Atom-Endlager Lägern Nord: Die GLP Dielsdorf fordert die sichere Lagerung der Abfälle und das Festhalten am beschlossenen Atomausstieg.
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Hier wird ab 2050 radioaktiver Abfall entsorgt: Der Platz der Nagra-Tiefenbohrung in Stadel ZH. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/MICHAEL BUHOLZER
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Niemand will gemäss der GLP ein Atom-Endlager vor seiner Haustüre. Die Gemeinden von «Lägern Nord» hätten gerade erfahren, dass sie es bekommen sollen.

Jetzt ist laut der GLP der Bund in der Pflicht, die betroffenen Gemeinden maximal zu unterstützen und vorwärts zu machen mit dem Atomausstieg.

Eine Fortsetzung oder sogar der Ausbau der Atomenergieproduktion wäre ein Affront für die betroffene Bevölkerung.

Standortsuche dauerte 40 Jahre

Zudem würde es dem Bundesgesetz (EnG) gemäss der Abstimmung vom 21. Mai 2017 widersprechen.

Seit 40 Jahren würde in der Schweiz Atomstrom produziert und so lange habe es gebraucht, um einen Standort zu finden für die Endlagerung von hochradioaktiven Brennelementen.

Von diesen ginge eine unmittelbare Gefahr für Mensch und Umwelt aus und das für Hunderttausende von Jahren.

Radioaktivität sei krebserregend und schädige das Erbgut. Ein Endlager müsse also allerhöchste Anforderungen an eine sehr langfristige Sicherheit erfüllen.

Region bereits durch Flughafen belastet

Der gewählte Standort befindet sich laut GLP neben einem grossen Grundwasservorkommen, in einem stark bevölkerten Gebiet und in Flughafennähe.

«Man erinnert sich an den Flugzeugabsturz am Stadlerberg. Und die Erdstösse vom Sonntag, 11. September 2022 sind in ganz frischer Erinnerung», so die GLP.

Der Bezirk Dielsdorf sei bereits jetzt mit einigen Belastungen konfrontiert.

Hohe Kontaminierung des Trinkwassers, Fluglärm und Luftschadstoffe der startenden Flugzeuge des Flughafens Zürich beanspruchen die Region.

Nun würde also auch noch ein atomares Tiefenlager dazukommen.

Standort galt als ungeeignet

Die Grünliberalen hätten schon lange einen verbindlichen Plan für den Atomausstieg gefordert.

Dies weil niemand garantieren könne, dass die Abfälle während Hunderttausenden von Jahren sicher gelagert werden könnten.

Die Betreiber und der Bund seien in der Pflicht, Lösungen zu realisieren und die Abfälle im Inland am bestmöglichen Standort und so sicher wie nur möglich zu lagern.

Dass die Nagra eine Kehrtwende vollzogen hat und der Standort Lägern Nord, der vor wenigen Jahren noch als ungeeignet deklariert wurde, nun der bestmögliche sein soll, erstaunt gemäss GLP sehr.

Die Grünliberalen der Bezirke Dielsdorf und Bülach würden die Energiestrategie des Bundes unterstützen.

Unabhängige Beurteile des Standortes gefordert

Die GLP habe letzte Woche das dringliche Postulat der Kantonsrätin der Grünen, Wilma Willi aus Stadel überwiesen.

Dieses verlangt, dass die Gemeinden durch Bund und Kanton eng begleitet und unterstützt werden.

Es brauche eine unabhängige und wissenschaftliche Beurteilung des Standortes unter Einbezug aller Risiken.

Insbesondere der Gewässerschutz, der Flugverkehr und die tektonischen Verschiebungen mit Modellen über mindestens 10'000 Jahre sollen betrachtet werden.

Geologische Veränderungen zu erwarten

Die GLP ruft in Erinnerung, dass die Gräber im alten Ägypten nur 2'000 bis 3'000 Jahre alt sind.

Diese wurden in der Neuzeit geöffnet, ohne dass man die alten Schriften lesen konnte. Nun gehe es um einen viel längeren Zeitraum.

Man würde von einer Million Jahren sprechen. Wenn man gleich lange zurückschaut, so war die Geologie des Zürcher Unterlands eine ganz andere als heute.

Dem muss laut GLP Rechnung getragen werden.

Maximal Sicherheit für Betroffene

Die Verantwortlichen müssen beweisen, dass sie die Menschen in den Gemeinden des Zwischenlagers ernst nehmen, für ihre maximale Sicherheit sorgen und sie auch angemessen entschädigen.

Bereits haben einige Parteien und Verbände verlauten lassen, dass mit der Standortwahl das Problem der Abfälle gelöst sei und die Atomenergie wieder ausgebaut werden könne.

Das sei völlig unverantwortlich gegenüber zukünftigen Generationen und ein Affront gegenüber den Menschen und den Gemeinden, welche in den nächsten Jahren die Lasten zu tragen haben.

Die GLP fordert, dass erneuerbare Energien noch schneller und konsequenter ausgebaut werden.

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