Corinne Schmidlin, Fraktionspäsidentin Grüne Baden, erklärt im Interview, weshalb das Energiekonzept der Stadt Baden ein wichtiger Schritt nach vorne ist.
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Corinne Schmidlin, Fraktionspräsidentin Grüne Baden. - Grüne Baden

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Einwohnerrat Baden stimmt über verschäfte Klimaziele ab: Netto-Null bis 2050.
  • Die Grünen Baden begrüssen das Konzept.

Am 31. Mai 2022 und 1. Juni 2022 bespricht der Einwohnerrat Baden die revidierten Ziele des Energiekonzepts 2022 – 2031. Das Konzept bildet eine wichtige Grundlage für die Klima- und Energiepolitik der Stadt.

In der Interviewreihe «Meinungen zum Energiekonzept der Stadt Baden» spricht Nau.ch mit Mitgliedern des Einwohnerrates. Den Anfang macht Corinne Schmidlin, Fraktionspräsidentin der Grünen Baden.

Nau.ch: Was werden die Argumente Ihrer Fraktion für dieses Geschäft sein, und warum stimmen Sie dafür?

Corinne Schmidlin: Wir stimmen der Überarbeitung des Energiekonzepts und damit allen vorgeschlagenen Änderungen zu. Die Stadt Baden muss den Absenkpfad anpassen, um schliesslich Netto Null 2050 zu erreichen.

Und das Ziel Netto Null 2050 könnte sogar noch strenger sein. Die Stadt Zürich hat vor wenigen Wochen mit deutlicher Mehrheit Netto Null 2040 gutgeheissen.

Der neuste Bericht des «Intergovernmental Panel on Climate Change» zeigt, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen müssen, um die CO2-Emissionen zu senken. Hier hat auch die Stadt Baden ihren Beitrag zu leisten.

Nau.ch: Was sind die Vorteile für die Badener Bevölkerung?

Corinne Schmidlin: Wenn wir mit der Bekämpfung des Klimawandels nicht vorwärtsmachen, dann hat nicht nur die Stadt Baden, sondern die gesamte Weltbevölkerung ein riesiges Problem.

Die Klimakrise wird uns mehr kosten, als wir uns vorstellen können, und definitiv mehr, als was jetzt in sinnvolle Klimamassnahmen investiert werden könnte.

Nau.ch: Was wären alternative Lösungsvorschläge?

Corinne Schmidlin: Mit der Überarbeitung der Unterziele zur Substitution von fossilen Energien bei der Wärmeerzeugung und zum Ausbau erneuerbarer Elektrizitätsproduktion vor allem durch Fotovoltaik hat der Stadtrat zwei wichtige Massnahmen hervorgehoben.

Hier kann definitiv noch mehr gemacht werden. Wir müssen weg von Öl und Gas und der Abhängigkeit vom Ausland bei der Energieversorgung.

Mit der anstehenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung haben wir die Möglichkeit, zur Unterstützung dieser beiden Unterziele wichtige Vorgaben zu machen.

Aber es braucht dringend auch genügend personelle und finanzielle Ressourcen bei der Energieberatung und der Umsetzung der notwendigen Massnahmen.

Mit dem Hauptziel 4 spricht der Stadtrat zudem den Konsum an. Hier sind der Energieverbrauch und die CO2-Emissionsmengen riesig und werden bisher in der städtischen Bilanz nicht betrachtet.

Auch hier hat die Stadt Handlungsmöglichkeiten. Ich denke zum Beispiel an die CO2-Emissionen aus der Herstellung von Baumaterialien und den zugehörigen Energieverbrauch – also an das, was bei eigentlichen Bauprozessen anfällt.

Soll Baden den Velo- und Fussverkehr fördern?

Obwohl in Baden 43 Prozent der Treibhausgase aus dem Verkehr stammen, wird der Teil der Verkehrsplanung im Energiekonzept ausgeklammert. Auch hier muss die Stadt Baden auf anderen Wegen mit ihrer Einflussnahme auf den Modalsplit einen Schritt vorwärts machen.

Beispielsweise mit verstärkter Velo- und Fussverkehrsförderung, einer gezielten Parkplatzpolitik und der Umgestaltung der Strassenräume.

Die Zeiten, in denen weiterhin Parkhäuser im Zentrum (zum Beispiel beim Schadenmühleplatz) unreflektiert geplant werden, sind definitiv vorbei. Kreativere Lösungen sind gefragt.

Nau.ch: Was ist Ihr persönlicher Bezug zum Thema?

Corinne Schmidlin: Ich habe in den 80er-Jahren im ersten Jahrgang mit grosser Überzeugung an der ETH Umweltnaturwissenschaften studiert. Die Fakten, die uns damals im Studium vermittelt wurden, sind dieselben wie heute.

Leider hat die Menschheit bisher keine grossen Schritte gemacht, um die Situation zu ändern. Manchmal ist es anstrengend, schon so lange in diesem Business tätig zu sein und die Hoffnung nicht aufzugeben.

Ein bisschen Hoffnung hat mir in den letzten Jahren die Bewegung der Klimajugend gegeben. Es ist mir ein Anliegen, meinen eigenen CO2-Fussabdruck möglichst im Griff zu haben. Was ich erzähle, möchte ich auch selbst umsetzen.

Zur Person

Corinne Schmidlin ist Umweltnaturwissenschafterin ETH und bei der Fachstelle Nachhaltigkeit des Kanton Aargau angestellt. Sie ist seit vier Jahren im Einwohnerrat und Fraktionspräsidentin der Grünen Baden.

Zudem ist Corinne Schmidlin in der Energiekommission und in der Kommission zur Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung tätig. Sie wird nächstes Jahr 60 Jahre alt und hat zwei erwachsene Kinder.

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