Artenvielfalt fördern: Steinhaufen helfen Hermeline
Forschende der Uni Bern zeigen: Gezielt geplante Ast- und Steinhaufen fördern Hermeline in Agrarlandschaften – ein Gewinn für Biodiversität und Landwirtschaft.

Wie die Universität Bern berichtet, konnten Forschende zeigen, dass einfache Massnahmen zur Förderung der Biodiversität, wie die Installation von Ast- und Steinhaufen, die Populationen von Hermelinen in landwirtschaftlichen Gebieten in der Schweiz fördern.
Dies gilt insbesondere dann, wenn sie fachlich begleitet, geplant und koordiniert sind. Diese Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Landwirtschaft und den Naturschutz.
Trotz jahrzehntelanger Bemühungen gehen die Bestände vieler Tierarten, die für die landwirtschaftlichen Lebensräume charakteristisch sind, in der Schweiz weiter zurück: Mehr als 50 Prozent dieser Arten stehen weiterhin auf den Roten Listen der gefährdeten Arten.
Hermeline und Mauswiesel: Kleine Räuber, grosse Wirkung
Besonders betroffen sind Hermeline und Mauswiesel. Diese kleinen Beutegreifer spielen eine wichtige ökologische Rolle für die Landwirtschaft, da sie sich von Feld- und Schermäusen ernähren und damit zur biologischen Schädlingskontrolle beitragen. Ein Hermelin frisst in der Regel ein bis zwei Wühlmäuse pro Tag.
Gleichzeitig sind diese kleinen Tiere, die zur gleichen Familie wie Marder gehören, auf vielfältige, strukturreiche Landschaften angewiesen, die ihnen Versteck-, Fortpflanzungs- und Jagdmöglichkeiten bieten.
In zwei aufeinanderfolgenden Studien haben Forschende des Instituts für Ökologie und Evolution der Universität Bern unter der Leitung von Dr. Jean-Yves Humbert erstmals untersucht, wie sich regionale Biodiversitätsförderprojekte, insbesondere die Installation von Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen, auf die Populationen von Hermelinen und Mauswieseln auswirken.
Fachlich begleitete Kleinstrukturen wirken
Ihre Ergebnisse zeigen, dass einfache Kleinstrukturen die Präsenz von Hermelinen in landwirtschaftlichen Gebieten signifikant erhöhen. Dies zeigt sich insbesondere dann, wenn die regionalen Biodiversitätsprojekte fachlich begleitet, gezielt geplant und zwischen mehreren landwirtschaftlichen Betrieben auf Landschaftsebene koordiniert werden.
Bei den Mauswieseln hingegen war es aufgrund der geringen Anzahl nachgewiesener Tiere nicht möglich, die Auswirkungen der Massnahmen auf ihre Population zu beurteilen.
Wirksamkeit von Biodiversitätsförderprojekten
Regionale Biodiversitätsförderprojekte umfassen koordinierte Naturschutzinitiativen wie regionale Naturpärke, Projekte von Naturschutzorganisationen oder landwirtschaftliche Vernetzungsprojekte, bei denen Landwirtschaft, Behörden und Expertinnen und Experten zusammenarbeiten, um Lebensräume gezielt aufzuwerten und zu vernetzen.
«Obwohl regionale Biodiversitätsförderprojekte seit Langem als sinnvoll gelten, fehlten bislang wissenschaftliche Belege für ihre tatsächliche Wirkung», erklärt Andrin Dürst, Co-Autor der Studien und Doktorand am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern.
Das Forschungsteam analysierte daher die Effekte solcher Massnahmen in landwirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz. Untersucht wurden 14 gepaarte Regionen im Schweizer Mittelland, bestehend aus jeweils einem Gebiet mit Massnahmen, welche die Biodiversität fördern, wie der Installation von Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen, und einer Vergleichsregion ohne solche Massnahmen.
In den Vergleichsgebieten gab es zwar teilweise auch Kleinstrukturen, diese wurden jedoch ohne fachliche Begleitung und ohne Koordination errichtet.
Hermeline und Mauswiesel nachweisen
Um die Population dieser schwer fassbaren Tiere zu untersuchen, setzten die Forschenden zwei neuartige Methoden ein: Kamerafallen und Artenspürhunde. Die Kamerafallen wurden in Kisten mit Tunneln installiert, die die neugierigen Tiere gerne erkunden und durchqueren. Dadurch konnten sie unbemerkt fotografiert werden.
Darüber hinaus kamen erstmals und in Zusammenarbeit mit Artenspürhunde Schweiz speziell dafür ausgebildete Spürhunde zum Einsatz. Diese sind darauf trainiert, Kot von Hermelinen und Mauswieseln über ihren Geruchssinn aufzuspüren.
Durch diese Kombination aus technischer Ausrüstung und tierischer Spürnase konnte die Präsenz der Hermeline und Mauswiesel präzise und effizient erfasst werden. «Dieser Ansatz ermöglichte uns einen zuverlässigen und grossräumigen Vergleich zwischen Gebieten mit und ohne Fördermassnahmen», sagt Dürst.
Kleinstrukturen erhöhen Präsenz von Hermelinen
Die Ergebnisse zeigen, dass in Regionen mit koordinierten Fördermassnahmen 2,5-mal mehr Hermeline nachgewiesen wurden als in vergleichbaren Gebieten ohne entsprechende Massnahmen.
Kleinstrukturen wie Stein- und Asthaufen spielen dabei eine Schlüsselrolle als Rückzugsorte und Jagdgebiete. Ihre Anzahl wirkt sich positiv auf die Häufigkeit von Hermelinen aus, wobei Steinhaufen von den Tieren bevorzugt werden, insbesondere, wenn sie ausreichend gross sind und geeignete Hohlräume aufweisen.
«Leider war die Anzahl nachgewiesener Mauswiesel zu gering, um Aussagen zur Wirkung der Massnahmen auf diese Tierart zu machen. Dies widerspiegelt ihren Status als gefährdete Art auf der Schweizer Roten Liste umso deutlicher», sagt Jean-Yves Humbert, Leiter der beiden Studien.
Regionale Biodiversitätsförderprojekte sind besonders wirksam
«Unsere Ergebnisse zeigen weiter, dass für die Population von Hermelinen nicht nur das Vorhandensein von Kleinstrukturen entscheidend ist, sondern auch deren Qualität und die gezielte Platzierung in der Landschaft», erklärt Dürst.
Eine professionelle Planung und die enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtinnen und Landwirten, Biologinnen und Biologen und Behörden seien ausschlaggebend für den Erfolg dieser Massnahmen.
Humbert ergänzt: «Die Resultate liefern einen wichtigen Impuls für die Landwirtschafts- und Naturschutzpolitik. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit auf Landschaftsebene und die gezielte Förderung kleiner Lebensräume kann die Biodiversität langfristig verbessert werden, zum Nutzen von Natur, Landwirtschaft und Gesellschaft».
In einem nächsten Schritt wird die Forschungsgruppe den Effekt der Kleinstrukturen auf weitere Artengruppen wie Reptilien, Laufkäfer und Spinnen untersuchen.










