Niederwangen BE: 122 Gräber aus dem Frühmittelalter – Buch zeigt die Funde
In Niederwangen BE legten Archäologen Siedlungsreste und 122 Gräber aus dem 6. bis 9. Jahrhundert frei. Am 10. September wird das Buch dazu vorgestellt.

In Niederwangen bei Köniz wurden Siedlungsreste eines Dorfes und über 120 Bestattungen aus dem Frühmittelalter ausgegraben. Die Funde sind in einem neuen Buch wissenschaftlich aufgearbeitet. Der Archäologische Dienst des Kantons Bern stellt die Publikation am 10. September in Köniz der Öffentlichkeit vor.
Bei Rettungsgrabungen von 1998 bis 2012 entdeckten Archäologinnen und Archäologen Siedlungsreste und Gräber aus dem 6. bis 9. Jahrhundert. Die Funde liefern bedeutende Erkenntnisse zur frühmittelalterlichen Besiedlung des Wangentals. Sie zeigen, dass seit der römischen Epoche wahrscheinlich fortwährend Menschen in Niederwangen lebten und die Geschichte des Orts sogar bis in die Bronzezeit zurückreicht.
Gräber mit reichen Funden
Für die Epoche vor dem Jahr 1000, dem Frühmittelalter, ist eine Siedlung mit den zugehörigen Gräbern ein seltener Fund. In Niederwangen lagen Wohngebiete, Werkbereiche und Begräbnisstätten nahe beieinander. Diese Kombination macht die Resultate wissenschaftlich besonders bedeutend.
Aus dem 6. bis 9. Jahrhundert sind zwei Gräberfelder mit 122 Körperbestattungen von Männern, Kindern oder Jugendlichen und wenigen Frauen bekannt. Ein Teil der Gräber lag in der Ruine eines römerzeitlichen Gebäudes. Einige der Toten trugen reich verzierte Gürtelschnallen, die typisch für die Mode der damaligen Zeit waren.
Sie zeigen meist feine Ornamente, darunter auch christlich zu deutende Kreuze.
Siedlung aus Holzhäusern
Die Siedlung in der Nähe der Gräberfelder ist nur zu einem kleinen Teil ausgegraben worden. Dennoch sind mehrere kleinere Holzhäuser rekonstruierbar, von denen bis in die heutige Zeit nur Gruben der Pfosten im Boden übriggeblieben sind. Sehr wahrscheinlich bestand die Siedlung auch nach 900 n. Chr. weiter.
Ein im Hochmittelalter angelegter Kalkbrennofen lässt vermuten, dass sich die Siedlung verlagert hatte und daraus das Dorf Niederwangen entstand.
Archäologische Spuren schreiben Geschichte der Region Bern
Für viele beginnt die Geschichte Berns mit der Gründung der Stadt im Jahre 1191. Tatsächlich gibt es nur ganz wenige schriftliche Dokumente über die Jahrhunderte davor. Archäologische Funde zeigen jedoch, dass die Zeit zwischen der römischen Epoche und der Stadtgründung nicht so finster war, wie man meinen könnte, und belegen, dass die Berner Geschichte viel weiter zurückreicht.
Aus dieser Epoche gibt es zwar viele Gräber. Archäologinnen und Archäologen haben aber bis heute wenige Dörfer entdeckt, weil oft Funde von alltäglichen Gebrauchswaren wie Keramikgefässen fehlen.
Das macht die Entdeckungen von Niederwangen umso bedeutender. Sie helfen dabei, die Geschichte der Menschen aus der Region Bern in neuem Licht zu schreiben.
Öffentliche Buchpräsentation
Am Donnerstag, 10. September 2026, 18.30 Uhr, findet im Oberstufenzentrum Köniz, die öffentliche Buchpräsentation statt. Mit Sibylle Birrer, Vorsteherin Amt für Kultur der Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Bern; Tanja Bauer, Gemeindepräsidentin von Köniz, und Adriano Boschetti, Leiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern und Kantonsarchäologe. Den thematischen Schwerpunkt der Veranstaltung bildet ein Vortrag der Hauptautorin Christiane Kissling.
Christiane Kissling et al., Niederwangen im 1. Jahrtausend. Römerzeitliche und mittelalterliche Siedlungsreste und Bestattungen. Hefte zur Archäologie im Kanton Bern 17 / Cahiers d’archéologie du canton de Berne 17. Bern 2026. 251 Seiten, 184 Abbildungen, Preis: 35 Franken zuzüglich Mehrwertsteuer und Versandkosten. ISBN 978-3-9526152-3-2.






