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    Bern: «Stübli» gewinnt Wettbewerb für Pavillons unter dem Viadukt

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    Unter dem Viadukt Ausserholligen sollen Stadtpavillons aus wiederverwendeten Bauteilen entstehen. Den Wettbewerb gewinnt das Projekt «Stübli».

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    Das Modell des Siegerprojekts «Stübli» im Massstab 1:50 mit den grossen Öffnungsflügeln an der Vorderseite. - zVg

    Die Stadt Bern beabsichtigt, in Ausserholligen Stadtpavillons zur Belebung des öffentlichen Stadtraums unter dem Viadukt vorzusehen. Die Stadtpavillons nehmen eine wichtige Rolle für die lebendige Nutzung des Stadtraums und der sozialen Kontrolle ein und sind in Ensembles von 3-4 Pavillons vorgesehen. Im Sinne der städtischen Energie- und Klimastrategie werden Projekte im ganzen Viaduktraum mit Re-Use-Baumaterialien umgesetzt.

    Entsprechend sollen auch die Stadtpavillons vollumfänglich aus bestehenden Baumaterialien erstellt werden. Als Bauteilressource dient das Hallenbad und Eissportzentrum Weyermannshaus, welches im Jahr 2027 zurückgebaut wird.

    Im Auftrag von Tiefbau Stadt Bern führte Hochbau Stadt Bern einen anonymen, einstufigen Projektwettbewerb mit öffentlicher Jurierung für den Fachbereich Architektur der Berner Fachhochschule als Studierendenwettbewerb durch (Teilzeitstudierenden des Moduls BBAea04). Das Verfahren wurde als Pilotverfahren für ein modellhaftes Qualitätsverfahren in der Architektur im Kontext von zirkulärem und nachhaltigem Bauen durchgeführt. Dem Gewinnerteam wurde die Realisierung eines ihres Stadtpavillons zugesichert (eingebettet im GP-Team Viadukt), vorbehältlich der Qualität und der Realisierbarkeit des Ergebnisses.

    In konventionellen Wettbewerben entwickelten Planungsteams basierend auf quantitativen und funktionalen Vorgaben Architektur. Die Analyse konventioneller Verfahren zeigte, dass ein zirkuläres Bauen mit geringer CO2-Verursachung oft an den Vorgaben scheiterte. Im Gegensatz zu diesen Verfahren setzte dieses modellhafte Qualitätsverfahren Regeln zum Umgang mit Bauressourcen und deren Nutzung als Vorgabe.

    Anstelle eines funktionsbasierten Entwerfens wurde ein ressourcenbasiertes Entwerfen abgefragt. Der Anspruch auf die architektonische Qualität war gleichbleibend.

    Mit dem modellhaften Vorgehen als Studierendenwettbewerb, wollte die Stadt Bern Erfahrungen für zukünftige Verfahren gewinnen und prüfen, inwieweit eine vollumfängliche zirkuläre Architektur in einem anonymen Wettbewerbsverfahren ermittelt werden kann.

    Programm

    Der Freiraum unter dem Viadukt ist heute kein öffentlicher Stadtraum. Durch die Entwicklung des Entwicklungsschwerpunktes (ESP) Ausserholligen, wird dieser aber eine öffentliche Stadtachse, welche prägende neue Stadtbausteine wie den neuen BFH-Campus, das Freibad, das Hallenbad und das Eissportzentrum Weyerli, die Beachhalle und bereits erstellte Wohnbauten und Hotels über den Europaplatz und den neuen Bahnhof Europaplatz Nord an die Stadt Bern anbinden soll. Der Freiraum unter dem Viadukt ist dem Langsamverkehr vorbehalten und soll einen attraktiven Stadtraum bieten, der nicht nur verbindet, sondern eine hohe und attraktive Aufenthaltsqualität bietet.

    Die mit diesem Verfahren erfragten Stadtpavillons, sollen identitätsstiftende Nutzungen in architektonisch hochwertigen Pavillons anbieten (in der Überbauungsordnung UeO werden die hier Stadtpavillons genannt als Raummodule bezeichnet). Die Stadtpavillons werden Teil des Portfolios von Immobilien Stadt Bern, welche auch für die Vermietung zuständig ist. Es handelt sich somit um Pavillons, die für ein möglichst öffentlich wirksames Gewerbe oder eine Dienstleistung gemietet werden können.

    Idealerweise weisen die zukünftigen Mieterinnen und Mieter einen Bezug zu den entstehenden neuen Stadtbausteinen auf und schaffen ein attraktives Angebot für die stark steigende Bevölkerung in diesem Stadtteil.

    Die Stadtpavillons wurden vollumfänglich aus Baumaterialien entworfen, die aus der Ressourcenmine des Rückbaus des Hallenbads und der Kunsteisbahn Weyermannshaus stammen. Zudem hatten die Teams die Art der Nutzungen auf Basis des städtischen Nutzungskonzepts zu entwickeln. Die Pavillons mussten den Anforderungen eines öffentlichen Raums standhalten, insbesondere hinsichtlich Robustheit und dem Schutz vor Vandalismus.

    Seminar BFH

    Die 28 Teilzeitstudierenden arbeiteten im Frühlingssemester 2026 in Zweierteams und beschäftigten sich intensiv mit den Potenzialen eines ressourcenbasierten Entwerfens und Bauens.

