Stadt Luzern

Mixed Reality belebt Haus im Freilichtmuseum Ballenberg

Hochschule Luzern
Hochschule Luzern

Luzern,

Dank Mixed Reality und künstlicher Intelligenz erwacht ein altes Haus aus Adelboden zum Leben. Ein Forschungsteam der HSLU macht Geschichte digital greifbar.

Freilichtmuseum Ballenberg
Ballenberg Haus BG: Wann haben Sie sich das letzte Mal mit einem Haus unterhalten? - Hochschule Luzern

Seit dieser Saison kommt im Freilichtmuseum Ballenberg ein Bauernhaus mit den Besuchenden ins Gespräch – dank Mixed Reality und künstlicher Intelligenz. Wie die Hochschule Luzern berichtet, steht im Haus aus Adelboden Technologie im Dienst von Kultur, Geschichte und Vermittlung.

Das Bauernhaus aus Adelboden steht seit 1969 im Freilichtmuseum Ballenberg, ganz real, aber nicht mehr genau so, wie zuletzt in Adelboden. Einiges wurde verändert, um das Haus in einem möglichst ursprünglichen Zustand zu zeigen.

So entfernte man beispielsweise diverse Anbauten aus dem 20. Jahrhundert, wozu auch eine kleine Gastwirtschaft gehörte. In dieser Saison werden die Geschichte und die Veränderungen des Hauses und seiner Nutzung jedoch auf andere Weise lebendig.

Dies dank Mixed Reality, einer Technologie, bei der physische und digitale Elemente miteinander verschmelzen. Es handelt sich dabei um ein Forschungsprojekt des Freilichtmuseums und der Hochschule Luzern (HSLU), in dem Museumsexpertise, Design, Kulturgeschichte und Informatik zusammenspielen.

Ein Gebäude und seine Geschichte beginnen zu sprechen

Der auf Augmented und Mixed Reality spezialisierte Designforscher Tobias Matter leitete das Gesamtprojekt. «Wir wollten die Möglichkeiten von Mixed Reality nutzen, um dieses Haus, das voller Geschichte und Geschichten steckt, für die Besuchenden lebendig werden zu lassen», sagt er.

Mit seinem Team zeichnete er verantwortlich für den Entstehungsprozess sowie für das visuelle und akustische Design der erlebnisorientierten Vermittlung. Das detaillierte Wissen um die Geschichte des Hauses kommt vom Kulturanthropologen und Architekten Stefan Kunz, der sich an der HSLU intensiv mit dem Thema Raum und Gesellschaft beschäftigt.

In seiner soeben erschienenen Dissertation «Zwischen bäuerlicher Tradition und touristischer Moderne» hat er die Geschichte der Menschen im Haus aus Adelboden im Kontext von Landschaft, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen detailliert aufgearbeitet.

Der Ofen erinnert sich

Nun können Besucherinnen und Besucher also zum Beispiel mit einem Tablet das «Gästebuch» scannen und dort das Bild des Ofens auswählen. Geht man dann zum realen Ofen, so erzählt der von seinen Erinnerungen an die Zeit, in der das Haus als Jugendherberge genutzt wurde – ab den 1920er-Jahren bot die Besitzerfamilie günstige Übernachtungen auf Stroh und Sacktüchern an.

Das Haus war somit das erste Massenlager in Adelboden und um 1930 offizielle Schweizer Jugendherberge mit Platz für etwa 30 Personen. Der Ofen hat seinen ganz eigenen Blick auf diese Zeit und ihre Übrigbleibsel – etwa die Namen, die Besuchende ins Holz der Wände und Decken eingeritzt haben.

Ein Gespräch mit dem ganzen Haus

Statt nur mit der Einrichtung kann man sich auch gleich mit dem ganzen Gebäude unterhalten, das auf Anfrage bereitwillig von seinem Bau, seiner wechselhaften Geschichte und derjenigen seiner Bewohnerinnen und Bewohner erzählt. Möglich macht das Gespräch ein Bot, den der KI-Forscher Ludovic Amruthalingam von der HSLU basierend auf der Dissertation von Stefan Kunz entwickelt hat.

«Mit diesem Buch hatten wir eine gute Grundlage, um ein Large Language Model über das Haus zu erstellen, das imstande ist, verschiedenste Fragen der Besuchenden zu beantworten. Spannend war es, ein Gefühl für das Haus zu entwickeln und zum Beispiel durch die Musik eine Stimmung zu vermitteln», sagt er.

Nun ist das Forschungsteam gespannt auf das Feedback der Besuchenden – und dieses wird nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern fliesst in die Weiterentwicklung ein. Wer jetzt also das Haus aus Adelboden besucht, kann auf diese Weise aktiv zum Forschungsprojekt beitragen.

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