Von der Schulbank ins Museum: Schulgeschichte wird lebendig
Ende Mai 2026 eröffnet das Schul-Schaulager Köniz: 500 Jahre Schweizer Schulgeschichte werden erlebbar, mit Sonderausstellung zu Migration.

Wie die Gemeinde Köniz informiert, ist das Schulmuseum Bern im Aufbruch. 500 Jahre Schweizer Schulgeschichte werden aus dem Archiv geholt und im neuen Depot für Kulturgüter der Gemeinde als Schul-Schaulager auf 1,6 Kilometer Laufweite zugänglich. Eröffnet wird Ende Mai.
Auf der Webseite des Schulmuseums Bern läuft der Countdown. Noch gut 100 Tage. Ein grosser Umzug ist im Gange: Derzeit werden rund 80'000 Objekte der Sammlung aus dem Archiv in ein öffentliches Schaulager in der Könizer Industrie- und Gewerbezone verbracht.
Das Schul-Schaulager Köniz wird am 30. Mai 2026 eröffnet. Es wird gross, hell und sehr modern.
Vom Schulzimmer zum Museum
Wem das historische Schulzimmer des Schulmuseums im Schloss Köniz bekannt ist, hat die Spitze des Eisbergs gesehen. Darunter schlummert bisher ein eindrückliches Archiv, das dank dem Lehrer Kurt Hofer (1944–2017) entstand, der mit Leidenschaft ein Leben lang schulisches Kulturgut sammelte, wertvolle und spannende – auch kuriose – Zeitzeugnisse.
Mit der Neuausrichtung wolle das Schulmuseum Bern diesen «Schatz» jetzt komplett sichtbar und erforschbar machen, erklärt Geschäftsführer Angelo Romano. «Köniz bekommt sein erstes Museum», sagt er.
Sonderausstellung zu Migration
Es ist ein Museum mit modernem innenarchitektonischem Konzept: Die hohen, weissen offenen Regale bilden Lager und Ausstellungsfläche zugleich. Diese Einrichtung berücksichtigt ein Zusammenspiel von Dauerausstellung und regelmässigen Sonderausstellungen.
Mit der Eröffnung startet die Sonderausstellung «Fremde Räume – Schule, Migration und die Welt». Dabei geht es um historische und aktuelle Migrationserfahrungen im Schulbereich.
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Seit 2024 wirkt der Kurator Angelo Romano fürs Schulmuseum. Gemeinsam mit dem Stiftungsrat hat er am Profil des Museums gefeilt: Das Schulmuseum Bern widmet sich explizit der Schule von gestern, heute und morgen.
Bewährtes wie das historische Schulzimmer werde natürlich nicht aufgegeben. Im Gegenteil, vielmehr werden Schwerpunkte gesetzt: Das Schul-Schaulager mit Sammlungsarbeit und Ausstellungen, die interaktive Historische Lernwelt im Schloss Köniz mit Workshops und ein nationales Kompetenzzentrum für die Schulgeschichtliche Forschung.
Ein Ort für «Oral History»
Angelo Romano sieht im Schul-Schaulager auch einen wertvollen Ort für «Oral History» (mündliche Geschichte). Das Schulmuseum Bern gäbe es in der Form nämlich nicht ohne seine rund 30 Freiwilligen, die das Archiv pflegen, Workshops und historische Schullektionen erteilen und den Umzug ins Museum mitbetreuen.
«Unsere Freiwilligen sind pensionierte Menschen aus Köniz und wissen viel von früher», betont er. Als Zeitzeug:innen geben sie Wissen weiter, das sei unschätzbar wertvoll.
Von wegen verstaubt
Schulmuseum – anfänglich klang das für die ehemalige Lehrerin Barbara Zoppi nach viel Staub. Sie suchte nach ihrer Pensionierung ein Projekt und entdeckte im Schulmuseum Bern das Erteilen von Workshops und historischen Schullektionen für sich.
Spannend, nicht staubig. Die historischen Theaterlektionen seien eigentlich Theaterlektionen, schmunzelt sie. Das Erlebnisangebot ist klar organisiert: «Wir bieten Lektionen im Stil der 20er bis 70er Jahre an.
Am Schluss gibt es ein Klassenfoto». Auch ein ganzes Klassenzimmer kann man übrigens per Container ausleihen.
Die Organisationsprofis
Etwas mehr Staub fiel vermutlich im Archiv an. Dort fühlt sich Magdalena Marino wohl. Sie prüft neu angekommene Objekte, sortiert, registriert und ordnet sie ein für den neuen Schul-Schaulager-Standort.
Neben ihr im Archiv wirkt auch Esther Scheuner, die das neue Ordnungssystem mit Schachteln lobt. 80 000 Objekte sollen komplett zugänglich werden, dafür müssen sie richtig gut geordnet und auffindbar sein.
Mit Herzblut und Pragmatismus entstauben die beiden ehemaligen Lehrerinnen das Archiv fürs neue Schaulager.
Offener Ort für alle
«Es ist wichtig und auch spannend zu wissen, was wir haben», sagt Esther Scheuner. «Wir haben viele Originale.» Und sie haben auch Lieblingsobjekte: «Für mich ist das Tellurium wahnsinnig faszinierend, weil es für mich etwas sinnlich begreifbar macht», sagt Barbara Zoppi.
Ein Highlight ist für Angelo Romano ein Buch übers Trockenschwimmen an einem Karussell. Zu entdecken gibt es Vieles: von Urgrossmutters Schulaufsatz im Originalheft über Kochbücher, Landkarten bis zu Morseapparaten und selbstgebauten Radioempfängern.
Anschauen, anfassen und ausprobieren: Das neue Schul-Schaulager eignet sich also für einen Ausflug mit der ganzen Familie. An der nächsten Berner Museumsnacht im März lädt das Museum erstmals zum Entdecken ein.
Zu Gast ist «Tabula Musica» mit einer interaktiven Klanginstallation für gemeinsames Musizieren. Alle Angebote an diesem Abend sind barrierefrei und für jedes Alter.