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    Die Rückseite des Modells zeigt die Gitterfassade und den Schichtaufbau aus wiederverwendeten Bauteilen. - zVg

    Öffentliche Jurierung

    Die Jury traf sich beschlussfähig am 15. und 16. Juni 2026 zur öffentlichen Jurierung der Projektvorschläge im Foyer der Berner Fachhochschule in Burgdorf, Pestalozzistrasse 20. In einem ersten Rundgang studierten die Jurymitglieder in drei Gruppen je 4-5 Projekte. Im Anschluss wurden die analysierten Projekte den anderen Jurymitgliedern vorgestellt und Verständnisfragen besprochen.

    Am Nachmittag fand die Jurierung des 1. Rundgangs statt. Dabei wurden die einzelnen Projekte aufgrund ihrer zirkulären, architektonischen, konstruktiven und nachhaltigen Ansätzen bewertet. Im Fokus standen dabei insbesondere der Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, die konstruktive und architektonische Qualität sowie die konsequente Umsetzung von Prinzipien des zirkulären und nachhaltigen Bauens.

    Am folgenden Jurytag fand zuerst ein Kontrollrundgang statt, bei dem die Auswahl des Vortages bestätigt wurde. Danach erfolgte der 2. Rundgang, bei welchem aufgrund der architekonischen und ressourcenschonenden Qualitäten das Siegerprojekt und die folgende Rangierung hervorgebracht wurde:

    1. Rang: Projekt 2; Stübli
    Ankauf Projekt 11; Kulm
    2. Rang Projekt 9; InCastro
    3. Rang Projekt 7; Bonbon
    4. Rang Projekt 8; Hexaflow
    5. Rang Projekt 1; Umleitung

    Die Umsetzung der Pavillons mit den wiederverwendeten Bauteilen des Schwimmbads Weyerli hat spannende Ansätze hervorgebracht und die Vor-und Nachteile wurden wurden eingehend gegeneinander abgewogen. Im Anschluss formulierte die Jury die Empfehlung zuhanden Hochbau Stadt Bern.

    Empfehlung

    Die Jury empfiehlt der Bauherrschaft einstimmig, die Verfassenden des Projektvorschlags Nummer 2 ‚ «Stübli» mit der Weiterbearbeitung des Stadtpavillons zu beauftragen.

    Antrag zur Weiterbearbeitung: Projekt 2, Stübli – Architektur: Caroline Stauffer, Sarah Steiner Das Projekt Stübli überzeugt durch einen leicht wirkenden Pavillon mit offenem Grundriss, der die Anforderungen an einen öffentlichen Begegnungsort besonders überzeugend erfüllt. Die flexible Setzung und Ausrichtung ermöglichen unterschiedliche Situationen und Nutzungen wie Küche, Arbeits-, Wohn- oder Spielzimmer. Durch die grosszügigen Überecköffnungen sowie die faltbaren Fassadenelemente entsteht eine direkte Beziehung zwischen Innen- und Aussenraum.

    Der Pavillon wirkt einladend, durchlässig und bietet gleichzeitig Möglichkeiten für Rückzug und Aufenthalt.

    Die Auseinandersetzung mit dem Re-Use-Gedanken erfolgt konsequent und selbstverständlich. Die Wiederverwendung ausgeschnittener Betonelemente als tragende Struktur sowie die metallischen Garderobenschränke als charakteristisches Fassadenelement mit Bezug auf den Ursprungsort des Weyerlis, bildet einen eigenständigen Beitrag innerhalb des Wettbewerbs und zeigt beispielhaft, wie vorhandene Bauteile zu neuen architektonischen Qualitäten transformiert werden können. Ergänzt wird die massive Tragstruktur durch die leichte, faltbare Gitterfassade und dem filigranen Dach aus wiederverwendeten Holzlatten, welche zu einem Fachwerk ausgebildet werden und einer Bedeckung aus PE-Rohren.

    Das Zusammenspiel von robusten und leichten Elementen verleiht dem Pavillon eine ausgewogene Materialität und unterstützt seine langfristige Nutzbarkeit.

    Die Jury würdigt insbesondere die Transparenz, die hohe Zugänglichkeit und die sorgfältige Ausarbeitung des Entwurfs. Die konstruktive Verwendung der Betonelemente sowie einzelne Aspekte des Schichtaufbaus, insbesondere die vorgesehene Dämmung aus PET-Granulat, bedürfen einer weiteren Überprüfung. Weiter wird gewürdigt, dass die Reparierbarkeit und langfristige Nutzbarkeit gewährleistet werden.

    Die Einfachheit der Fassade, die leichte Dachkonstruktion und die fliessende Verbindung von Innen- und Aussenraum bilden die wesentlichen Stärken des Projekts.

    Im Grossen und Ganzen wirkt der Entwurf mühelos und selbstverständlich und setzt das geforderte Programm überzeugend um.

    Würdigung

    Der Projektwettbewerb zum Pavillon unter dem Viadukt Ausserholligen hat dank seiner Auseinandersetzung mit der Wiederverwendung von Bauteilen des abzureissenden Schwimmbads Weyerli die Komplexität, Vielfalt und architektonische Möglichkeiten mit ressourcenbasiertem Entwerfen aufgezeigt (Form des zirkulären Bauens).

    Die Verschiedenartigkeit der eingereichten Projekte und die Qualität des Ergebnisses haben gezeigt, dass sich der Projektwettbewerb durchaus für die Anwendung von zirkulären Verfahren eignet.

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