Im Kanton Bern leben derzeit rund 6600 Geflüchtete aus der Ukraine. Die Mehrheit von ihnen ist privat untergebracht. Der Zustrom hat etwas nachgelassen. Der kantonale Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektor Pierre Alain Schnegg geht von 10'000 bis 20'000 Geflüchteten bis Ende Jahr aus.

Bislang sprach Schnegg jeweils von rund 30'000 Geflüchteten bis Ende Jahr. Das Staatssekretariat für Migration habe seine Prognosen etwas nach unten angepasst, begründete Schnegg am Freitag vor den Medien die tieferen Zahlen.

Da der Kanton Bern anfänglich fast 20 Prozent mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als nach interkantonalem Verteilschlüssel nötig, findet nun ein Ausgleich statt.

Von den 6600 Geflüchteten sind aktuell 4676 Personen bei Privaten untergebracht. «Ohne die grosse Unterstützung der Gastfamilien wäre es nicht gelungen, die Geflüchteten so gut unterzubringen», betonte der Regierungsrat am Freitag vor den Medien.

Auch wenn einige Gastfamilien bis jetzt noch keine Geflüchteten aus der Ukraine aufnehmen konnten, sei es wichtig, die Angebote weiterhin zur Verfügung zu haben. Die Lageentwicklung bleibe unvorhersehbar, ergänzte Schnegg.

1220 Menschen leben in einer Kollektivunterkunft. Auf dem Viererfeld in Bern befindet sich eine temporäre Containersiedlung im Bau, die bis zu 1000 Geflüchtete aufnehmen kann. Sie geht in den nächsten Wochen in Betrieb.

Die Kosten für den Bau schätzte Schnegg am Freitag auf rund zehn Millionen Franken. Ein Teil der Investitionen werde nach dem Rückbau aber wieder zurückfliessen. Zu den Betriebskosten konnte Schnegg noch keine Angaben machen.

Über 600 Geflüchtete haben nach Angaben der Behörden bereits eine eigene Wohnung gefunden.

Rund 200 Personen aus der Ukraine haben bisher eine Arbeitsbewilligung erhalten. Etwa die Hälfte von ihnen hat eine Anstellung im Gastrobereich, 35 Personen arbeiten als Lehrkräfte in Willkommensklassen, 27 in der Landwirtschaft und 25 in der IT-Branche, wie Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann ausführte.

Auch viele Kinder und Jugendliche sind unter den Geflüchteten. Rund 1700 sind bisher an bernischen Schulen integriert worden. Die neu geschaffenen 63 Willkommensklassen und 33 Intensivkurse Deutsch als Zweitsprache vermittelten den Kindern nach der Flucht nun ein Stück Normalität, wie Erwin Sommer von der bernischen Bildungsdirektion sagte.

Nach den Sommerferien wird sich laut Sommer die Frage stellen, wann die Kinder und Jugendlichen von den Willkommensklassen und Intensivkursen in Regelklassen überführt werden können.

Die Solidarität mit den Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine ist laut Sommer ungebrochen gross. Auf einen Aufruf für Unterstützung an den Schulen meldeten sich - trotz Lehrermangels - über tausend Personen, wie Sommer bekannt gab.

Im Kanton Bern kommen auch Kinder und Jugendliche ohne ihre Eltern an. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden haben Kenntnis von etwas über 200 Fällen. Familien, die solche Kinder bei sich aufnehmen, benötigen eine Pflegeplatzbewilligung.

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