Wie die Gemeinde Steinach mitteilt, dankt der Gemeinderat Roland Etter für sein Wirken für die Gemeinde. 2014 fand die erste Labelübergabe Energiestadt statt.
Steinach
Gemeindehaus Steinach in St. Gallen. Der Ehemalige Arbeitsplatz vom 54-jährigen Straftäter. - Nau.ch / Miriam Danielsson

Im Jahr 2012 wurde in Steinach die ständige Energiekommission zur Vorbereitung und Umsetzung der energiestrategischen Ziele des Gemeinderates Steinach ins Leben gerufen. Nachdem das Pflichtenheft bereinigt wurde, stand der Name der neuen Kommission fest: EnergieZukunft Steinach; kurz EnZu.

Als erster Präsident amtete nicht ein Gemeinderat, was besonders war, sondern Roland Etter. Der logische Schritt in den Gemeinderat folgte jedoch bereits ein Jahr später mit dem Start der Einheitsgemeinde.

Roland Etter zeichnete sich durch einen seltenen Initiativgeist und Willen aus, welche ihm beim Erreichen seiner Energieziele stets geholfen haben. Im Fokus stand die Ablösung fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien und das Ausnutzen von Effizienzpotentialen.

Das Label Energiestadt

Daraus resultierten in den vergangenen zehn Jahren seines Wirkens viele Meilensteine: An der ersten Sitzung im 2012 lancierte die EnZu den Prozess zum Label Energiestadt. Bereits am 21. Juni 2014 fand die erste Labelübergabe Energiestadt durch RR Willi Haag in Steinach statt.

Kurze Zeit später beschloss Steinach, den Weg in eine 2000-Watt-Gesellschaft zu gehen mit dem Ziel, den Energieverbrauch um zwei Drittel und den CO2-Ausstoss um 85 Prozent zu reduzieren. Am 20. April 2018 hatte Steinach das Reaudit Energiestadt erstmals erfolgreich absolviert.

Heute steht die Gemeinde kurz vor der Erreichung des angestrebten Ziels mit dem Label «Energiestadt Gold». Ebenfalls im Sommer 2012 wurde der Energiefonds geschaffen und dadurch ein Steinacher Förderprogramm für erneuerbare Energien lanciert.

Dichtes Netz an Ladestationen

Es werden Photovoltaikanlagen, Holzheizungen, Anschlüsse an den Wärmeverbund, Beiträge an Gebäudesanierungen, Fenstersanierungen und Energiechecks für Unternehmungen mit grossem Verbrauch finanziell unterstützt. Für Kleinbetriebe und die Bevölkerung wurde zudem eine regelmässige Energieberatung eingeführt.

Der kontinuierliche Ausbau an Stromladestationen beim Gemeindehaus, Primarschulhaus, Werkhof, bei der Bäckerei Füger und Sportanlage Bleiche (samt Carport und PV-Anlage) führt dazu, dass Steinach heute das regional dichteste Netz an Ladestationen aufweist. Dank der während vieler Jahre garantierten Vergütungspreise für PV-Strom ist die Produktion von Steinacher Strom in den vergangenen Jahren kontinuierlich angewachsen und wird im 2021 ein Rekordhoch erreichen.

Die Gemeinde ist dabei als leuchtendes Beispiel vorangegangen. Heute sind sieben Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 345 kWp und einer jährlichen Stromproduktion von 77’000 Franken auf gemeindeeigenen Liegenschaften installiert.

Erneuerbare Energie

Das Investitionsvolumen betrug 792’607.30 Franken vor Abzug der Förderbeiträge im Umfang von 254’612.85 Franken. Dank der Förderung des Fernwärmenetzes der Primeo Energie AG (ehemals EBM) konnten viele Gas- und Ölheizungen im Gemeindegebiet ersetzt werden.

Heute heizen zahlreiche Liegenschaften mit fast ausschliesslich erneuerbarer Energie. Dank der Anschaffung eines Gemeinde-Elektroautos zur Förderung der E-Mobilität (Kennenlernen der neuen Technik, Möglichkeit als Ersatz eines Zweitautos) steht allen Bewohnern und Gemeindemitarbeitenden seit Dezember 2018 ein eAuto einfach und günstig zur Miete zur Verfügung.

