Sisikon UR: Erster Tunnel der Schweiz mit nitratfreiem Sprengstoff
Der Sisikoner Tunnel bei Sisikon UR wird ab Ende Oktober 2026 mit dem nitratfreien Sprengstoff Hypex Bio ausgebrochen. Das kostet rund ein Prozent mehr.

Der neue Sisikoner Tunnel im Projekt A4 Neue Axenstrasse wird als erster grosser Strassentunnel der Schweiz mit dem nitratfreien Emulsionssprengstoff Hypex Bio ausgebrochen. Ausschlaggebend für diesen Entscheid war insbesondere die Verwendung des Ausbruchmaterials: Das beim Tunnelbau gewonnene Gestein wird im Urnersee vor Flüelen für die Erstellung von Flachwasserzonen eingesetzt.
Die Umstellung auf Hypex Bio ist mit Mehrkosten von rund einem Prozent der Vertragssumme für den Bau des Sisikoner Tunnels verbunden. Diese zusätzlichen Kosten werden bewusst in Kauf genommen, um die Gewinnung des Ausbruchmaterials möglichst umweltschonend zu gestalten. Die Umstellung erfolgt Ende Oktober 2026.
Was ist Hypex Bio?
Herkömmliche Emulsionssprengstoffe enthalten Nitrat als Sauerstofflieferant für die Reaktion. Der in Schweden entwickelte, neue Sprengstoff Hypex Bio verwendet stattdessen Wasserstoffperoxid und enthält deshalb kein Nitrat. Dies ist insbesondere dort von Bedeutung, wo das gesprengte Gestein anschliessend in sensiblen Bereichen eingesetzt oder weiterverwendet wird.
In der Schweiz wird Hypex Bio von der Société Suisse des Explosifs SA (SSE Group) hergestellt. Das Unternehmen hat die entsprechenden Herstellungsrechte für Hypex Bio in der Schweiz erhalten und stellt damit die Verfügbarkeit des Produkts für den Schweizer Tunnel- und Baubereich sicher.
Hypex Bio beim Sisikoner Tunnel
Das Ausbruchmaterial des Sisikoner Tunnels wird auf dem Seeweg von Sisikon nach Flüelen zur Seeschüttung transportiert, wo es zur Neugestaltung von Flachwasserzonen dient. Deshalb setzt die Bauherrschaft bereits bei der Gewinnung des Ausbruchmaterials auf eine möglichst umweltschonende Lösung. Mit Hypex Bio kommt deshalb ein nitratfreier Sprengstoff zum Einsatz.
«Wir sind uns bewusst, dass der Einsatz von Hypex Bio mit zusätzlichen Kosten verbunden ist», sagt Peter Vorwerk, stellvertretender Gesamtleiter des Projekts A4 Neue Axenstrasse. «Trotzdem sind wir überzeugt, dass dieser Schritt richtig ist. Dass wir mit dieser umweltschonenden Gewinnung gleichzeitig eine Vorreiterrolle im Schweizer Strassenbau einnehmen, freut uns besonders.»
Morschacher Tunnel: anderer Materialkreislauf, andere Lösung
Beim Morschacher Tunnel kommt Hypex Bio nicht zum Einsatz. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Verwendung des Ausbruchmaterials. Das Gestein des Morschacher Tunnels wird zu Betonzuschlagstoffen aufbereitet und als wertvoller Baustoff wiederverwendet.
Damit wird das Ausbruchmaterial direkt in den Baustoffkreislauf zurückgeführt. Die beiden Tunnel haben somit unterschiedliche Materialkreisläufe und unterschiedliche Rahmenbedingungen.
Nachhaltigkeit als Teil der Projektverantwortung
Hypex Bio wird gezielt dort eingesetzt, wo sich aufgrund der weiteren Verwendung des Ausbruchmaterials ein zusätzlicher ökologischer Nutzen ergibt. Beide Lösungen verfolgen dasselbe Ziel: eine möglichst nachhaltige und verantwortungsvolle Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Die bewusste Wahl des nitratfreien Emulsionssprengstoffs ist damit ein weiterer Schritt hin zu einer möglichst umweltschonenden und verantwortungsvollen Umsetzung der A4 Neuen Axenstrasse.










