Im Rahmen eines Gewässermonitorings überwacht der Kanton Bern von 2017 bis 2024 zwei kleine Fliessgewässer. Dabei werden die Auswirkungen eines reduzierten Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln auf die Wasserqualität gemessen. Erste Rohdaten zeigen grosse Schwankungen.

Um verlässliche Aussagen über die Wasserqualität der beiden untersuchten Gewässer - Ballmoosbach und Chrümmlisbach - zu machen, seien weitere Messjahre nötig, teilte der Kanton Bern mit. Das Amt für Landwirtschaft und Natur veröffentlichte am Donnerstag die Rohdaten der Jahre 2017-2020.

Diese zeigen, dass die Pestizid-Belastung grossen Schwankungen unterliegt. Einflussfaktoren seien beispielsweise der Zeitpunkt der Applikation der Pflanzenschutzmittel oder die Niederschläge im Gebiet. Weiter spielten die Hangneigung oder die Abflusskanäle eine wichtige Rolle.

Für das Gewässermonitoring im Zusammenhang mit dem Berner Pflanzenschutzprojekt wurden laut Kanton bewusst Einzugsgebiete gewählt, in denen eine hohe Konzentration von Pflanzenschutzmitteln erwartet wird. Der Ballmoosbach liegt bei Zuzwil und der Chrümmlisbach bei Bätterkinden - beides im Berner Seeland.

Eine Beurteilung der bisherigen Daten nach ökotoxikologischen Kriterien (CQK) zeigt, dass es letztes Jahr im Ballmoosbach zu weniger Überschreitungen gekommen ist als noch in den Jahren 2017-2019.

Nicht verändert hat sich jedoch die Situation im Chrümmlisbach. Dort treten nach wie vor «deutliche bis starke Überschreitungen» auf. Eine Beurteilung nach den Kriterien der Gewässerschutzverordnung zeige jedoch einen Rückgang der Überschreitungen für beide Gewässer an, hiess es weiter.

Um verlässliche Aussagen darüber zu machen, wie sich die Massnahmen des Berner Pflanzenschutzprojektes - darunter die Reduktion des Pestizideinsatzes sowie bauliche Massnahmen - langfristig auswirken, seien weitere Messjahre nötig.

Auf der Basis der am Donnerstag veröffentlichten Monitoringdaten erscheint nächste Woche ein Fachartikel der Leiterin des kantonalen Gewässer- und Bodenschutzlabors zum Langzeitmonitoring von Pflanzenschutzmitteln. Die Publikation in der Zeitschrift «Aqua&Gas» war zunächst im Juli geplant, wurde aber «aufgrund des grossen Interesses» vorgezogen, wie der Kanton schreibt.

In einer Onlinepetition hatten rund 1200 Personen vom Kanton Bern die Offenlegung der Pestizidanalyse verlangt. Dies, nachdem «Berner Zeitung» und «Bieler Tagblatt» Mitte Mai publik machten, dass der betreffende Fachartikel erst nach dem eidgenössischen Urnengang erscheinen sollte.

Am 13. Juni stimmen Volk und Stände über zwei Agrarinitiativen ab, die den Einsatz von Pestiziden ins Visier nehmen. Die Trinkwasser-Initiative will erreichen, dass nur noch diejenigen Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die ohne Pestizide produzieren.

Die Initiative «für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» will diese Substanzen aus der Landwirtschaft, den Gärten und öffentlichen Anlagen verbannen. Lebensmittel, die synthetische Pestizide enthalten oder mit ihnen produziert worden sind, sollen nicht mehr importiert werden dürfen.

Das Berner Pflanzenschutzprojekt wurde 2017 gestartet. Die beteiligten Landwirte setzen verschiedene Massnahmen und werden dafür entschädigt. Nebst der Reduktion oder dem Verzicht auf Pestizide gibt es bauliche Massnahmen sowie Forschungen wie zum Beispiel das Ausbringen von Nützlingen.

Im Jahre 2020 machten 3412 Betriebe am Projekt mit, das noch bis 2022 dauert. Der Bund übernimmt vier Fünftel der gesamten Kosten von 62,7 Millionen Franken. Das Gewässermonitoring wird noch bis 2024 weitergeführt.

https://www.weu.be.ch/de/start/themen/landwirtschaft/pflanzenschutz/berner-pflanzenschutzprojekt.html

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