Volkswagen

    VW in der tiefen Krise: Wie geht es weiter?

    Peter Müller
    Peter Müller

    Deutschland,

    Der Autobauer VW steckt in der Krise. 30'000 Stellen droht die Streichung.

    Ein Auto von Volkswagen
    Volkswagen lieferte im Januar weltweit 698'200 Fahrzeuge aller Konzernmarken aus. (Archivbild) - Hendrik Schmidt/dpa

    Volkswagen, Europas grösster Autohersteller, steckt in einer tiefen Krise. Die Verkaufs- und Produktionszahlen sind drastisch eingebrochen. Während in Spitzenzeiten etwa 800'000 Autos pro Jahr das Band im Mutterwerk in Wolfsburg verliessen, waren es 2023 lediglich 490'000, wie die «Tagesschau» berichtet.

    Die Unsicherheit beim Automobilriesen aus Wolfsburg ist gross. Eine unbestätigte Zahl im Raum: 30'000 Stellen könnten gestrichen werden, berichtet das «Manager Magazin».

    Hohe Kosten und mangelnde Nachfrage

    Die hohen Kosten und die mangelnde Nachfrage belasten den Konzern schwer. Die Werke in Hannover und Emden, die neben Verbrennermotoren auch E-Modelle wie den elektrischen ID.Buzz oder ID.4 produzieren, sind wegen mangelnder Nachfrage nicht ausgelastet. Auch das ausschliesslich E-Autos produzierende Werk in Zwickau erreicht nicht die geplanten Produktionszahlen.

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    Die Marke Volkswagen leidet unter hohen Energiepreisen und Lohnkosten in Deutschland, sowie einer jahrelang gewachsenen und üppigen Verwaltung. Ein Auto für 30'000 Euro bringt nur etwa 700 Euro Gewinn, was weit unter den Zielvorgaben des Vorstands liegt.

    Elektromobilität und chinesische Konkurrenz

    Volkswagen hat sich zu spät auf die Elektromobilität eingelassen. Das günstigste E-Auto kostet bei VW knapp 37'000 Euro, was es schwer macht, mit anderen Herstellern zu konkurrieren. Im ersten Halbjahr verkaufte VW nur knapp 170'000 Elektro-Wagen, was gerade mal 7,5 Prozent vom Gesamtabsatz ausmacht.

    Die chinesische Konkurrenz drängt in den Markt und könnte VW den Anschluss abschneiden, sobald chinesische Hersteller in Europa massenhaft günstig produzieren können.

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    Das Volkswagen-Gelände in Wolfsburg ist riesig. - OpenStreetMap

    Politische Reaktionen

    Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck besuchte das VW-Werk in Emden und betonte die grosse Bedeutung des VW-Konzerns, gab sich aber ansonsten unbeeindruckt. «Der Grossteil der Aufgaben wird von Volkswagen selbst gelöst werden müssen», sagte Habeck nach dem Besuch des Werks.

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    Robert Habeck wird interviewt. - Sebastian Gollnow/dpa

    Ein «Autogipfel» mit dem Bundeswirtschaftsminister ist für Montag angesetzt, um über die Krise in der Autobranche und mögliche Unterstützungen zu diskutieren.

    Widerstand und Sparpläne

    Der Betriebsrat und die IG Metall kündigten «erbitterten Widerstand» gegen die angekündigten Sparmassnahmen und Werksschliessungen an. Die IG Metall zeigt sich offen für eine Vier-Tage-Woche, hält aber an ihrer Lohnforderung fest.

    Volkswagen will den Sparkurs verschärfen und hat die alte Zusicherung an die Arbeitnehmer zurückgenommen, wonach es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt. Bis zu 30'000 Stellen könnten in Gefahr sein, obwohl der Konzern dies dementiert.

    Historische und aktuelle Herausforderungen

    Volkswagen hatte in der Vergangenheit einen grossen Vorteil bei der Dieseltechnologie, den es jedoch nicht genutzt hat, um sich auf die Elektromobilität vorzubereiten. «Da waren andere einfach schneller», sagt Ökonom Jens Südekum im ZDF.

    Volkswagen-Fabrik: Der Autobauer lieferte im Januar mehr als im Vorjahresmonat. Zu verdanken war das vor allem China. (Archivbild)
    Volkswagen-Fabrik: Der Autobauer lieferte im Januar mehr als im Vorjahresmonat. Zu verdanken war das vor allem China. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/DPA Deutsche Presse-Agentur GmbH/JAN WOITAS

    Die deutsche Auto-Industrie insgesamt kämpft mit schwachen Absatzzahlen und hohen Kosten für den Umstieg auf den E-Antrieb. Dies lässt die Gewinne schmelzen. Volkswagen meldete im ersten Halbjahr 14 Prozent weniger Überschuss, bei BMW ging es um fast 15 Prozent nach unten, bei Mercedes-Benz um fast 16 Prozent.

    Zukunftsperspektiven

    Experten regen an, dass Volkswagen offen für ausländische Investoren sein sollte, um Technologie zu importieren und den Rückstand bei der Elektromobilität aufzuholen. Die Politik solle dabei nicht direkt eingreifen, sondern nur die Rahmenbedingungen stellen.

    Weit bessere Bedingungen für E-Mobilität will die Bundesregierung schaffen, unter anderem durch Steuererleichterungen für E-Autos. Diese Massnahmen sollen im Kabinett besprochen werden.

    Kommentare

    User #8259 (nicht angemeldet)

    VW hat seinen Ruf als Volkswagen leider selber demoliert, indem sie primär auf immer hochpreisigere Modelle gesetzt haben. Besonders stark fällt die bei den E-Modellen auf. Man konnnte Milliarden in die Entwicklung eines ID3, ID4, ID5, ID7 und den IDBuzz investieren. Aber ein für die breite Masse bezahlbahres Modell ID2 hat VW nach der Streichung des beliebten und sehr gut verkäuflichen E-Up immer wieder auf die lange Bank geschoben. Und nun kommt noch die Gewerkschaft dazu, die trotz nur 35 Stunden Arbeitszeit pro Woche massiv mehr Lohn fordert. Das kann so nur auf einen Vollcrash hinaus laufen.

    User #1078 (nicht angemeldet)

    Da muss Deutschland ein Mindestgewinngesetz einführen, dann gewinnt der Konzern, der Mitarbeiter und der Staat. Die Firmen hören dann vielleicht auf zu produzieren, aber das störte Habeck noch nie, Hauptsache Weltrettung durch Vermeidung von CO2.

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