Das E-Auto wird seitdem rege fremdvermietet und für Dienstfahrten der Gemeinde benutzt. Während der Energiewoche vom 7. bis 9. Februar 2017 mit Energieausstellung, Energieworkshop für Gemeindepersonal, Vortrag zur 2000-Watt-Gesellschaft und e-Mobilitätsausstellung informierte sich «tous Steinach» über die Aktualitäten im Energiebereich.

Fachexperten und Umweltpioniere in Steinach

Die beiden Referate von Bertrand Piccard über seine Weltumrundung mit einem Solarflugzeug anlässlich des Wirtschaftstages vom 14. Februar vor 500 Schülern und 600 Erwachsenen rundeten diese Grossveranstaltung gebührend ab. Sie bildeten damit wohl das Highlight in der «Ära Roland Etter».

Es war nicht nur Piccard. Viele Fachexperten und Umweltpioniere machten in Steinach in den vergangenen Jahren halt: An der Info-Veranstaltung im April 2013 wurde von der EMPA aufgezeigt, dass Wohnen ohne Fremdenergie heute schon möglich ist. In der Info-Veranstaltung vom 26. Februar 2014 wurden durch verschiedene Referenten Aspekte zu einer Zukunft ohne fremde Energie aufgezeigt.

Bürgermeister Georg Moosbrugger aus Langenegg (A) zeigte am Beispiel seines Dorfes einen möglichen Weg auf. Am 11. Februar 2015 luden EnergieZukunft und Gewerbeverein Steinach zum ersten Wirtschaftstag ein.

Kriege ums Erdöl

Den 60 Steinacher Vertretern aus Gewerbebetrieben und Wirtschaft wurden anhand praktischer Beispiele aufgezeigt, dass Energieeffizienz im eigenen Betrieb nicht nur mit Ökologie zu tun hat, sondern auch finanziell interessant ist. Vor vollem Haus referierten am 24. Februar 2016 zwei Experten im Gemeindesaal.

Dr. Daniele Ganser zeigte auf, dass 90 Millionen Fässer Erdöl pro Tag weltweit verbraucht werden und sich die meisten Kriege ums Erdöl drehen. Thomas Nordmann, Photovoltaik-Pionier der ersten Stunde, erklärte im Anschluss, dass mit erneuerbaren Energien der grösste Teil der fossilen Brennstoffe durch sauberen inländischen Strom ersetzen werden könnte.

Am Anlass Kraftwerk Schweiz vom 12. Februar 2020 hielt Prof. Dr. Anton Gunzinger ein Plädoyer für eine Energiewende mit Zukunft. Und zu guter Letzt hat die Gemeinde dank der Machbarkeitsstudie «Energie aus dem Bodensee» die Überzeugung, dass sie im Seedorf von Steinach schon bald mit Seewasser heizen werden.

Aktiengesellschaft gegründet

Die Gemeinde hat dafür mit Ortsbürgergemeinde und weiteren Investoren eine Aktiengesellschaft gegründet und mit den Vorbereitungsarbeiten begonnen. Bereits im 2022 sollen (in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Horn) die Ausführungsarbeiten starten.

Dieses Projekt soll eigen finanziert werden und kommt ohne Fördergelder der Gemeinde aus. Seit der Gründung der EnZu wurden bis Ende 2020 rund 1,95 Millionen Franken ausgegeben und in den lokalen Wirtschaftskreislauf investiert.

Nebst den Gewerbebetrieben profitierten viele Steinacher von grosszügigen Förderbeiträgen und Abnahmeverpflichtungen für PV-Strom. Dank seiner umtriebigen und unkonventionellen Art ist es «Energieminister» Roland Etter geglückt, seine Ziele erstaunlich schnell zu erreichen.

Viel Anerkennung

Er hat in der kurzen Zeit für Steinach sehr viel erreicht und für die Gemeinde einen wichtigen Teil zur Erreichung der Klimaziele beigetragen. Das quittieren die Leute beeindruckt mit Anerkennung.

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