Amerikanische Ärzte sollen vermehrt Karies aufgrund des täglichen Maskentragens festgestellt haben. Das sagt ein Experte zum Phänomen «Mask Mouth».
Karies
Laut einer Basler Studie sind Karies familienabhängig. - Pexels

Masken schützen vor Viren – doch sie begünstigen Karies im Mund. Das schreibt zumindest das Unternehmen Colgate und die «New York Post».

So sollen Zahnärzte in New York City vermehrt Karies festgestellt haben, ausgelöst durch das veränderte Mundklima aufgrund des Maskentragens.

Der Begriff lehnt sich an die Bezeichnung «Meth Mouth» an, wie Zahnkaries im Zusammenhang mit Drogenkonsum bezeichnet wird.

Aber was ist dran am Phänomen Mask Mouth? Nau.ch hat bei einem Experten nachgefragt: Dr. Marcus Eberhardt leitet seit 2005 das zahnarztzentrum.ch in Baden.

Nau.ch: Dr. Marcus Eberhardt, wie verbreitet ist das Phänomen «Mask Mouth» in der Schweiz?

Marcus Eberhardt: Bisher habe ich dazu noch keine Berichte gehört. Das heisst aber nicht, dass es nicht existiert.

Phänomen Mask Mouth: Das Maskentragen will gelernt sein. - Anna Shvets/Pexels

Nau.ch: Warum hat das Maskentragen einen Einfluss auf die Zahngesundheit?

Marcus Eberhardt: Vorerst sei gesagt: Zahlreiche Berufsgruppen wie medizinisches Personal, Pharmazeuten, Chemiker, Schreiner, Lackierer, etc. tragen seit Jahrzehnten täglich Schutzmasken bei ihrer Arbeit. In diesem Zusammenhang sind mir keine Komplikationen bekannt.

Für Menschen, die neu im Alltag die Maske tragen, kann ihr Gebrauch aber ungewohnt sein. Sie atmen dann vermehrt durch den Mund anstatt durch die Nase. Das kann zu Trockenheit und Speichelarmut im Mundbereich führen.

Speichel hat aber eine reinigende und schützende Spülfunktion im Mundraum. Ein trockener Mundraum kann also Karies und Zahnfleischerkrankungen begünstigen.

Nau.ch: Wie kann man «Mask Mouth» vorbeugen?

Marcus Eberhardt: Atmen Sie auch mit Maske durch die Nase, auch wenn es ungewohnt ist. Falls das nicht klappt, trinken Sie mehr Wasser, um die fehlende Flüssigkeit auszugleichen.

Nau.ch: Haben Sie sonstige Veränderungen bei ihren Patienten im Zusammenhang mit der Pandemie festgestellt?

Marcus Eberhardt: Der Alltag vieler Menschen hat sich verändert. Man ist vermehrt zu Hause im Homeoffice, wo man vielleicht mehr zwischendurch isst und dann nicht immer die Zähne putzt. Dadurch vermehren sich Bakterien, die zur Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen führen können.

Es ist wichtig, trotz verändertem Alltag an gesunden Essgewohnheiten und der Mundhygiene festzuhalten.

Nau.ch: Was sind die wichtigsten Punkte in der Mundhygiene zu Hause?

Marcus Eberhardt: Für die häusliche Mundhygiene empfehle ich neben der Zahnbürste und Zahnpasta eine Interdentalbürste oder Zahnseide und einen Zungenreiniger.

Regelmässiges Fluoridieren mit Gel oder Spülung ist ebenfalls hilfreich.

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