Dank einer neuen Plattform kann man sich auf dem Robert-Walser-Spaziergang die Texte des Autors von vier Bieler Künstlerinnen und Künstlern vorlesen lassen.
Urs Bitterli
Bücher in einem Regal. (Symbolbild) - keystone.ch

Mit diesem Projekt startet eine Kampagne zur Erweiterung des digitalen Angebots im Stadtraum. Der 2006 von der Stadt Biel in Zusammenarbeit mit der Grafikerin Christine Schranz eingeweihten und dem Schriftsteller Robert Walser gewidmeten literarischen Stadtspaziergang präsentiert die Stadt anhand der Texte des Autors. Der Spaziergang führt zu neun Posten, die jeweils für einen Abschnitt in Robert Walsers Leben stehen: seine Kindheit, die Schulzeit, seine Versuche als Schauspieler, sein Leben als Schriftsteller, die Rückkehr nach Biel, sein unerfülltes Liebesleben, seine Spaziergänge, die erlittenen Qualen und sein Abschied von der Literatur. Jeder Posten ist mit einer Tafel gekennzeichnet, die einen Text des Autors enthält, in dem er den Ort anhand seiner Erfahrungen und aus seinem Blickwinkel beschreibt.

Bald auch zweisprachig

Ab Juni 2021 wird jeder Posten mit einer zweisprachigen Aufnahme der Texte von Robert Walser ausgestattet sein, vorgelesen von vier Bieler Künstlerinnen und Künstler: die Schriftsteller Rolf Hermann und Antoine Joly sowie die Schauspielerinnen Pascale Güdel und Isabelle Freymond. Ein QR-Code verweist jeweils direkt auf die entsprechende Aufnahme.

Eine Online-Karte, welche die Besucherinnen und Besucher durch den 5 km langen Rundgang führt, ist auf der Webseite der Stadt Biel verfügbar: www.biel-bienne.ch/robert-walser. Das Projekt wird mit der Unterstützung der Robert Walser-Stiftung und des Neuen Museums Biel realisiert.

Zur Lancierung der Plattform, die Robert Walser gewidmet ist, lädt die Stadt Biel die Bevölkerung am 19. August 2021 zu einem geführten Robert-Walser-Spaziergang ein. Begleitet wird die Veranstaltung von Lesungen der Texte des Autors durch Pascale Güdel, Isabelle Freymond, Rolf Hermann und Antoine Joly. Weitere Informationen folgen im August.

«Ici c’est…» die Digitalisierung im Stadtraum

Die Digitalisierung hat einen starken Einfluss auf unser Leben, ganz besonders seit dem Ausbruch der Pandemie. Um den aktuellen Anforderungen und den Ansprüchen der Bielerinnen und Bieler Rechnung zu tragen, hat sich die Stadt Biel zum Ziel gesetzt, ihre eigene digitale Transformation insbesondere bei der Infrastruktur der Bieler Schulen, den Diensten für die Bevölkerung und dem Home-Office voranzutreiben.

Die Digitalisierung birgt auch eine Chance: das kulturelle, historische, architektonische, natürliche und industrielle Erbe unserer Stadt mit einfachen Mitteln der Bevölkerung näher zu bringen oder neu erleben zu lassen. Die digitale Ergänzung des Robert-Walser-Spaziergangs ist die erste Etappe im Bestreben, die lokalen und zuweilen versteckten oder unbekannten Schätze der Stadt der Bevölkerung zugänglich zu machen.

Nur mit einem Smartphone ausgerüstet und ohne Herunterladen einer App können Spaziergängerinnen und Spaziergänger ihre Themen-Rundgänge mit zusätzlichen Informationen, Klängen und Bildern bereichern. Die in Zusammenarbeit mit der Stadt Biel entwickelte, einfache und zukunftsfähige digitale Lösung soll die symbolträchtigen Orte unserer Stadt ins beste Licht rücken. Einfache Spaziergänge werden zu entdeckungsreichen Begegnungen mit dem Kulturerbe und den Schätzen unserer Region – das ist das erklärte Ziel des Projekts «Ici c’est…»!

Robert Walser, Bieler Dichter und Schriftsteller

Der Dichter und Schriftsteller Robert Walser ist sicher der berühmteste Bieler überhaupt. Sein Werk geniesst internationale Anerkennung und wurde in über 40 Sprachen übersetzt. Robert Walser wurde 1878 in Biel geboren und absolvierte nach dem Verlassen der Schule eine Banklehre. Erste Gedichte erschienen 1898, was ihm Zutritt zu den literarischen Kreisen Deutschlands verschaffte. In seiner Zeit in Berlin veröffentlichte er mehrere Romane, kehrte schliesslich zuerst nach Bern und dann nach Biel zurück, wo er unter ärmlichen Bedingungen lebte. Er veröffentlichte dennoch weiterhin zahlreiche Prosastücke, darunter auch die längere Erzählung «Der Spaziergang», die als sein Hauptwerk dieser Zeit gilt und als unmittelbare Inspiration für den literarischen Rundgang diente.

Nach einer psychischen Krise kam Walser Anfang 1929 in die Heil- und Pflegeanstalt Waldau in Bern und 1933 in die Heil- und Pflegeanstalt Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Dort stellte er das Schreiben ein und lebte noch 23 Jahre als fast vergessener Autor.

Obwohl er von Autoren wie Hermann Hesse, Kurt Tucholsky, Robert Musil, Franz Kafka und Walter Benjamin sehr geschätzt wurde, entdeckte ihn das breitere Publikum erst nach seinem Tod. Er gilt heute als einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts.

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