Elon Musk zählt zu den lautesten Kritikern von Twitter. Mit seiner Übernahme dürfte sich deshalb so einiges bei der Plattform ändern. Ein Experte schätzt ein.
Elon Musk
Twitter hat am 25. April den Widerstand gegen eine Übernahme durch Tech-Milliardär Elon Musk aufgegeben. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Twitter hat Elon Musks Kaufangebot von 44 Milliarden Dollar angenommen.
  • Damit dürfte die Onlineplattform wieder wachsen, meint ein Experte.
  • Die angestrebte Redefreiheit allerdings stelle den Konzern vor Gefahren.

Am Anfang schien Elon Musks Übernahmeattacke bei Twitter ein nahezu aussichtsloses Unterfangen. Nebst Tech-Spezialisten und hochrangigen Ökonomen stellten sich auch viele Nutzer des Onlinedienstes gegen den Deal.

Doch allem Widerstand zum Trotz teilte Twitter gestern Abend mit, die unterbreitete Offerte von 44 Milliarden US-Dollar zu akzeptieren. Einzig die Zustimmung der Aktionäre fehle noch, um die Übernahme endgültig zu besiegeln.

Elon Musk Twitter
Twitter ist ein globaler Mikroblogging-Dienst. - Keystone

Musk hält nach bisherigen Angaben gut 9 Prozent. Um die Mehrheit zu erreichen, braucht er demnach noch etwas mehr als 40 Prozent. Sollte ihm dies gelingen, hat er künftig das Sagen bei Twitter. Doch was bedeutet dies überhaupt für die Zukunft des Kurznachrichtendienstes?

«Twitter ist eine Plattform, die vor allem für Politik und Medien ein lukratives Geschäft ist – nicht aber für den Rest der Welt», erklärt Aldo Gnocchi, Social-Media-Experte und Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Allein im letzten Jahr schrieb der Konzern einen Verlust von 221,4 Millionen Dollar.

Sind Sie auf Twitter?

«Mit Elon Musk an der Spitze könnte sich das Blatt aber allmählich wenden», meint Gnocchi. «Dank neuen Funktionen wird er Twitter nicht nur innovativer, sondern womöglich auch zu einem relevanten Marktplayer gestalten.» Damit bestehe auch die Chance, dass ehemalige oder gar neue User den Weg zu Twitter finden.

Elon Musk will mehr Redefreiheit auf Twitter

Einziger Knackpunkt sieht Gnocchi in der angestrebten Redefreiheit. Hintergrund ist die Kritik zahlreicher US-Konservativen, die schon lange dagegen wettern, dass Twitter und andere Online-Plattformen gegen Falschinformationen vorgingen.

Twitter
Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man die Hashtags (#) Hass und Hetze in einem Twitter-Post. Mit Elon Musk an der Spitze dürfte es wieder vermehrt zu solchen Aussagen und vor allem Falschnachrichten kommen. - dpa

Elon Musk will sich dieser Kritik annehmen und die freie Meinungsäusserung bewusst fördern. Twitter sei «wichtig für das Funktionieren der Demokratie, für das Funktionieren der USA als freies Land, und für viele andere Länder, für den Frieden in der Welt», sagte Musk am Montag.

Im Gegenzug aber befürchten viele Twitter-User, dass mit Musks Übernahme auch ein neues, regelrecht libertäres Verständnis von Redefreiheit auf der Plattform Einzug halten könnte.

Eine Angst, die Gnocchi durchaus nachvollziehen kann. «Nur indem Twitter künftig solche Aussagen schneller, besser und effizienter identifizieren und klarstellen kann, wird Musks Redefreiheit auch ein Erfolg», schlussfolgert der Social-Media-Experte.

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