnungen, Buchhaltung, führe Mitarbeitergespräche und erledige, was sonst noch anfällt.

Bäckerei Aebersold
Der traditionelle Nidelkuchen ist über die Regionsgrenze aus bekannt. - z.V.g.

Die grösste Herausforderung in unserem Geschäft sind einerseits genügend qualifizierte Mitarbeitende zu finden und andererseits jeweils zu entscheiden, wie viel von welchen Backwaren produziert werden sollen.

Auch dass von den vielen Bestellungen, die wir täglich erhalten, keine vergessen geht und die Kunden zufrieden sind, benötigt organisatorisches Flair.

Nau.ch: Wie sieht es mit dem Nachwuchs in der Branche aus? Was würden Sie sich für die Zukunft der Schweizer Bäckereien wünschen?

Es ist eher schwierig, junge Leute für den Beruf des Bäcker-Konditors-Confiseurs zu begeistern, was vor allem an den Arbeitszeiten nachts und auch am Wochenende liegt.

Hingegen ist es ein sehr kreativer, vielseitiger Beruf, der einige Möglichkeiten bietet. Für die Zukunft der Schweizer Bäckereien wünsche ich mir, dass die Bäcker noch viel mehr auf ihren tollen und kreativen Beruf aufmerksam machen und die Leute im Allgemeinen wieder mehr erkennen und schätzen, was alles hinter diesem schönen Handwerk steckt.

Grundsätzlich darf das Handwerk jeglichen Berufs wieder mehr gewürdigt und wertgeschätzt werden. Viele Leute sind sich gar nicht mehr bewusst, was alles hinter einem Handwerksberuf steckt.

Ich denke, dass die Schweizer Bäckereien auch in Zukunft weiter bestehen werden, denn gutes Brot und andere Backwaren bereiten immer Freude.

Nau.ch: Welchen Berufstipp können Sie den Lesern noch mit auf den Weg geben?

Der Beruf des Bäcker-Konditors-Confiseurs ist ein sehr kreativer Beruf, bei dem man von Anfang bis Schluss das ganze Produkt mitverfolgen kann. Es ist schön zu sehen, wie aus Mehl, Wasser, Hefe und Salz ganz verschiedene Brote entstehen.

Und da kann jeder Bäcker seiner Fantasie freien Lauf lassen. Auch wenn die Arbeitszeiten etwas gewöhnungsbedürftig sind, so bieten sie auch Vorteile, beispielsweise dann frei zu haben, wenn andere arbeiten. Deshalb lohnt es sich, einmal den Blick hinter die Kulisse zu wagen.

Nau.ch: Sie haben das Schlusswort.

Den Aebersold-Nidelkuchen zu beschreiben, ist schwierig. Es lohnt sich, einmal einen Ausflug ins wunderschöne Städtli Murten zu machen, unter den Lauben zu flanieren und ein Stück Nidelkuchen zu geniessen.

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